Von Viehtransfer zu Sturzbächen: Cienfuegos bis Havanna

Die letzten Stunden auf Kuba sind nun bereits vergangen. Ausgestattet mit schnellem und kostenfreiem W-LAN nutzen wir unseren kurzen Aufenthalt in Cancun um Kuba Revue passieren zu lassen. Gar nicht so leicht, wenn man bedenkt, was für eine hoch verdichtete und intensive Zeit wir in diesem Land verbracht haben. Aber der Reihe nach:

Unseren letzten Blogeintrag haben wir aus Vinales, dem grünen Tal hochgeladen. Insgesamt hatten wir dort eine gute Zeit, da die malerische Natur einfach atemberaubend war! Die etwas erschwerte Verständigung mit der Casabesitzerin in Vinales führte aber auch zu recht irrwitzigen Erlebnissen: So pochte es zum Beispiel einmal gegen 22:30 laut an unserer Zimmertür mit der Frage, wann wir morgen denn frühstücken wollen. Zu unserem Unglück war die Tür nicht gänzlich verschlossen und so wurden wir fast in Unterhemd und Schlüppi beim Kartenspielen ertappt. Die Casa-Oma hatte dann aber noch genug Contenance nicht einfach so einzutreten und die Situation konnte mit einem Lächeln gerettet werden. 😊
Neben einer tollen, geführten Tour durch das grüne Tal hatten wir auch das Glück, ein nettes deutsches Paar wiederzutreffen, welches wir direkt an unserem ersten Tag in Havanna kennengelernt hatten. Youlie und Daniel wurden zu echten Wegbegleitern auf unserer Reise durch Kuba, wie ihr in den nächsten Zeilen noch merken werdet.😊

Die Taxifahrt nach Cienfuegos, unserem nächsten Halt, war, ganz in kubanischem Geiste, wieder ein Erlebnis für sich. Mitten in Havanna, worüber die fünfstündige!! Strecke führte, hielt der Taxifahrer auf einem abgelegenen Parkplatz (übrigens auch der Gleiche Halunke, der auf dem Hinterhof schwarz getankt hatte) und wies uns im barschen Ton und stark gestikulierend an, das Taxi zu verlassen. Ein Freund von ihm wartete schon auf uns und so wurden wir, im wahrsten Sinne des Wortes, weiter nach Cienfuegos gekarrt. Fühlte sich ein bisschen wie ein Viehtransfer an, jedoch ein komfortabler: Auf dem Weg zum Zielort saßen wir allein, in einem gepolsterten und klimatisierten Peugeot.
Überhaupt ist die Kommunikation unterhalb der Taxifahrer ein Ding für sich: 10 sekündige, laut gebrüllte und fürs deutsche Ohr extrem aggressive Handygespräche zwischendurch sind an der Tagesordnung. Die Kisten sind aber auch so laut, dass man sich sonst wohl kaum verstehen könnte. Dafür wird man aber auch mit deftigem Benzingeruch entschädigt. *hust*

Als wir angekommen waren und uns akklimatisiert hatten, starteten wir unsere obligatorische erste Erkundungstour. Cienfuegos ist eine kleine Stadt an einem großen See gelegen und wird auch „perla del Sur“ genannt.
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Die Perle des Südens hat wirklich einen schönen Stadtkern und eine schicke, blendend weiße Meile zum Flanieren. Die Gestaltung ist ziemlich touristisch, aber trotzdem schön. Etwas überrascht erblickten wir dort zum Beispiel einen Adidas-Shop – der wirkte dort, neben den sonst kargen Supermercados mit wenig Auswahl so deplatziert wie ein Husky am Sandstrand.
Unsere müden Häupter konnten wir in einer liebevoll dekorierten Casa mit Terrasse betten. Diese war für uns auch eine echte Perle, da sie uns in dem sonst recht alten und verfallenen Viertel von Cienfuegos, wo wir schliefen, eine Oase der Sicherheit und des Wolhbehagens schuf.
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Da das Städtchen ansonsten nicht viel Aufregendes bot, freuten wir uns wie Bolle auf die kommenden drei Tage in Trinidad.

Selbstverständlich berichten wir auch hier von unserer Fahrt mit dem Taxi-Collectivo. Denn diesmal hatten wir einen ganz besonderen Passagier an Bord: Ein kleines italienisches Baby versüßte uns die kurze Fahrt nach Trinidad. (Natürlich waren Mama und Papa mit von der Partie 😉)
Schon auf der Wahnsinnsfahrt über Hügel und durch wunderschöne Täler, wurde der Himmel grauer und grauer – dass das tatsächlich nichts Gutes verhieß, sollten wir später am eigenen Leib erfahren. Glücklicherweise gerade so noch trocken kamen wir in der Casa von Pedro und seiner Familie an und wurden sehr herzlich empfangen. Was er uns dann zeigte, war einfach der Hammer und ein Geschenk des Himmels: Wir hatten eine komplette Etage für uns allein, alles war schön, neu und geschmackvoll eingerichtet. Ein Geruch von Reinlichkeit und frisch geputztem Badezimmer lag in der Luft. Das I-Tüpfelchen war dann noch eine große Dach-Terrasse. Unsere Dankbarkeit kannte keine Grenzen! Gekrönt wurde das Willkommen noch von einem mächtig starken Rum-Cocktail mit Zitrone und Honig auf Eis, der uns auf leerem Magen vormittags um 11 Uhr binnen von 5 Minuten in Kicherlaune brachte.

Doch dann entschied sich Petrus, mal richtig auf die Pauke zu hauen – die Schleusen des Himmels öffneten sich.
Wir konnten gerade so noch ein wenig durch die Straßen schlendern und etwas Essen. Das Prasseln des Regens begleitete uns mal mehr mal weniger intensiv und lullte uns abends in den Schlaf. Auch am Morgen weckte uns auch das vertraute Geräusch von Regentropfen auf den Dächern. Mui bien – So hatten wir uns den Besuch in Trinidad nicht unbedingt vorgestellt. Bis 14 Uhr konnten wir uns mit schlafen, Filme schauen und wieder schlafen ablenken, doch dann wollte der Magen doch etwas gefüllt werden. So wagten wir uns raus – ein folgenschwerer Fehler.  (Es muss dazu erwähnt werden, dass Sonntag und auch noch Vatertag in Kuba war.)
Gerade als wir uns mit unserem Regenzubehör wetterfest gemacht hatten und losliefen, verstärkte sich der Regen und wir waren binnen von Sekunden nass bis auf das letzte Stückchen Stoff, auf den Straßen bildeten sich reißende Strombäche, die das passieren unmöglich machten. Das, was da runterkam, Regen zu nennen, wäre eine Untertreibung gewesen.
In den so vielversprechenden, imprägnierten Wanderschuhen stand das Wasser – Memo an alle: Der Schuh kann noch so wasserdicht sein: wenn man kurze Hosen anhat und das Wasser von oben in den Schuh läuft, werden die Söckchen trotzdem klitschenass. Hätten wir doch mal wie die Einheimischen einfach unsere Flip Flops angezogen. Aber neee, der deutsche Verstand setzte sich durch – wir haben die Schuhe ja auch extra für sowas angeschafft. 😊
End von der Geschicht: Trau den wasserfesten Schuhen und Schutzhüllen der Rucksäcke nicht. (wobei man auch bezweifeln kann, dass bei so einem Regen überhaupt irgendetwas dichthält)
Wir aßen zwei „Pizzen“, kauften Kekse für einen schmerzhaft hohen Preis und verbrachten die restliche Zeit in unserem Loft.

Am nächsten Tag luden uns Daniel und Youli auf eine Tour mit ihrem Mietwagen durch eine nahegelegene Berglandschaft ein. So sahen wir, auch wenn das Wetter noch recht trüb war, doch noch einiges von Trinidad und der Umgebung.
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Hier sei auch nochmal eine Unverschämtheit des kubanischen Tourismus-Systems vermerkt: Wir waren auf dem Weg zu einem der berühmten Wasserfälle in der Nähe von Trinidad. Nachdem wir dort geparkt und zum Eingang eben dieser gewandert waren, hielt uns ein Einheimischer auf und zeigte an eine Tafel. Mit absolutem Schrecken stellten wir fest, dass der Eintritt zum Wasserfall unverschämte 10 CUC (10 €) PRO PERSON kosten sollte. Diese Farce quittierten wir mit ungläubigem Kopfschütteln und zogen zu viert wieder von dannen.
Wir ließen uns jedoch die gute Stimmung nicht verhageln: Letztlich war es ein richtig toller Tag, den wir mit leckeren Tapas in dem wunderschönen Zentrum von Trinidad ausklingen lassen konnten – vielen Dank nochmal an euch beide für diese tolle Zeit! 😊

Der letzte Halt vor Havanna führte uns nach Varadero – eine Region, die allen voran wegen ihrer extrem touristischen Umgebung und für ihren Traumstrand bekannt ist. Das erste können wir nicht bestätigen, das zweite aber dafür umso mehr: Es waren zwar einige Touristen unterwegs, aber am Strand, waren nicht viele Menschen. Wir müssen gestehen: Die „playa“ hat uns aus den Socken gehauen. Hier verwenden wir die Bildsprache zur Beschreibung:
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Am nächsten Tag ging es dann noch einmal für eine Nacht nach Havanna. Schon bei unserer Ankunft dort, schlug uns wieder die stehende heiße Luft der Großstadt entgegen, die grauen, stinkenden Abgase der Oldtimer und die wohlbekannten Rufe – „Taxi my friend?“.
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Wir waren recht froh, die letzten Stunden auf Kuba bei Elena ausklingen zu lassen, während im Bauch das Kribbeln wieder größer wurde. Die Aufregung stieg, der Puls schnellte in die Höhe: Ein neues Abenteuer kündigte sich an.
Alles an Bord, es geht nach: Mexiko!

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