Ein Stückchen Eden und heiße Pyramiden

Nach unserem nicht mal einstündigen Flug von Havanna nach Cancun, auf dem wir trotzdem noch ein leckeres Getränk und Chips abgegriffen hatten, kamen wir in der Flughafenhalle in Cancun, Mexiko an und uns entglitten die Gesichtszüge. Sollte es wirklich wie auf Kuba weitergehen?
Um uns herum schwirrten die Anbieter von Taxiunternehmen und wollten uns mal wieder nur den „besten Preis“ schmackhaft machen. Aber nein, diesmal wollten wir wirklich ganz backpackerlike den Bus in die Innenstadt nehmen – den, den auch die Einheimischen benutzen.
Nur leider erwies sich die Suche nach dem richtigen Ticketschalter und Abfahrtgleis mehr als schwierig und das nicht nur, weil wir uns buchstäblich durch die Taxifahrer kämpfen mussten. 😉
Auf einem eher abgelegenen Parkplatz entschieden wir uns, es doch noch einmal zu wagen und jemanden bezüglich des Busses zu fragen (vorher bekamen wir als Antwort eh immer nur irgendwelche Preise um die Ohren geschlagen) und trafen auf einen Engel in Form einer jungen Frau. Ein echter Segen! Sie merkte, dass wir etwas verloren waren und brachte uns bis zum Ticketschalter des Busses in Richtung Innenstadt: Check! Hier mal ein kleiner Preisvergleich: Die Busfahrt kostete pro Kopf circa 3,50€ – der Taxitransport hätte um die 25€ gekostet.
Die stolz geschwellte Brust sank aber nach kurzem wieder in sich zusammen: Das Hostel zu finden gestalte sich als Krampf, weil warm und schweres Gepäck und keine richtige Karte und hungrig. Aber am Ende haben wir es gefunden und mehr braucht man zu diesem Etablissement nicht zu sagen. 😉 Außer:
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ABER dann, dann waren wir einkaufen. Das erste Mal in Cancun und wir fühlten uns wie im Paradies. Oder eher wie in Amerika. Auch wenn wir vorher nicht in den USA gewesen sind; so stellten wir uns die dortigen Supermärkte vor. Ein kolossale Auswahl an allem und noch mehr. Wir waren wie in einem Glücksrausch: Endlich wieder die Wahl zu haben und kauften natürlich gleich wieder eine Menge ein. Es ist doch schon erstaunlich, wie sehr wir durch unser Konsumverhalten in Deutschland geprägt werden / worden sind und wie sehr wir in Kuba litten, dieses nicht auszuleben. Oder anders gesprochen: Bei der Versorgungslage in Kuba hat man das Gefühl, nur im Kiosk nebenan einkaufen zu können – es passt schon, aber man ist so viel mehr gewohnt. Das nehmen wir auf jeden Fall noch einmal zur Gelegenheit über unsere Gewohnheiten und Motive zu reflektieren.
Im Anschluss gab es als Abendbrot an einem mexikanischen Imbissstand für uns Tingas, kaum überraschend waren dies kleine, super leckere Fladentaschen und als wir dort so saßen und aßen waren wir einfach glücklich.

Am nächsten Tag, nachdem wir noch ein wenig die Wifi-Verbindung des Traum-Hostels zum Glühen brachten, ging es mit dem First-Class Bus nach Tulum, einer kleinen Stadt an der Küste.

Wir wären nicht Tobi und Mareike, wäre die Suche nach unserer nächsten Unterkunft nicht wieder ein kleines Abenteuer für sich. Ganz in wahrhaftiger Sparfuchsmanier wollten wir wieder ein paar Pesos mehr in der Tasche haben und liefen in der noch recht heißen Nachmittagssonne los. Unsere Offlinekarte hatte unser Ziel nicht finden können und so war es eine Suche im blauen Dunst oder eher in den flirrenden Straßen Tulums. Nach 20 Minuten, wir schon völlig durchgeschwitzt und entnervt, kamen wir in einer recht wenig bevölkerten Straße an. Es war klar, hier liegt unsere nächste Unterkunft sicherlich nicht, oder doch? Um sicher zu gehen fragten wir bei einer mexikanischen Familie, die am Straßenrand im Schatten saß (diese klugen Menschen…). Nach Minuten der Zeichensprache und hilflosen Schulterzuckens hatten wir eine kleine Karte aufgemalt, bis zum Ende der Straße, dann zweimal rechts, dann links… Wir waren schon völlig fassungslos, in solchem Ausmaß hatten wir uns doch nicht wirklich verlaufen? Etwas entmutigt stiefelten wir weiter in der gnadenlosen Hitze bis zum Ende der Straße und wollten schon rechts abbiegen, da lugte vor uns, am Ende eines kleinen Weges, das Eingangsschild zu unserer nächsten Unterkunft hervor. Sehr erleichtert lachten wir auf und checkten wenige Minuten im Paradies ein. (hier ein kleiner Lacher zwischendurch: Später fanden wir heraus, dass eine Taxifahrt vom Busbahnhof zu unserer Unterkunft nicht einmal 2€ gekostet hätte…)
Joy Tulum, bei Booking übrigens „Nur für Erwachsene“ gekennzeichnet – wir wussten daher nicht wirklich was uns erwartet. Wir fanden dann heraus: Es soll wohl nur bedeuten, dass Kinder nicht sonderlich erwünscht sind. 😀 Wie beschreibt man das am besten – als eine Art Dschungellodge?  Es lässt sich mal wieder kaum mit Worten beschreiben daher hier zwei Bilder:

Tulum und Cenote (8)Tulum und Cenote (2)

Von Anfang an haben wir uns hier pudelwohl gefühlt und ab der ersten Minute merkten wir, wie sehr wir es nötig hatten, ein wenig runter zu touren.

Am nächsten Tag führte uns der Weg zu unserer ersten Maya-Ruine. Glücklicherweise stellte unser Hostel Fahrräder zu Verfügung, so konnten wir uns wieder den Bustransfer sparen und Bewegung tat uns auch mal wieder ganz gut. Leider waren diese Fahrräder wohl schon lange nicht mehr durch den internen Joy-Tulum-TÜV gekommen und so war die Fahrt nicht ganz ungefährlich – wir kamen jedoch trotzdem wohlbehalten an unserem Zielort an.
Auf anderen Blogs hatten wir schon oft gelesen, dass man zu den Ruinen immer sehr früh aufbrechen sollte, damit man noch vor den ganzen Touristenschwärmen da ist. Alles klar, machten wir so und es war auch tatsächlich gut so.
Die Anlage der Mayastadt in Tulum liegt direkt am Meer und ist wirklich sehr beeindruckend:
Tulum und Cenote (3)
Durch den Tipp konnten wir wirklich noch unter den ersten hundert Besuchern sein und schoben uns eher von schattigem Plätzchen zu schattigem Plätzchen – die Sonne ballerte unbarmherzig. Irgendwie gewöhnt man sich doch nicht an alles. 😉 Und so denken wir ernsthaft noch über einen Kauf von einem Regenschirm nach um uns vor den sengenden Strahlen zu schützen. Da kann man die Echsen, die in den Ruinen an jeder Ecke in der Hitze brutzeln, nur beneiden:
Tulum Maya Ruine (43)

Tag 2 in Tulum und wieder einmal stiegen wir auf die kostenlos zur Verfügungen stehenden Fahrräder – die deutsche Sicherheitskontrolle hätten die Teile noch viel weniger bestanden als die vorigen – und wagten uns auf die mexikanische Route 66 – mitten in der prallen Morgensonne. Suuuper Idee, wir Hirnis mit unserem Alabaster-Vampir-Hautton.
Das Schwitzen hatte sich aber wieder mal gelohnt: Als Ziel unserer Tortur erwartete uns nämlich eine Cenote. Dies ist eine Kalksteinhöhle unter der Erde, die über die Jahrtausende von Süßwasser ausgespült wurde – ein beliebtes Ziel für Schnorchler und Taucher und gerade in Mexiko ein absolutes Muss!
Nachdem wir uns mit dem nötigen Equipment ausgestattet haben, stiegen wir in eisiges, unfassbar klares Höhlenwasser.
Tulum und Cenote (1)Tulum und Cenote (9)_2
Die ersten Minuten des Schnorchelns fühlten sich eher an wie Ersticken und wir röchelten lachend vor uns hin – aber Übung macht bekanntlich den Meister und so standen uns wahnsinnige Einblicke in die Unterwasserwelt bevor. Einfach unvergesslich! (Dieses Erlebnis lässt uns wieder einmal über eine Actioncamera nachdenken – ach was gibt es nicht immer so für feine Sachen zu kaufen um unsere Reise so gut wie möglich festzuhalten. Aber letztlich bleiben solche Momente fest in unserem Herzen.)

Den Nachmittag verbrachten wir in unserer wunderschönen Unterkunft und genossen einfach den dortigen Pool, die Sonne, das Zirpen der Zikaden des Dschungels und die Mosquitos. Nicht.
Am Abend saßen wir wie immer im „Aufenthaltsraum“, einer großen Lodge mit groben Tischen, um Bilder zu sortieren und noch einige Recherche zu betreiben.
Tulum und Cenote (5)
Er endete aber in schönen Gesprächen mit den anderen Reisenden über ihre Erlebnisse (Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass 90 % der Gäste hier junge Paare sind) und gab uns einen Vorgeschmack darauf, was in der Welt noch darauf wartet, von uns entdeckt zu werden.

Mehr denn je spürten wir echte Reiselust! Da traf es sich gut, dass unser nächster Reiseort, die Stadt Valladolid, Ausgangspunkt für eines der neuen sieben Weltwunder ist: Das uralte, riesige Maya-Gelände namens „Chichen Itza“. Nachdem wir gestern in unsere kleine Ferienwohnung eingecheckt hatten (diesmal waren wir übrigens schlauer und haben gleich ein Taxi genommen), machten wir uns an die Planung unseres heutigen Ausfluges und reservierten uns nebenbei gleich noch Unterkünfte für die nächste Woche. Wir kleinen Organizer wir. 😊
Da es sich bei Chichen Itza um die bekannteste Maya-Anlage auf Yucatan handelt galt hier einmal mehr, dass der früheste Vogel den Wurm ergattert – oder in diesem Fall ein Foto ohne Touri-Massen auf dem Bild. Der Wecker riss uns unsanft um 5.15 aus dem Schlaf – eine dreiviertel Stunde und eine nahrhafte Portion leckeren Apfel-Porridges weiter zurrten wir die Rucksäcke und Schnürsenkel fest und machten uns auf die Suche nach einer Transportmöglichkeit zur Ausgrabungsstätte. Nach gefühlt endlosem Suchen (und das obwohl wir uns vorher informiert hatten) und kurz vorm Abbruch des Tagesprojektes liefen wir an einem Tor vorbei, aus dem uns ein älterer Einheimischer mit lustigem Haarschnitt in das offizielle Taxi Collectivo nach Chichen Itza für einen lachhaften Preis von knapp 2,50€ pro Kopf einlud. Wir waren genau über den richtigen Ort gestolpert und so begann die Fahrt wenige Minuten später.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde kamen wir an und ergatterten die Eintrittskarten zum weitläufigen Maya-Areal. Der Tipp des frühen Aufstehens erwies sich auch hier erneut als Gold wert. Denn nicht nur die geringere Temperatur des Morgens und die wenigen anderen Mit-Touristen waren ein Vorteil, sondern auch der Umstand, dass die endlosen Reihen an Verkäufern, die nur wenig später die Wege des Platzes säumten, zu dieser Uhrzeit ihre Stände erst noch aufbauen mussten.
Chichen Itza (118)
Uns eröffnete sich also ein beinahe optimaler Blick auf das Wahrzeichen von Chichen Itza, die Kukulcán-Pyramide.
Chichen Itza (116)Chichen Itza (10)

Es ist kaum vorstellbar, dass so ein gewaltiges Bauwerk die Jahrhunderte in so einem guten Zustand überdauern konnte. Was für einen prächtigen Anblick die Pyramide und die vielen anderen Bauten des Geländes damals wohl geboten haben müssen – wenn man sich diese Anlage anschaut, fühlt man sich schon ein bisschen wie Indiana Jones (oder für die Zocker unter uns: Nathan Drake). 😊
Chichen Itza (141)

Morgen geht es nach Ek Balam, einer Ausgrabungsstätte, an der man angeblich sogar noch selbst auf die dortigen Maya-Pyramiden steigen kann. Wir sind schon mächtig gespannt und hoffen, dass wir diesmal ohne Nervenzusammenbruch dahingelangen werden!

Bis dahin ein riesiges Dankeschön an alle, die mit uns virtuell mitreisen, mitlesen, mitverfolgen, kommentieren und liken! 😊

 

6 Gedanken zu “Ein Stückchen Eden und heiße Pyramiden

  1. Hallo, Ihr zwei, großartig, was Ihr alles erlebt. Manches erinnert mich an meine Interrail-Tour, z.B. schwitzen, kilometerlanges Rucksackgeschleppe durch staubige vor Hitze flimmernde Großstädte u.a. Es macht Spaß, Euch virtuell zu begleiten. Danke und Gott schütze und segne Euch. Liebe Grüße, Heike <

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    • Hallo Heike,
      Danke für dein liebes Kommentar! Es ist schön zu wissen, dass unsere Einträge gern gelesen werden! Hach ja, auf manches Grad kühler freuen wir uns aber auch- dann macht das Rucksackschleppen bestimmmt gleich wieder mehr Spaß 😉 Liebste Grüße aus dem abendlichen Mexiko

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  2. Hach, ist das schön! Ich freu mich sehr mit und für euch dass ihr dieses Abenteuer gewagt habt! So schöne Bilder und Berichte, macht wirklich Spaß digital mitzureisen! Weiterhin viel Bewahrung wünsch ich Euch!

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