Traumhafte Inseln und verlassene Hostels

Nachdem wir unseren doch recht abenteuerlichen Besuch in Chichén Itzá auf unserer kleinen Terrasse unserer Airbnb-Unterkunft verarbeitet hatten, ging es am nächsten Tag gleich auf zur nächsten Maya-Ruine: Nach Ek Balam.
Da wir nun schon ziemlich versiert und sicher im Umgang mit den Taxifahrten und Transportmöglichkeiten in diesem Teil der Erde waren, fanden wir recht schnell unseren fahrbaren Untersatz zur alten Maya-Pyramide. Nach einem kurzen, nicht ganz so erfolgreichen Plausch per Google-Übersetzer mit dem Taxifahrer (jaaa, unser Spanisch hat noch immer Lücken 😉) stiegen wir mit zwei älteren Mexikanerinnen zusammen ins Auto. Als der Fahrer dann vor einem Einkaufsladen hielt und eine der beiden Damen ausstieg dämmerte uns so langsam, was der Übersetzer uns vor Antritt der Fahrt sagen wollte: Wir machten nochmal einen kurzen Stop damit seine Tía, Tante, einkaufen konnte. Sí, claro!
Valladolid (20)

Dann kamen wir in Ek Balam an. Schon der kurze Weg, den wir noch durch den Regenwald zu den Ruinen laufen mussten, stimmte uns froh und lies uns durchatmen. Das saftige Grün des Waldes, das Vogelgezwitscher und die Stille waren einfach herrlich und das absolute Kontrastprogramm zu Chichen Itza.
Da wir unter den ersten 4 Besuchern waren, hatten wir die Anlage noch ein wenig für uns allein. Gleich zu Beginn machten wir uns auf zu dem Highlight der Stätte – zur großen Pyramide, welche man noch selbst besteigen kann! Mit etwas wackligen Knien kletterten wir Stufe für Stufe auf ein jahrhundertealtes, beeindruckendes Bauwerk der Maya – mit jeder Stufe wurden wir neugieriger, erwartungsvoller – und verschwitzter. Die Höhe der Stufen ist einfach sagenhaft!
Dann waren wir oben angekommen. Wir drehten uns auf dem Gipfel der Pyramide um und blickten auf den Regenwald – was für ein einmaliger Anblick. Mächtig und heroisch erhoben sich die restlichen Ruinen der Anlage aus dem Wald und boten uns einen faszinierenden Ausblick, den wir in uns aufsogen – wieder einmal ein Moment, der nicht mit Worten zu beschreiben und auf Bildern kaum festzuhalten ist:
Ek Balam (21)Ek Balam (28)

Am nächsten Morgen ging es für uns nach Merida. Da wir recht erschlagen von der Hitze waren und wir bereits wussten, dass uns ein strammer Fußmarsch zum Busbahnhof von Valldolid erwarten würde, nahmen wir gern das Angebot unserer Airbnb-Mutter an, uns ein Taxi zu rufen. Doch daraus wurde nichts – Das Taxiunternehmen hatte wohl die Telefonrechnung nicht bezahlt und so konnte Harriet niemanden erreichen. Die mexikanische Freundlichkeit kannte aber auch hier keine Grenzen und nicht einmal 15 Minuten später saßen wir in ihrem Auto auf dem Weg zum Busbahnhof.
In Merida angekommen, schlug uns wieder die glühende Mittagshitze ins Gesicht – wie wir in den nächsten Tagen noch merken sollten, hatten wir uns daran noch immer nicht gewöhnt. Daher entschieden wir uns, auf Rücksicht auf unsere Gesundheit, wieder für einen Taxitransport zur nächsten Airbnb-Unterkunft – das kostete zum Glück nur 3€.
Nach wenigen Sekunden im Auto ertönten aus den Lautsprechern seltsam vertraute Worte: „Scheiß die Wand an“ und „Arschgeier“ von Mexikanern auf Deutsch gesprochen. Lachend schauten wir uns an und der Taxifahrer klärte uns mit einem Grinsen auf: Es lief gerade das Fußballspiel zwischen Mexiko und Deutschland. Aha, interessante Moderation, ihr Mexikaner. 😊  Eine kleine versteckte Kamera wäre doch schön gewesen, als Tobi probierte die erste Redewendung mit Gestik und Geräuschen dem Taxifahrer zu erklären.

Unsere 4 Tage in Merida verbrachten wir bei einer Mutter mit ihren zwei Söhne und zwei Hunden. Es war eine schöne Unterkunft und die gemeinschaftliche Nutzung der Küche ließ uns ein wenig am Familienleben teilhaben. Doch noch enger wurde der Kontakt, als wir eines Abends 22.30 Uhr von einem Ausflug wieder nach Hause kamen. Anzumerken ist noch, dass wir keine Schlüssel hatten und wir darauf hoffen mussten, dass jemand unser Klopfen hört und die Tür öffnet. Da uns auch an diesem Tag erneut erbarmungslose 34 Grad gar gebacken hatten, freuten wir uns sehr auf eine kühlende Dusche. Daraus wurde jedoch leider nichts – nach mehrmaligem Herumdrehen am Wasserhahn war klar: Es läuft nichts. Wir schauten uns mit großen Augen an und waren froh, dass vorher nur ein kleines Geschäft auf der Toilette verrichtet wurde. 😊
Isabel half uns zunächst mit Trinkwasser aus und so „duschten“ wir schüsselweise. Aber damit nicht genug, in unserem Zimmer trugen Luftfeuchtigkeit und Wärme ein erbittertes Gefecht um die Vorherrschaft in unserer Bude aus. Es war nicht auszuhalten. Nicht einmal die Klimaanlage konnte Abhilfe schaffen, denn die funktionierte nicht richtig – So schob uns Isabel noch einen zweiten Ventilator ins Zimmer. Dementsprechend „ruhig“ waren die Nächte dort: Schweißgebadet und wenig erholsam. Wir wachten am Morgen schon erschöpft auf und vor 14/15 Uhr konnten wir das Haus kaum verlassen.
Kurioserweise hatten wir dennoch eine wunderbare Zeit in Merida, welche die (Kultur-) Hauptstadt von Yucatan ist. Ähnlich wie in Trinidad auf Kuba, gefielen uns die kleinen Gassen mit den bunten, im Kolonialstil gebauten, Häusern. Gefühlt an jeder zweiten Ecke gab es kleine Plätze, die zum Verweilen einluden und stets grün und gepflegt daherkamen. Eines fiel uns schnell auf: Diese Stadt weiß, wie man Kultur am Leben erhält und wie man sich das Leben schön gestaltet. Jeden Abend gab es nämlich eine kostenlose Veranstaltung – so besuchten wir am ersten Abend eine „Seranata“ mit typisch mexikanischer Musik und Tänzen.
Merida (8)
Am darauffolgenden Tag konnten wir im Anblick der beeindruckenden Kathedrale einem alten Maya-Ballspiel als Zuschauer beiwohnen.  Gefesselt schauten wir den liebevoll und ins kleinste Detail als Maya-Krieger verkleideten Männern bei einer wirklich interessanten Art des Ballspielens zu.
Merida (73)
Im Gegenteil zu Kuba, wo wir oft das Gefühl hatten die Bands auf den Straßen spielen eh nur noch für die Touristen, empfanden wir die Veranstaltungen in Merida als Teil des Zusammenlebens, die auch stattfinden würden, wenn wir nicht da wären. Wir saßen zwischen all den Einheimischen und anderen mexikanischen Touristen und fühlten uns pudelwohl.
Auch unser letzter Abend hielt noch eine kleine Überraschung für uns bereit: Spontan wurden wir von Isabel und ihrer Mutter auf ein extrem leckeres, selbstgemachtes Orangengetränk in die Küche eingeladen. Wir saßen zusammen und wurschtelten uns mit Englisch, Spanisch und Google durch ein doch irgendwie schönes Gespräch über Merida und die Welt. Sowas bräuchte man öfter, um hier wirklich anzukommen.
Eines war am Ende klar: Nach Merida würden wir auf jeden Fall noch einmal reisen!
Merida (33)Merida (35)

Nach den Tagen in der Stadt sollte nun das letzte Highlight in Mexiko folgen:

Zwei Nächte auf der Isla Holbox. Das kleine Paradies liegt ca 2,5 h von dem Partyort Cancun entfernt und mit einer Fähre wird man innerhalb von 45 Minuten in eine andere Welt gefahren. Auf der Insel gibt es keine Straßen, da Autos im Generellen verboten sind. Nur die zahlreichen Golfcars und Motorroller wirbeln den Staub auf den Sandwegen auf. Schon nach wenigen Minuten, die wir durch die „Straßen“ schlenderten nahmen wir das karibische Flair auf, das entspannte Leben fernab von lärmenden Großstädten.
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Es herrschte eine Atmosphäre wie auf einer entspannten Gartenparty: An Jeder Ecke gab es etwas zu essen, Wasser zum Baden in der Nähe und keiner trägt festes Schuhwerk. 😊 Was die Flip-Flop-Industrie in Holbox und Mexiko an Umsatz machen muss, ist kaum vorstellbar – selbst Bauarbeiter stapfen damit umher.
Unser Aufenthalt auf der Insel wurde durch bilderbuchartige Sonnenuntergänge, Regenfälle und das Entdecken von kleinen Rochen direkt im Meer zu einem Highlight unserer Yucatan-Reise.
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Da wir ja generell gerne mit wenig Stress unsere Ankünfte am Flughafen beziehungsweise unserem Abflugort gestalten, entschlossen wir uns einen Tag vor unserem Flug nach San Jose, Costa Rica, noch eine Nacht in Cancun zu verbringen.
Als wir an unserer gebuchten Unterkunft ankamen, erweckte das Hostel schon keinen sonderlich vertrauenserweckenden Eindruck. Lieblos wurde mit blutroter Farbe der Name „Holidays Cancun“ ans Eingangstor gesprayet; der Innenhof, den man durch ein mit Pappe und Holz verkleidetes Gitter begutachten konnte, schrie förmlich: „Hehe, hier wohnt garkeiner mehr, ihr Pappnasen!“
Nachdem wir einige Minuten davor gewartet und uns die Finger wundgeklingelt hatten, sprachen uns, Gott sei es gedankt, zwei Einheimische Frauen an, die direkt zwei Häuser weiter wohnten. Meine Herren, die waren ein echter Segen: Sie versuchten die Unterkunft für uns anzurufen, ließen uns ihr Internet benutzen und führten uns schließlich zu einem nahegelegenen Hotel, in dem wir sicher nächtigen konnten. Ein geniales Erlebnis und Zeugnis dafür, dass es echt noch Menschen gibt die einem einfach so helfen.
Später fanden wir heraus, dass der Eigentümer des ursprünglichen Hostels uns – KURZ VORHER – eine Mail über das Buchungsportal geschrieben hatte, indem er uns in gebrochenem Englisch mitteilte, dass es das Hostel nicht mehr gibt und wir bitte stornieren sollen… so schließt sich der Kreis.

Nach dem unsere organisatorischen Fähigkeiten erneut auf die Probe gestellt wurden (das Internet im Hotel fiel aus und wir mussten noch einen Flug aus Costa Rica heraus buchen – tja, Einreisebestimmungen) sind wir nun um einige Erfahrungen und einen Flug von San Jose nach Lima reicher gut in Costa Rica gelandet! Auch wenn uns bewusst war, dass wir in der Regenzeit reisen so überraschen uns gerade doch etwas die recht langen Regenfälle.

Wir sind also gespannt, was die zwei Wochen in der Schweiz Zentral-Amerikas für uns bereithalten. 😊

P.S.: Noch mehr Bilder gibt es hier –> https://travelminded.blog/bilder/

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