Preisfallen und gestohlene Betten

Die Reise nach Costa Rica stand schon von Beginn an unter einem suboptimalen Stern.
Nach dem Fiasko mit der gebuchten, nicht existenten Unterkunft waren wir ja in ein nahegelegenes Hotel gezogen, das theoretisch auch über W-Lan verfügte. Das traf sich gut, denn für die Einreise nach Costa Rica ist, rein theoretisch, auch ein Ausflugsticket oder irgendeine Art von Ausreise nachzuweisen, sonst kann die Einreise ins Land verwehrt bleiben. So planten wir also, an diesem Abend noch unsere Tickets ins nächste Reiseland Peru zu buchen und auch noch allerhand anderen organisatorischen Kram zu erledigen. Kurz nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, fiel jedoch das Internet aus – wir fügten uns also in unser Schicksal und hofften am nächsten Morgen auf eine bessere Verbindung. Diesbezüglich wurden wir jedoch am nächsten Morgen enttäuscht und so blieb uns nichts anderes übrig, als mit Sack und Pack erst zum Busbahnhof (dort gibt es kostenfreies, jedoch unsicheres W-Lan) um dort ein Internetcafe zu ergooglen um in diesem Dann unseren Flug zu buchen. Puuh, durchatmen Tobi und Mareike. Nach einigem Hin und Her und noch kleineren Fallstricken zwischen deutschen und mexikanischen Servern hatten wir unsere Tickets für einen exorbitant hohen Preis nach Peru ergattert. Schon einmal komplett durch machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, um die restliche Zeit gemütlich im Gate abzusitzen.
Funktionierte das Einchecken und Gepäck aufgeben noch ganz ohne Probleme, wurden unsere deutschen Pünktlichkeitsmägen jedoch schon etwas unruhig, als eine Stunde vor Abflug der ersten Maschine – der Flug nach San Jose war zweigeteilt – noch immer kein Gate an der Anzeigetafel zu lesen war. Nachdem wir immer abwechselnd eine Tour zur Tafel gedreht hatten, kehrte Mareike an unseren Basistisch vor einem Burgerladen zurück und berichtete, dass der Flug eine Stunde Verspätung haben wird. An sich kein Problem – da wir jedoch nur knapp zwei Stunden zum Umsteigen zur Verfügung hatten, spannte sich die innere Angstmuskulatur dann doch ein bisschen an: Würden wir den Anschlussflug in Mexiko-Stadt schaffen?
Nach langem Warten am nun doch endlich preisgegebenen Gate war die Umsteigezeit bereits auf eine Stunde heruntergeschmolzen. Ab hier entschlossen wir uns, loszulassen und dieses Problem abzugeben: Wir hatten es sowieso nicht in der Hand. 😊
Zwei Stunden und ein Gratis Kaltgetränk inklusive Mini-Chipstüte später, landeten wir in der Hauptstadt Mexiko City, die vom Flugzeug aus unfassbar riesig wirkte und sich bis in jeden Winkel unseres Blickfeldes erstreckte – der absolute Wahnsinn. Die schiere Vorstellung, in einer solchen Stadt verloren zu gehen, ruft schon dicke Schweißperlen auf der Stirn hervor. Glücklich schnaubend wie die Pferdchen freuten wir uns beinahe schon, dass wir diesen Koloss nur für eine Stunde auf dem Flughafen besuchen würden. So viel war von unserer ursprünglichen Warte- und Umsteigezeit nämlich nur noch übriggeblieben und so hechteten wir direkt zur nächsten Informationstafel um dann über Transportbänder an unser Gate zu gelangen. Dieses lag gefühlt im letzten Winkel, den der Flughafen zu bieten hatte – wir liefen, ohne Übertreibung – sicherlich 15 Minuten über endlose Tunnel, bis wir im gemütlichen Wartebereich ankamen. Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass wir noch gut 30 Minuten bis zum Abflug Zeit hatten und so ergriffen wir die Chance um unsere knurrenden Mägen, die auf Grund unseres Sparfuchs-Modusses bisher nur abgepackte Sandwiches und Kekse bekommen hatten, zu füllen. Im Hyper-Modus schlangen wir unser Sandwich hinunter um auch ja pünktlich boarden zu können – was sollen wir euch sagen: Auch dieser Flug hatte über eine Stunde Verspätung. Es war schon irgendwie zum Lachweinen. 😊
Der wichtigste Punkt, nämlich das Ankommen in Costa Rica, war also gesichert. Als wir also durch die Passkontrolle rauschten – ohne dass nach einem Flugticket zur Ausreise oder ähnlichem gefragt wurde (ARRGH!! *faustschüttel*) – schwemmten wir in den verhassten Ausgangsbereich des Flughafens. Sogleich rückten uns wieder die äußerst penetranten Taxifahrer auf den Leib und kamen so nahe an uns heran, dass der innere Wutpegel gefährlich nach oben schnellte.
Wir fragen uns, was bloß in den Köpfen dieser Fahrer vorgeht: Ihr Auftreten ist fernab von jeder Seriosität, alles an ihnen schreit „Ich bescheiße euch und ihr könnt nichts dagegen tun!“. Es geht gefühlt nur um Geld und nur darum, mehr aus einfachen Fahrt herauszuschlagen, als eigentlich bezahlt werden würde.
Auf jeden Fall fühlten wir uns unwohl und beschlossen auf eine Amerikanerin zu warten, die wir während des Fluges kennengelernt hatten. Diese war mit ihrer Tochter unterwegs, schon mehrmals in Costa Rica gewesen und wurde von einem Freund abgeholt, der in unsere Richtung fahren würde – wir witterten Morgenluft!
Als die nette Dame samt Tochter das Gate verlassen hatten und wir im Beisein ihres Freundes den Wunsch vorgetragen und unsere Hostel-Adresse gezeigt hatten, schüttelte dieser mit dem Kopf und winkte einen der nervenden Taxifahrer heran. Nach kurzem Gespräch zwischen dem Einheimischen und der Amerikanerin zeigte sich der Taxifahrer als ein gewisser Esteban mit offiziellem Taxi und Taxameter. Einigermaßen beruhigt gingen wir mit ihm mit in Richtung Taxi, stiegen ein, fuhren los und merkten nach knapp 10 Minuten Fahrt bereits, dass wir in die Preis-Falle getappt waren. Für die Fahrt von 3 – 4 km mussten wir letztlich 17.000 Colones, also ungefähr 26€ zahlen. Normalerweise hätte die Fahrt um die 8 Dollar gekostet – da hat der Esteban wohl noch ein bis zwei Schleifen mehr eingebaut.
Durch unsere Verspätung des Fluges und die verlängerte Fahrt kamen wir natürlich viel zu spät am Hostel, bzw. an der uns zugesandten Adresse an. Alles war dunkel, aber wir mussten ja leider trotzdem den Klingelknopf drücken. Verschlafen gab uns die Besitzerin zu verstehen, dass wir nicht hier schlafen würden, sondern zwei Straßen weiter – meine Herren! Ein paar Instruktionen weiter gelangten wir an der eigentlichen Unterkunft an, zogen uns den Schlüssel aus einem Zahlenschloss-Schlüsselkasten und betraten die schöne Unterkunft, ein Air-BnB-Hostel. Wir suchten uns den Weg zu dem uns zugewiesenen Zimmer, schlossen die Tür auf und was sollen wir euch sagen: Es lag jemand in unserem Bett, tief schlafend. Wir zogen schnell die Tür zu und warfen uns gegenseitig einen ungläubigen Blick zu: „Dat is doch jetzt nicht wahr, oder?!“
Nach einigem Grübeln entschieden wir uns für die offensive Variante zur Lösung dieses misslichen Umstands: Wir gingen wieder an die Fronttür und klingelten, in der Hoffnung den Verantwortlichen des Standortes mit unserem Problem konfrontieren zu können. Diese Nacht und Nebel-Aktion wuchs sich langsam in unwirkliche Dimensionen aus.
Durch klingeln und klopfen (überdies an der falschen Tür, höhö) konnten wir niemanden finden und mussten die andere Besitzerin anrufen, die sich wiederum darum kümmerte. Nach 10 Minuten kam ein verschlafener Hostel-Dad aus seiner Butze und fragte uns erst einmal, wie wir hier überhaupt reingekommen waren, wo der Schlüssel herkommt und wirkte alles in allem recht verwirrt über unsere Anwesenheit. Als wir ihm vom in unserem Zimmer schlafenden Kerl erzählten reagierter er ungläubig und überzeugte sich selbst vom Bettdieb. Als er die Tür schloss drehte er sich um und hauchte „Fuck… i don’t have a clue who this guy is…“. Dieses Mysterium konnte in dieser Nacht noch nicht gänzlich geklärt werden, aber zum Glück klappte dann doch eines: Wir bekamen endlich ein Zimmer, in dem dieses Mal auch niemand weiter übernachtete. 😊 Müde und komplett kaputt fielen wir ins quietschende Bett und freuten uns, diesen kuriosen Tag überstanden zu haben. Selbstverständlich nicht ohne noch zehn Mal ungläubig die abartige Taxi-Fahrt-Summe in den Äther zu wispern und den Kopf zu schütteln.  Den darauffolgenden Tag verbrachten wir ganz entspannt in Alajuela, machten Pläne und telefonierten während des anhaltenden Regens mit der Heimat- War auch mal wieder schön. 😊

Am Samstag ging es für uns Richtung La Fortuna, ein Dörfchen nahe des Vulkans Arenal. Diesmal sparten wir uns eine überteuerte Taxifahrt und liefen zum Busbahnhof, kauften ein Ticket und warteten gespannt auf die Abfahrt. Ein wenig Bammel hatten wir schon, da wir bereits Einiges über die Busfahrten in Costa Rica gelesen hatten – komfortabel reisen ist etwas anderes – und wir nach „schlechten“ Erfahrungen in Mexiko ein wenig ängstlich gegenüber Busfahrten ohne WC an Bord waren.  So schmissen wir eine Reisetablette ein – welch Ironie es doch ist, als Weltreisende auf Reisetabletten angewiesen zu sein. 😉 Doch sie sollten uns wieder die Haut retten. Denn die Busfahrt war tatsächlich ein paar Level unter den Luxuslinern, die wir in Mexiko nutzen durften. Die Busse in Costa Rica sind oft Ausrangierte aus Amerika, ohne funktionierende Klimaanlage, ausgesessene Sitze und teils kaputten Fenstern und so ging es holprig durch die hügelige Landschaft. Wir waren zwischendurch extrem froh über die einsetzende Müdigkeit, die immer nach einer gewissen Zeit durch die Tabletten ausgelöst wird. Statt geplanten drei fuhren wir fast fünf Stunden, immer wieder stiegen Leute ein und aus. Natürlich wurden auch mehr Tickets verkauft als Sitzplätze vorhanden waren – welch Glück, dass wir noch ein paar erwischen konnten. 😊

In La Fortuna angekommen bezogen wir nach kurzem Fußmarsch unser Hostel. Die Stadt heißt übrigens „La Fortuna“, da sie bei einem Vulkanausbruch im Gegensatz zu verschiedenen anderen Orten verschont geblieben ist und so in „das Glück“ umbenannt wurde.
Laute Musik klang von der Bar und gab einen Vorgeschmack des Geräuschpegels, den wir in den nächsten Tagen vernehmen sollten. Ab circa 12 Uhr bis 22 Uhr wurden nicht immer allgemein verträgliche Melodien über die Boxen gespielt und brachte uns zuweilen an den Rand der Verzweiflung: „DEEEE SPA CITOO…… *döm do döm* I’m in love with the shape of you…“…

Das Örtchen selbst war merkbar auf den Tourismus ausgelegt. So gab es alles was das reisende Herz begehrt: Neben einigen Pizzarestaurants warben überall die Tourismusanbieter für ihre Touren um den Vulkan herum, über hängende Brücken durch den Wald und zu heißen Quellen.
La Fortuna (10)
Alles sehr spannend – alles sehr teuer. So entschieden wir uns am ersten Tag nur einen kleinen Ausflug zu einem Fluss mit Tarzanliane zu unternehmen, in welchen wir auch gerne gesprungen wären, wenn der Regen am Vormittag diesen nicht in einen reißenden Strom verwandelt hätte.

La Fortuna (1)
Dennoch war es ein klasse Ausflug, da sich auf dem Rückweg die Wolken lichteten und wir so einen klaren Blick auf den Vulkan „El Arenal“ erhaschen konnten.
La Fortuna (6)
Für den folgenden Tag hatten wir uns eine kleine Tour zurechtgelegt, die wir laut Internet auch auf eigene Faust ablaufen konnten. Es sollte auf den erloschenen Vulkan gehen, von welchem man einen guten Blick auf den noch aktiven Arenal hat und auf dessen Krater sich ein See gebildet hatte, in welchem wir schwimmen wollten. Früh klingelte unser Wecker, da wir den Plan gefasst hatten, den Regen am Nachmittag zu meiden. Vorbildlich mit prall gefüllten Wasserflaschen und Proviant ausgestattet, geschnürten Wanderschuhen und Motivation für eine tolle Wanderung gingen wir zur Rezeption um uns ein Taxi zum Startpunkt zu rufen. Doch dann eröffnete uns die Dame an der Theke, dass es seit 2 Monaten nicht mehr möglich sei diese Wanderung allein zu machen und wir eine Tour dafür buchen müssen.
La Fortuna (2)
Für schlappe 50 € pro Person um durch einen Wald zu gehen?! Nein Danke! Wir verstehen, dass man für die Nationalparks Eintritt bezahlen muss aber um Wanderwegen zu folgen einen Guide buchen? Wenn es durch die Regenfälle nicht möglich ist: fein. Aber dann doch bitte einfach komplett sperren. Enttäuscht und wütend stiefelten wir zurück zu unserem Zimmer. Zum Glück regnete es den ganzen Tag – schön wär’s dann ja eh nicht geworden. 😉 Es war jedoch ein Moment, der uns herausforderte. Ein Wechselspiel zwischen dem „geplanten“ Budget für ein teures Land und der Lust auch etwas zu erleben. Doch dieses Lehrgeld war nicht umsonst: Direkt recherchierten wir für unser nächstes Ziel – Santa Elena im Monteverde Nationalpark – welche Touren angeboten werden und wofür wir unser Geld mit Freude ausgeben wollen. Schnell fanden wir das richtige Abenteuer und wurden gleich hippelig. Das entschädigte uns für den Reinfall am Vormittag, denn schon am nächsten Morgen ging es im Shuttle auf nach Monteverde.

–> In unserem Bilderabteil gibt es wieder ein paar mehr Motive zu bestaunen: https://travelminded.blog/bilder/

4 Gedanken zu “Preisfallen und gestohlene Betten

  1. Hallo ihr zwei! Danke, dass ihr uns wieder so intensiv an eurer Weltreise teilhaben lasst. Was für aufregende Erlebnisse. Und das in jeder Hinsicht 😉 Ich beneide euch um eure Geduld und euren Humor, den ihr dabei anscheinend nicht vergesst. Hoffentlich kommt nach dem Regen jetzt auch mal wieder Sonnenschein. Viel Spaß und ganz liebe Grüße aus Berlin.

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  2. Hallo ihr zwei! Hab von deiner Mama, Tobi, von eurem Blog gehört und euch kurzerhand gegoogelt. Bin dann auch auf Seite 2 gleich fündig geworden. Super das ihr uns alle an eurer Reise teilhaben lasst! Freuen uns mit euch und werden euch hier ein wenig verfolgen. Sind schon ganz gespannt auf den nächsten Beitrag. Gott mit euch! Eure Holmis

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  3. Hi, Ihr Weltenbummler, Ihr stolpert ja wirklich von einem Abenteuer ins nächste. Naja, wenn alles glatt liefe, wäre es ja auch fast langweilig. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht. Gott begleite Euch und schütze Euch. Herzliche Grüße von Heike, Dieter und Leevke

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  4. Wie lustig, jemand anderes im Bett! Das haben wir nicht erlebt… Aber solche Momente sind im leider nur im Nachhinein lustig:)! Weiterhin ganz viel Geduld und Mut für all die kleinen und großen Herausforderungen!

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