Spazieren im Dschungel und Piranha-Happen auf dem Teller – Teil 2 unserer Amazonas Tour

31.07.2017 – 01.08.2017

Tag 2 unserer Amazonas Tour

Der Morgen unseres zweiten Amazonas-Tages begann mit einem Frühstücksmal, das uns erneut äußerst positiv einstimmte. Paco, der Lodge-Papagei, wurde mit einer Portion Toast und Rührei versorgt und wir blickten freudig in den vollgepackten Tag, der vor uns lag.
Nachdem es am Tag zuvor leicht geregnet hatte und unsere neuen Schuhe schon die volle Packung Schlamm abgekriegt hatten, bekamen wir von Richard Gummi-Stiefel verordnet, die wir für den Rest des Trips tragen würden.
Da gerade Trockenzeit in Iquitos herrschte, befand sich der Wasserstand des Amazonas und seiner Nebenflüsse auf einem ziemlich niedrigen Niveau, was dazu führte, dass wir nicht an unserem bequemen Lodge-Pier ablegen konnten, sondern erst einen kleinen Fußmarsch in Richtung des gestrig besuchten Fischerdorfes zurücklegen mussten. So stapften wir zu dritt in Richtung des anderen Ablegeortes direkt am Amazonas, bestiegen das überdachte Boot und machten uns auf in Richtung unseres Tageszieles.
Wir fuhren über den Amazonas in den noch jungen Morgen und landeten an einem kleinen Versorgungssteg, der zu einer Landzunge führte, die eine erhebliche Abkürzung zu einem anderen Arm des Amazonas darstellte. Während eines kurzen Fußmarsches auf einem asphaltierten Weg durch den langsam heißer werdenden Dschungel, konnten wir in den Baumwipfeln ein paar putzige Äffchen beobachten. Richard erklärte uns, dass dieser Ort in der Regenzeit völlig geflutet ist und daher die Einheimischen ihre Häuser auf mindestens zwei Meter hohen Pfählen erbauen müssen. Kaum vorzustellen, dass in ein paar Monaten dort die Menschen größtenteils nur noch im Kanu unterwegs sind.
Wir kamen schon jetzt in den Genuss zu bemerken, dass Gummistiefel wahrhaftig keine Wanderschuhe sind: Einerseits zeichneten sich bereits einige Risikostellen an unseren Füßchen ab, die in absehbarer Zeit mit Sicherheit zecken würden – andererseits griff, zumindest bei Tobi, ein umgekehrter Effekt auf: Von außen trocken, dafür von innen nass. 😊
Da wir jedoch sowieso keine Ausweichmöglichkeiten hatten und im Grunde froh über den wesentlich besseren Schutz vor Staub und Wasser waren, ergaben wir uns in unser Schicksal und erreichten so ein Boot, das am anderen Ende des Weges bereits auf uns wartete.
2. Tag Iquitos Amazonas (49)
Mit gemächlichem Tempo genossen wir den Streifzug durch den Mix von Dschungelwasser und grünem, vor Leben brummendem Dickicht, bis wir schließlich an unserem ersten Etappenziel, einer anderen, stillgelegten Lodge ankamen, von der aus wir uns in den Dschungel vorschlagen sollten.
2. Tag Iquitos Amazonas (20)
Bevor es jedoch richtig losging, hatten wir noch ein wenig Zeit um unsere Wasservorräte aufzufüllen und zu rasten. Frisch erholt und mit vollen Flaschen rief uns Richard ans eine Ende der Lodge und unsere Wanderung in die, zumindest im Vergleich zu unseren Brandenburger Wäldern, Wildnis begann. Zu Beginn noch recht ausgetreten, begaben wir uns allmählich auf enger werdende Pfade durch eine unüberblickbare Masse an verschiedenen Bäumen und Pflanzen. Ein Helfer, der uns begleitete, ging mit der Machete voran und hechselte alle Pflanzen, die sich uns in den Weg stellten mit geschickter Präzision nieder. Wir kämpften uns regelrecht durch die schmalen Buschgassen – es war unglaublich heiß, der Schweiß tropfte uns aus jeder Pore, die Füße in den Gummistiefeln schmerzten.
Sowohl unser Guide als auch der Macheten-Mann hatten NICHTS zu trinken dabei – ungläubig hatten wir sicher schon nach einer Stunde unseren ersten Liter geköpft. 😊
Da der Dschungel beinahe sowas wie ein lebendes Organ ist und sich alles ständig im Wandel befindet, stehen an dieser oder jener Stelle auf einmal Bäche, wo man sich nicht erwartet oder, wie der Macheten-Mann uns ja eindrucksvoll zeigte, auch die ein oder andere Bananenpflanze im Weg. So gelangten wir an ein kleines Bächlein, dass zwar an sich nicht groß, aber auf keinen Fall trockenen Fußes überquert werden konnte. Kurzerhand verschwand unser Wegschneider und kehrte mit einem KLEINEN BÄUMCHEN, mit der Machete abgehauen, in den Händen zurück und legte das Teil quer über das Flüsschen. Mit ein paar Behelfsstöcken tippelten wir über den nur wenige Zentimeter breiten Bäumling und kamen, mit einem siegreichen Gefühl in der Brust, am anderen Ende an. Für uns wars ein echtes Abenteuer, aber die beiden Einheimischen haben sich innerlich bestimmt mit der flachen Hand auf die Stirn geklatscht. 😊
2. Tag Iquitos Amazonas (28)
Noch ein ganzes Stück weiter durch Lianen, Ameisen und schier undurchdringliches Blattwerk zur rechten und linken Seite, gelangten wir an unserem offenkundigen Ziel der Wanderung an: Einem riesigen Baum, von dem armdicke Lianen herunterhingen. Ziemlich beeindruckt schauten wir den Stamm hoch und schätzten, dass der Klopper mit Sicherheit schon über hundert Jahre hier stehen musste.
2. Tag Iquitos Amazonas (38)
Kurzerhand kletterte Richard ein Stückchen den Stamm hoch und schwang sich an einer Liane, bei der der Macheten-Mann das Gegengewicht bildete, einige Meter weit hin und her. Natürlich durften wir auch probieren – ein Heidenspaß! Fest steht aber auch: Die Tage der vielen Klimmzüge waren definitiv schon einige Wochen länger vergangen als gedacht. Als also nach einer Runde schon ein leichter Schmerz in den Armen einsetzte, legten wir noch kurz ein Päuschen ein und gingen den gesamten Weg zurück zur Lodge.
Völlig groggy und bis auf das letzte Stückchen Stoff durchgeschwitzt, ließen wir uns auf die alten Stühle plumpsen und harrten des Essens, das da kommen sollte. Da wir ja diesmal tatsächlich nur zwei „Teilnehmer“, der Guide, der Macheten-Mann, sowie der Bootsführer mit Köchin und Kind vor Ort waren, dachten wir, dass wir alle an einem Tisch essen werden. Als uns jedoch zwei Teller an unseren großen Tisch, der locker für sechs Mann gereicht hätte, gebracht wurden und die Speisen serviert wurden war uns klar, dass wir allein essen würden. Etwas verloren, aber genauso hungrig freuten wir uns auf das geniale Mittagessen, das uns auch diesmal nicht enttäuschen sollte: Dicke, perfekt gegarte Stücken vom Wels mit reichlich Reis, frittierten Bananen, Linsen und Gemüse von Tomaten, Gurken und Karotten füllten unsere erschöpften Vorräte mit neuer Power und pure Wonne erfüllte uns. Nach einem ausgedehnten Päuschen in mitten der stillen Lodge, schritten wir gemächlich in Richtung Anlegesteg und wurden Zeugen einer ziemlich heftigen Fischfangmethode:
Einer der Bootshelfer schmiss kleine Stückchen Brot ins Wasser, wartete einen Moment ab und zog dann blitzschnell eine Machte durchs Wasser. Wie durch ein Wunder trieben die Fische auf einmal oben auf der Wasseroberfläche, ohne jedoch in zwei Teile zerstückelt worden zu sein – naja, zumindest die meisten von ihnen. 😊 Der Grund dieses Fangs war der nächste Punkt auf unserer Dschungel-Agenda: Piranha-Fischen!
Nach kurzer Bootsfahrt waren wir an einem geeigneten Platz angekommen und begannen das Angeln mit dem wohl einfachsten Equipment, das man sich vorstellen kann: Einem biegbaren Holzstock mit Angelschnur, einem Haken und einem Stückchen Blei zum Beschweren am Ende. Die vorher gefangenen Fische wurden von Richard zerlegt und für uns als Köder dargereicht. N bissel barbarisch, aber als der erste Piranha nach einem wuchtigen Zug nach oben an unseren Ruten baumelte, war die Freude so groß, dass das ganz schnell vergessen war. 😊 Minute um Minute schauten wir nach der kleinsten Bewegung am Seil Ausschau, bis wir schließlich jeweils bestimmt drei oder vier Piranhas gefangen hatten.
2. Tag Iquitos Amazonas (42)
Dann setzten wir unseren Weg in die heimatliche Lodge fort und wurden, auf dem richtigen Amazonas angelangt, mit einem Sonnenuntergang belohnt, den uns der Himmel geschickt haben musste. Uns stockte der Atem und der Kamera-Auslöser glühte mit der Sonne um die Wette. Hier ein paar Resultate unserer Fotojagd nach dem Amazonas-Sonnenuntergangsbild:

In der Lodge angekommen zogen wir uns die elendig schmerzbringenden Gummistiefel aus und hatten den Rest des Abends zur freien Verfügung. Wir entspannten, schrieben am Laptop, spielten und ließen diesen ereignisreichen und anstrengenden Tag als letzten Punkt mit einem Abendbrot ausklingen, an dem uns die selbst gefangenen Piranhas fein gebraten serviert wurden:
2. Tag Iquitos Amazonas (89)

Unser Urteil: Geschmacklich ziemlich gut, aber gefühlt bestehen die Teile aus 90% Gräten und Knochen, 5% Kopf und gruseligem Gebiss und weiteren 5% Fleisch. Durch die stolzgeschwellte Brust hats aber unendlich gut geschmeckt. 😊

Tag 3 unserer Amazonas Tour

Der letzte Tag im Dschungel beinhaltete neben dem Rücktransport ins laute und knallvolle Iquitos einen Ausflug in ein Tier-Auffang-Center: Affen, ein Faultier, eine Anakonda, Schildkröten und ein Tukan sollten dort unter anderem zu sehen sein. Nach Angaben unseres Guides handelte es sich um ein Reservat, in das Tiere kommen, die z.B. auf dem Schwarzmarkt verkauft werden sollten, jedoch von dort gerettet wurden und nun in dieser Unterkunft gelandet waren.
Wir freuten uns eigentlich schon ziemlich darauf, doch nachdem wir anlandeten und neben RIESIGEN Seerosenblättern einen zweibrettrigen Holzsteg auf das doch ziemlich große Gelände gingen, stellte sich ziemlich schnell eine gewisse Ernüchterung ein.
3. Tag Iquitos Amazonas (65)
Gleich zu Beginn konnten wir einige verschiedene Affenarten sehen, denen es auch gut zu gehen schien.

Ebenso wurden uns jedoch eine einheimische Schildkröte und ein paar Meter entfernt auch eine Anakonda aus einer kleinen, mit Grünzeug bewachsenen betonierten Grube gezogen und vorgeführt. Wir erhielten ziemlich schnell den Eindruck, dass das für diese Tiere kein wirkliches Rettungs-Center sein kann: In viel zu kleine Lebensräume gepfercht und leblos wirkend schienen sie nur so dahin zu vegetieren, ohne jegliche Lebenslust. Etwas bekümmert machten wir uns zum Haupthaus des Geländes auf, in dem drei junge Männer Zutaten für eine hiesige Zuckerrohrlikör-Mischung vorbereiteten. Um sie herum turnten ein paar kleine Äffchen, die allesamt fidel und munter wirkten, aber was wir dann sehen mussten, brach uns tatsächlich das Herz:
Ein putziges Äffchen lag zusammengekauert im Sonnenlicht – die Mutter des Tieres wurde gejagt und so musste das Junge ohne sie durchkommen. Tobi nahm den Affen einmal kurz in den Arm und sofort krallte es sich fest und schlang seinen Schwanz fest um den Arm – sein ganzes Verhalten schrie nach Nähe und Wärme der Mutter.

Ein fast ebenso trauriger Fall war der Tukan. Richard erzählte uns, dass die Flügel des Tieres auf dem Schwarzmarkt beschnitten wurden, damit er nicht wegfliegen kann. Das Ergebnis war ein kleiner gerupfter Tukan, der nun mühselig hin- und herhopste.
3. Tag Iquitos Amazonas (29)
Wir wissen nicht, ob dieses Center tatsächlich ein wirkliches Auffangbecken für gestrandete Tiere war und wir kennen auch nicht die Arbeitseinstellungen der Männer von dort, die sich um die Tiere kümmern. Wir spürten keine Bösartigkeit oder so etwas, sondern eher Achtlosigkeit und fehlendes Interesse, wie die verschiedenen Tiere in der neuen Situation am besten zu halten sind. Wir konnten, für die kleinen Geschöpfe dort, denen es nicht gut geht, nur das Beste hoffen und setzten uns in Bewegung Richtung Iquitos.
Solche Erlebnisse bringen uns schon nachhaltig zum Grübeln. Besonders schwer war es natürlich zu akzeptieren, dass wir am Zustand und den Umständen der Tiere in diesem Moment einfach nichts machen konnten. Natürlich hätten wir den kleinen Affen gerne in den Rucksack gesteckt und den Mama-Ersatz gemimt, aber das wäre einfach nicht gegangen. Das Einzige, was wir tun konnten war, dieses Erlebnis in unseren Köpfen abzuspeichern und für die Zukunft unsere Schlüsse daraus zu ziehen.
Der etwas bittere Geschmack verschwand ein bisschen, als wir auf unserer Fahrt in Richtung des Hafens von Iquitos noch einige Flussdelphine bewundern und sogar ein kleines, wenn auch etwas popliges, Video aufnehmen konnten!
Nach längerem Tuckern über den Fluss sahen wir bereits die Häuser, hörten den Lärm und nahmen auch schon langsam den Gestank vom ganzen Müll am Hafen war. Wir waren wieder in der ollen, knatternden Zivilsation angekommen und spätestens als wir Richard, nach einer Fahrt im Auto zwischen Abermillionen von Motorrädern und Hupen an unserem Hostel angekommen und „Good bye“ sagten, wurde uns etwas schwer ums Herz.
3. Tag Iquitos Amazonas (80)
Wir wünschten uns in die schöne Lodge zurück und wollten gerne noch einmal vom exquisiten Essen kosten. Für uns stand fest: Mit allen Höhen und Tiefen war das eines der Abenteuer, dass für uns einzigartig bleiben und niemals von uns vergessen wird.

Am nächsten Morgen ging es früh zum Flughafen, direkt ins Flugzeug zu unserem nächsten Ziel, auf das wir uns schon riesig freuten: Die weltberühmte Hauptstadt der Inka – Cusco! Davon jedoch mehr im nächsten Beitrag. 😊

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s