„Las Chicas Mañaneras“ und ein schweißtreibender Aufstieg

02. August bis 09. August 2017

Die Geräusche des Dschungels und die Weiten des Amazonas lagen hinter uns, als wir mittags in Cusco ankamen. Wir trauen es uns schon fast gar nicht mehr zu erwähnen, aber wieder einmal empfing uns eine gierig lauernde Taxifahrer-Meute. Was half’s – Irgendwie mussten wir in unser 5km entferntes Hostel gelangen und so konnten wir wieder eine überteuerte Taxifahrt in unserer Budgetplanung abrechnen – jippie yeah. Die gebuchte Unterkunft lag in einem ruhigen und wunderschönen Hinterhof, fernab von den lauten Hauptstraßen Cuscos und versprach uns einen entspannten Aufenthalt. Die Deckenhöhen des Hostels waren natürlich nicht an europäische Hünen angepasst und so kam es nicht nur einmal zu schmerzhaften Zusammenstößen zwischen der Decke und Tobis Schädel.

Cusco (6)

Für den Aufenthalt in Cusco hatten wir fünf Nächte eingerechnet, sodass wir genügend Zeit für Planung, Erholung und Entdecken der Stadt haben würden. So nutzen wir die ersten zwei Tage um entspannt durch die wunderschöne historische Innenstadt zu schlendern, die Vielzahl der Kirchen zu bestaunen und unter den Tausenden von Tourenanbieter den Richtigen für unseren nächsten Trip zu finden. Nach einigem Durchfragen und einigen Kreuzchen mehr auf unserem Stadtplan, standen wir endlich vor dem ersehnten Gebäude: Ministerio de Cultura – Boletos a Machu Picchu! Ein Besuch in Peru ohne Machu Picchu wäre wohl wie ein Cheeseburger ohne Käse und da Tobi schon mehrmals in den Genuss kam, im Drive-In bei McDonalds Cheeseburger zu bestellen und Burger ohne Käse zu bekommen fällt die Antwort klar aus: Es wäre einfach nicht das pure Erlebnis gewesen. 😊 Natürlich wollen wir nicht verschweigen, dass wir angesichts der Preise und des Aufwandes für diesen Ausflug lange gegrübelt und gezweifelt haben. Aber da wir Schlaufüchse unsere Reisepässe eh noch in der Unterkunft gelassen hatten, die wir für den Kauf der Tickets benötigten, blieb uns noch einmal Zeit zum Hin und Herüberlegen. Wir fragten kurz nach, ob noch für den 8. August, der geplante Tag unseres Machu Picchu-Besuches, Tickets vorhanden wären – waren sie. So stiefelten wir mit rauchenden Köpfen zunächst zurück zum Hostel.
Es dauert nicht lang, da waren genug Geld und die Reisepässe eingepackt und wir wieder auf dem Weg zum Verkaufsbüro – wir konnten einfach nicht widerstehen. Doch als wir angaben für welchen Tag wir gern Tickets hätten, hieß es zunächst: ausverkauft. Gleich gingen die Synapsen in den Hochleistungsmodus und wir überlegten, wie wir es dann am klügsten planen könnten. Wir hatten die Rechnung ohne den netten Mann am Schalter gemacht, der einfach kurzerhand „gebuchte“ Tickets ohne Namen durch unsere ersetzte. Wow, es ging also wirklich nach Machu Picchu! 😊 Nun fehlte nur noch der Transport. Es gab zwar die Möglichkeit mit dem Zug nach Aquas Calientes zu fahren, der Ort von dem es hoch zu Machu Picchu ging, aber so viel Geld hatten wir dann doch nicht im Reiseportmonee – ein Zugticket siedelt sich da nämlich im dreistelligen Bereich an.
So blieb für uns die günstigste Möglichkeit, nämlich ein Shuttle nach Hidroeletrica zu nehmen, eine Anfahrtsstelle 10km entfernt von Aguas Calientes, um dann den restlichen Weg entlang der Bahngleise zu laufen. Gesagt, getan: Direkt gegenüber vom Ticketschalter buchten wir den Shuttlebus nach Hidroeletrica für den 7. August für einen schmalen Taler. Nachdem wir die kleine Organisations-Odyssee hinter uns gebracht hatten, blieben uns noch zwei entspannte Tage in Cusco. Leider hatten wir die Rechnung ohne unsere Gesundheit gemacht – Mareike war nämlich für diese Tage komplett ausgeknockt. So war erst einmal Ruhe und Schlaf angesagt. Es dauerte jedoch nicht lange, bis Mareikes Drang, endlich wieder raus zu gehen, siegte und so besuchten wir noch die Kathedrale von Cusco sowie das Inka-Museum. Ersteres war wahrlich ein Highlight und durch unseren (kostenlosen!) deutschen Audio-Guide erfuhren wir viel über die Geschichte der Inka und deren Zusammentreffen mit der katholischen Kirche.

Cusco (1)

Nicht nur dort, auch in der gesamten Innenstadt war die Historizität förmlich zu spüren – alte Mauern aus Inkazeiten, die mit einer beinahe fugenlosen Bauart errichtet worden waren, waren DAS Fotomotiv für viele Touristen. So ganz nachvollziehen konnten wir das nicht und spätestens als wir uns vorstellten, wie die coolen Jungs, welche vor den Mauern posierten, die Bilder in der Clique zeigen würden, mussten wir innerlich lachen. „Ey Jungs, schaut euch mal die krasse Wand an!“ 😉 Natürlich zogen uns die alten Gemäuer und kleinen Gassen auch in den Bann und so bleibt wirklich nur festzustellen: die ehemalige Hauptstadt der Inka ist mehr als nur einen Besuch wert!

Bevor wir Cusco jedoch verlassen sei an dieser Stelle noch ein kleiner Exkurs gestattet, der nichts mit dem historischen Wert der Stadt zu tun hat: Als unser Wäschebeutel sich langsam aber sicher prall gefüllt hatte, machten wir uns auf die Suche nach einer Wäscherei in der Umgebung. Hier wird die Wäsche in der Regel nach Kilo abgerechnet und so wogen wir unseren Sack mit unserer Kofferwaage: Drei Kilo sagte uns die Anzeige. Nachdem wir nach ein paar Fehlschlägen, entweder wegen zu hoher Kosten oder wegen zu langer Waschzeiten, endlich an einen anscheinend passenden Wäscheservice gelangt waren, holte die Tresenkraft eine der sicherlich fünf verschiedenen Waagen hervor, die in ihrer Wertigkeit auch aus einer Mickey-Mouse-Zeitung hätte stammen können. Sie hängte den Sack auf und was sollen wir euch sagen: Leichte Messtoleranzen machten den Sack auf einmal FÜNF Kilo schwer. Ungläubig krallten wir uns unsere Wäsche und gelangten danach endlich an eine richtige Wäscherei mit tollen Preisen und einer richtigen Waage. 😊 Geduld zahlt sich manchmal tatsächlich aus!

Am 7.8. konnten wir mit frischer Wäsche und einer gefühlten Wagenladung an Proviant unsere Tour Richtung Aquas Calientes starten. Wir hatten in einer kleinen Gasse ein Cafe entdeckt, das Brot mit Sauerteig, richtigen Körnern und Kruste herstellte; so diente uns gleich ein kompletter Brotlaib als Wegzehrung. 😊
Pünktlich um 7 Uhr morgens fanden wir uns am Treffpunkt vor der Kathedrale ein. Bibbernd und mit schlotternden Knie warteten wir auf den Transport – an die kühlen Temperaturen am Morgen konnten wir uns irgendwie nicht gewöhnen und so waren wir froh, als um 7:20 endlich Bewegung in die Versammlung kam. Da wussten wir aber auch noch nicht, welch Chaos auf uns wartete. Mit der gesamten Gruppe stiefelten wir durch die Straßen bis zu einem Transporter, in welchen aber nur ein Teil der Menge einstiegen durfte. Wir gehörten natürlich nicht dazu und watschelten durchgefroren hinter unserem „Guide“ her. Dieser telefonierte am laufenden Band mit wilder Gestik und wir bekamen einen nicht ganz unbegründeten Zweifel, ob wir überhaupt noch ein Plätzchen ergattern würden. Immer wieder fuhren leere Sprinter an uns vorbei und so ganz verstanden wir die „Organisation“ der Shuttleunternehmen nicht. Aber hey, gegen 8 Uhr saßen dann auch wir endlich mit 12 Mann im Sprinter Richtung Hidroelectrica. Die geplante Ankunft dort war für 15 Uhr angesetzt, damit die noch circa 2,5-3h für den Marsch nach Aquas Calientes in der Helligkeit des Tages stattfinden konnte. Die Strecke führte durch wunderschöne Berge aber auch an ziemlich steilen Abhängen vorbei – wie gut, dass unsere Mütter so etwas nicht live mitverfolgen können. 😉 Aber auch für uns war der Blick ins Tal hinab aufregend und angsteinflößend zugleich, wenn wir von weitem ein uns entgegenkommendes Auto sahen, ging der Puls doch kurz einmal in die Höhe. Hier mal ein kleiner Exkurs:

Die Beschaffenheit der Schotterpiste, auf der wir 6 von 7 Stunden unterwegs waren, ließ uns schmerzhaft diverse Knochen spüren und wir konnten die Ankunft in Hidroeletrica kaum erwarten. Der Joker in diesem Spiel war letztlich unser eiskalter Fahrer: Neben dem Fakt, dass der Kerl fuhr wie ein echter Henker, liefen 7 Stunden lang unter anderem weinerlich klingende Frauenbands mit dem ewig gleichen, zermarternden Beat – für die volle Immersion bitte folgenden Link sechs bis sieben Mal komplett anhören: https://www.youtube.com/watch?v=mbhFgUAxX-8
Zusätzlich legte der Fahrer um 14 Uhr noch eine einstündige Pause ein, 40 Minuten von unserem Ziel entfernt. Aaaargh! Wie so oft auf der Reise, wurde unsere innere deutsche Stimme nach Pünktlichkeit hemmungslos zum Schweigen gebracht. So waren wir recht glücklich als wir gegen 16 Uhr endlich Richtung Aquas Calientes losmarschieren konnten. Die Strapazen der Fahrt saßen uns in den Knochen, sodass die 10km kein Zuckerschlecken wurden. Auch die wunderschöne Aussicht, die sich uns entlang der Schienen bot, konnte uns nicht so recht aufheitern. Wir müssen wahrscheinlich nicht erwähnen, dass wir die letzte knappe Stunde in der Dunkelheit mit unseren kleinen Taschenlampen entlang der Gleise liefen, oder besser gesagt stolperten und wir dementsprechend ausschließlich warmherzige Gedanken an unseren Busfahrer in uns aufleuchteten. 😉
Müde und k.o. kamen wir dann in unserer Unterkunft an, suchten im Internet noch nach einem „preisgünstigen“ Restaurant für das Abendessen und machten uns gleich auf, unsere knurrenden Mägen zu beruhigen. Zurück im Hostel wurden fein säuberlich die Sachen für den nächsten Morgen herausgelegt, denn der Wecker sollte uns schon um 3:30 aus dem Bett klingeln – Was tut man nicht alles für ein neues Weltwunder an? Mit kleinen Augen und leicht fröstelnd starteten wir unseren Aufstieg nach Machu Picchu. An der Bushaltestelle, von der aus ab 5:30 die Shuttlebusse die (lauffaulen) Touristen direkt vor die Eingangstore gefahren werden, hatten sich schon lange Schlangen gebildet. Für uns stand auf dem Plan, 4:30 an einer Pforte zu sein, von welcher aus der Aufstieg zu der Inkastätte beginnt und nach einer knappen Stunde wandern noch VOR den Shuttlebussen oben am Eingang von Machu Picchu zu sein.  Hach ja, zunächst mussten wir lachen als wir an der Pforte ankamen und auch dort schon mindestens 80 Leute warteten um endlich den Berg hochkraxeln zu dürfen. Eine fast unbeschreibliche Stimmung machte sich breit, aufgeregt und motiviert standen wir mitten in der Dunkelheit vor einem schwach beleuchteten Tor, leises Stimmengemurmel um uns herum und das Wissen, dass etwas Großes bevorstand. Es fehlte nur noch das Scharren der Hufe – ähm Schuhe. 😉 Das Tor wurde natürlich nicht pünktlich um 4:30 sondern erst gegen 5 Uhr geöffnet, sodass der Druck für einige unserer Mitstreiter sehr hoch war, noch vor den Shuttlebussen am Eingang zu sein. Einige Verrückte haben es wohl geschafft, doch schon nach einigen Minuten des Wanderns legten wir dieses hoch angesetzte Ziel ab und wollten nur noch oben ankommen. Der Weg nach Machu Picchu führt per Fuß nämlich beinharte 1,7 km steil bergauf und schnell wurden unsere Füße schwer von den unzähligen Stufen. Stück für Stück arbeiteten wir uns keuchend und zwischen der wettbewerbsorientierten Meute in der nun hereinbrechenden Morgendämmerung den Berg empor und quittierten, leicht wehmütigen, den ersten Shuttlebus, der an uns vorbeizog, mit einem Seufzen.

Nach etwas mehr als einer Stunde, sollten wir tatsächlich am Eingang von Machu Picchu ankommen. Mit uns reihten sich am Einlass frisch dreinblickende Menschen ein, doch wir waren einfach nur stolz dass wir diesen Aufstieg gemeistert hatten. Einige Minuten später standen wir dann leicht verschwitzt und mit weichen Knien in Machu Picchu und nach einem erneuten, kurzen Aufstieg, entfesselte sich das berühmte Panorama vor unseren Augen. Fast hätte sich bei diesem lohnenden Anblick nach dieser Strapaze eine Träne breitgemacht. Längst waren schon mehrere Hundert Leute in der Stätte unterwegs, aber das tat dem mystischen Anblick und der geheimnisvollen Atmosphäre keinen Abbruch. So machten wir uns auf, langsam und nach und nach die alte Inkastätte zu erkunden. Besonders beeindruckend waren die Momente, als sich die Sonne über die Berge schob und das Weltwunder in sanftes Licht tauchte. Doch nun lassen wir Bilder sprechen, also genießt mit uns noch einmal dieses wahnsinnige Erlebnis:

Da die Touristen momentan durch ihre gekauften Tickets in zwei Gruppen geteilt werden (6-12 Uhr und 12-17:30), sodass sich der Ansturm etwas auf den Tag verteilt, ging es für uns gegen 12 Uhr wieder hinab ins Tal. Froh darüber, dass wir nicht inmitten der Mittagssonne diesen fürchterlichen Aufstieg absolvierten mussten, sprachen wir den uns entgegenkommenden, sichtlich leidenden Leuten Mut zu und sprangen leichtfüßig wie junge Rehe die Treppen hinab. Der restliche Tag bestand für uns nur noch aus Erholen, Staunen und dem Versuch zu realisieren, was wir gerade gesehen hatten.
Am nächsten Vormittag ging es für uns entlang der Bahngleise wieder zurück nach Hidroeletrica. Dieses Mal hatten wir jedoch genügend Zeit um die tolle Umgebung um uns herum zu genießen und fotografisch festzuhalten.
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Machu Picchu konnten wir auch ein letztes Mal vom Tal aus erblicken und wir waren froh, dass sich unsere innere Stimme doch durchgesetzt hatte und wir diesen Trip gemacht hatten. Mehr als pünktlich kamen wir an dem Parkplatz der Shuttlebusse zurück nach Cusco an. Weit und breit stand noch kein Sprinter vor Ort und so nahmen wir noch eine Kleinigkeit zum Mittag zu uns. Nach und nach kamen dann die vollen Busse aus Cusco an und kleine Gruppen machten sich auf den Weg nach Aguas Calientes, so wie wir zwei Tage zuvor. Doch dann trauten wir unseren Augen kaum und unsere schlimmen Befürchtungen wurden wahr: Unser geliebter Busfahrer von der Hinfahrt sollte uns um 15 Uhr auch wieder zurück nach Cusco bringen. Welch Ironie. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Fahrer wohl insgesamt 14 Stunden am Tag ohne lange Pausen Bus fahren, waren wir recht bedient, als wir auch noch zusammengepfercht in der letzten Reihe des Sprinters sitzen mussten. Tja, durch diesen Umstand konnten uns die Reisetabletten auch nicht mehr helfen und nach einer Stunde Fahrt, tauschten wir mit zwei netten Mädels die Plätze um der drohenden Reisekrankheit gerade noch rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Leicht kichernd machten wir es uns auf unseren neuen Plätzen bequem: ganz vorn neben dem Fahrer. Na ein Glück konnten wir die GLEICHE MUSIK WIE AUF DEM HINWEG nun ohne lästige Entfernung direkt aus den Mega-Boxen genießen und freuten uns, wenn der Fahrer die Musik immer mal wieder lauter drehte. Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn die hintere Reihe etwas verpasst hätte. 😉

Am späten Abend kamen wir in Cusco an und wir konnten noch einmal eine kurze Nacht in unserem kleinen gemütlichen Hostel verbringen, in dem wir im Übrigen unsere großen Rucksäche lagern konnten. Die nächste Busfahrt war für den folgenden Morgen natürlich auch schon gebucht und so ging es nach einigen Stunden Schlaf auf nach Puno an den Titicaca-See.

von Mareike

 

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