Meerschweinchen-Trauma am Titicaca-See und ein farbenfrohes Kloster

10. August bis 19. August 2017

Von der genialen Inka-Hauptstadt Cusco führte uns die nächste Busfahrt in die am Titicaca-See gelegene Stadt Puno.
Unsere Fahrt begann schon früh am Morgen, nachdem wir uns am Busbahnhof mit ein paar Stullen mit Spiegelei und zwei fetten Stücken Kuchen für die Reise ausgerüstet hatten. Der Bus, in den wir stiegen, zeigte sich als ziemlich neues, luxuriöses Gefährt, in dem wir in dicken Ledersesseln und fast senkrechtem Neigungswinkel freudig der Fahrt entgegenblickten. Nach einigen Stunden stoppten wir plötzlich und als wir aus den Fenstern lugten konnten wir unseren Augen kaum trauen: Vor unserem Bus hatte sich eine menschliche Straßensperre gebildet und andere Mitstreiter der offensichtlichen Streik-Gruppe machten sich daran, den Bus mit weißer Farbe mit Parolen vollzuschmieren.
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Augenscheinlich machte der Busfahrer alles richtig damit, die Streikenden einfach gewähren zu lassen, denn nach wenigen Minuten wurde die Barrikade geöffnet und wir rollten weiter voran. Ein ziemlich ulkiger Moment, da weder Aggression zu spüren war, noch irgendeine Überraschung seitens des Personals. Als wenn ständig Menschen vorbeikommen und den Bus bemalen.
Dass Streiks in diesem Teil Perus wohl aktuell zur Tagesordnung gehören, bekamen wir erneut einige Kilometer weiter zu spüren, als diesmal eine unbewegliche Straßenblockade aus großen Steinen es dem Bus unmöglich machte, den geplanten Weg weiterzuverfolgen.
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Dies gab uns die Gelegenheit zu einer kurzen Rast, in der uns jedoch nicht ganz klar wurde, warum gestreikt wurde und warum die ganzen Polizisten untätig neben dem Bus und der dahinter länger werdenden Schlange standen und nichts taten.
Der Busfahrer muss in der Zwischenzeit Rücksprache mit der Zentrale gehalten haben, denn er wendete das Gefährt und führte uns über eine andere Route sicher und ohne erneute Unterbrechung in die Hafenstadt Puno, die am RIESIGEN Titicaca-See liegt. Als wir jedoch in die Stadt einrollten, stiegen in uns erst einmal keine romantisch-maritimen Gedanken auf, sondern leider ein recht niederschmetternder Eindruck: Meine Herren, ohne bösartig zu sprechen – diese Stadt ist ziemlich unansehnlich! Viele der Gebäude waren komplett unverputzt, sodass der Blick auf den nackten Backstein fiel. Auf dem Dach schauten meterlang überstehende Eisenstangen heraus und vermittelten den Eindruck, dass hier gerade noch gebaut wird – oder aber vor Jahren damit aufgehört wurde. Das Ganze in einer Quantität, die uns erst einmal schlucken ließ – wie würde wohl unser Hostel aussehen?
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Nachdem wir einen doch recht beschwerlichen Aufstieg vom Busbahnhof zu unserer Unterkunft auf uns genommen hatten – der See liegt auf über 3800 Metern – konnten wir jedoch aufatmen: Richtig schön stand unsere Unterkunft mit der herzlichen Besitzerin in einem kompletten, sechsstöckigen Hochhaus inzwischen einer Bauruine, und stach somit wie eine Perlenkette an einer Vogelscheuche hervor. Nachdem wir unser Zimmer mit Balkon im höchsten Geschoss mit genialem Ausblick auf den See bezogen hatten, buchten wir für den nächsten Tag bei der Hostelbesitzerin eine komplette Tour zu zwei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten auf dem Titicacasee: Den schwimmenden Uros-Inseln und der Insel Taquile. Wir würden also endlich live und in Farbe eine Antwort auf die Frage finden können, die sich schon Generationen vor uns gestellt haben: https://www.youtube.com/watch?v=B_FOuyCBksc#t=6s 😉

Früh am nächsten Morgen holte uns ein Shuttle pünktlich zur vereinbarten Zeit an unserem Hostel ab und wir sammelten, komplett überrascht von der unglaublichen Kälte, die herrschte, bibbernd die anderen Mitreisenden ein. Als wir am See angekommen waren, stiegen wir über andere bereitstehende Boote auf das uns zugewiesene und wurden vom kundigen Kapitän aus dem Wirrwarr des Hafens in Richtung der schwimmenden Inseln von Uros gefahren.
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Die Besonderheit dieser Inseln ist der faszinierende Umstand, dass sie komplett aus Schilf und Wurzeln bestehen und dadurch schwimmen. Da leben überdies tatsächlich Menschen drauf und das schon seit Jahrhunderten – verrückt! Die ursprünglichen Schöpfer dieser Inseln kamen aber nicht aus Langeweile auf diese Idee: Wie so oft im Leben der Menschen war auch hier die Not der Katalysator für diesen außergewöhnlichen Einfall. Die Inka waren auf dem Vormarsch und in ihrem aggressiven Gebaren bedrohten sie andere Völker und unterwarfen diese. Da die Uros sich jedoch nicht unterwerfen lassen wollten, flüchteten sie auf den See und entkamen so der Herrschaft der Inka. Zumindest haben wir das so von unserem Guide verstanden. 😊
Als wir auf den Schilfinseln anlegten und den ersten Fuß daraufsetzten, konnten wir nicht anders als ungläubig grinsen. Auf diesen Eiländern, die alle nebeneinander angelegt sind und circa 30 Jahre halten, fühlt man sich beim Gehen, als würde man mit Riesenschuhen in einem Moor laufen, jedoch ohne Einzusinken. Wie auf einer etwas heuigen, feuchten Matratze- mjam. Nach unserer Ankunft folgte eine ganz süße, wenn auch hemmungslos touristische Vorführung, wie die Inseln entstehen und wie die Menschen sie in Stand halten. Wir fühlten uns etwas an unsere Erfahrung mit dem Urwald-Volk im Amazonas erinnert, wenngleich die Einheimischen hier mit echter Freude dabei waren und die Touristen einfach mit dazu gehörten.


Es war also alles in allem ein tolles Erlebnis, bei dem man den touristischen Einschlag einfach akzeptieren musste – so eine Besonderheit wollen eben auch viele andere Menschen sehen. Nach einer kleinen, eisigen Fahrt mit einem handbetriebenen, riesigen Schilfboot, bei dem wir jeden Fetzen Stoff aus unseren Rücksäcken an unsere underdressten Körper pressten, stiegen wir wieder ins eigentliche Boot und machten uns auf eine zweieinhalbstündige Fahrt zum nächsten Punkt der Reise, der Isla Taquile. Bei dieser Fahrt konnten wir die unglaublichen Ausmaße des „Sees“ zu erfassen beginnen und können attestieren: Das Ding ist ganzschön groß, so wie die Müritz, nur auf Steroiden. 😊
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Auf der Insel Taquile verbrachten wir eine schöne Zeit, da das Eiland mit seiner abwechslungsreichen Natur zwischen mediterran und Küste begeistert, ebenso wie durch die schnuckeligen Dörfer und charmanten Torbögen, die kennzeichnend für das Bild der Insel sind.

Wir genossen zum Mittag eine tolle Forelle mit Gemüse und Pommes und als wir nach einer kleinen Wanderung durch die Insel den Rückweg zurück nach Puno antraten, fühlten wir uns rundum wohl.

Angesteckt von der Tour und den Festumzügen, die an diesem Abend durch den Stadtkern zogen (der überdies wesentlich ansehnlicher ist, als der Rest der Stadt – Sorry Puno!), setzten wir uns in ein Restaurant mit einheimischen Speisen und ich traute mich an eine der wohl für Touristen außergewöhnlichsten Speise – Meerschweinchen.
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Diese Entscheidung sollte ich nur wenige Zeit später bitterlich bereuen. Während es Mareike nach ihrem Hühnchen nämlich gut erging, kam mich in der Nacht der Grünbraune-Ritter besuchen. Er war indes so „gnädig“, sein gesamtes Gefolge mitzubringen, samt angeheiratetem Anhang und entfernten Verwandten – wenn ihr versteht, was ich meine. Ich wachte also mitten in der Dunkelheit auf und merkte, dass die Titanic am Sinken war und sowohl am Bug, als auch am Heck Ladung verlor. Ich danke Gott, dass meine Frau Krankenschwester ist und mich professionell ver- und tröstlich umsorgte.
Diese Behandlung hatte ich auch bitter nötig, denn, und jetzt kommt der lustig-ironische Teil an der Sache: Am nächsten Tag sollte eine siebenstündige Busfahrt uns zur nächsten Station fahren, in der wir bereits ein Hotel gebucht hatten um unseren ersten Hochzeitstag, der sich am Tag nach unserer Busfahrt jährte, schön und entspannt begehen zu können. Die Busfahrt hatten wir im Übrigen bei einem lokalen Billiganbieter gebucht, von dem wir Widersprüchliches bezüglich der Qualität der Fahrten gehört hatten – uns standen also ein paar schöne Momente bevor.
Mareike hatte mich am Morgen soweit aufgepäppelt, dass wir beschlossen, die Reise anzutreten. Bis zum Rand voll mit Pillen drängelten wir uns zwischen Einheimischen, die im Bus seltsam riechendes Essen mit den Händen zu sich nahmen auf unsere Plätze, nur um hinter uns ein seltsames Gurren zu hören. Da hatte jemand eine Art Papagei in einem Pappkarton dabei, der ab und an diese Laute von sich gab und auch einmal auf den Gang ausbüchste – zur Belustigung (fast) aller. Gleich von Beginn der Reise an knallte der Busfahrer die absolut gnadenlos schlechte Bolo-Yeung (besser bekannt als Chong Li in Bloodsport)-Collection, mit drei aufeinander folgenden China-Kung-Fu-Filmen aus den 70er Jahren. Samt Blech und Holz Schlag-Soundeffekten. Auf Spanisch. Mit Papagei im Rücken. Als wir gut acht Stunden später in der Stadt Arequipa ankamen und uns beiden nichts weiter passiert war als die Gewalt, die uns die schlechten Filme angetan hatten, waren wir unglaublich froh und dankbar. Mit einem Taxi, das uns diesmal nicht übers Ohr haute, fuhren wir zu unserem Hotel, checkten ein und waren einfach nur froh, wohlbehalten in einer schönen Unterkunft angekommen zu sein.

In der schönen Stadt Arequipa, mit ihren vielen weißen, alten Gebäuden, einem großen historischen Stadtkern und einladenden Fußgängerzonen, verbrachten wir eine gute Woche, in der wir hauptsächlich Kräfte sammelten und extrem viel für die nächste Zeit organisierten.


Aufgefrischt wurde der schnöde „Büro-Alltag“ durch den Besuch eines beeindruckenden, historisch und architektonisch höchst wertvollen Frauenklosters in der Mitte der Stadt. Knallblaue und orange-rote Wände kombiniert mit einem Füllhorn an sakralen Schnitzereien, Bildern und Räumen, ließen uns für mehrere Stunden in eine komplett andere Welt eintauchen. Auch hier wollen wir wieder einmal Bilder sprechen lassen:

Nach dieser für uns wichtigen und erholsamen Zeit in Arequipa stand der Wechsel mit einer 24 stündigen Reise ins nächste Land an. Wohin es ging und was wir erleben durften, könnt ihr im nächsten Beitrag lesen. 🙂

– von Tobi

5 Gedanken zu “Meerschweinchen-Trauma am Titicaca-See und ein farbenfrohes Kloster

  1. Ich als eine der beiden Mütter 😀 war echt froh erst hinterher mit diesem tollen Video so einen netten Einblick über machen Busausblick zu bekommen . Na kommt ihr mir mal schön nach Hause 😙

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  2. Ich als eine der beiden Mütter 😀 war echt froh erst hinterher mit diesem tollen Video so einen netten Einblick über manch einem Busausblick zu bekommen . Na kommt ihr mir mal schön nach Hause 😙

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  3. Liebe Mareike und Tobi, so sehr mich Eure Reiseberichte auch faszinieren und ich Euch beneide, so sehr mache ich mir jetzt auch Sorgen um Euch. Die Nachrichten sagen mit dem Hurrican in der Karibik und das Erdbeben in Mexiko beunruhien mich gerade. Ich hoffe, Ihr seid in einer sichereren Gegend und es geht Euch gut. Gott schütze Euch. Passt auf Euch auf. Herzliche Grüße, Heike <

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    • Liebe Heike,
      Hab vielen Dank fürs an uns denken und sorgen! Uns wird auch ein bisschen mulmig wenn wir daran denken, dass wir vor kurzem noch in der Ecke unterwegs waren. Aber momentan sind wir in Argentinien, weit weg von jeglicher Küste – wir sind also in Sicherheit. 🙂
      Bleibt behütet und liebe Grüße auch an den Rest der Familie!

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