Salzige Weiten und absolute Stille 

 Der Wechsel in ein anderes Land per Bus gestaltet sich etwas komplizierter, als das bequeme Einreisen mit dem Flugzeug. Nehmen wir beispielsweise unsere Reise von Arequipa in Peru nach San Pedro de Atacama, Chile: Während unserer ausgedehnten Organisationsphase in der weißen Stadt wurde uns klar, dass der Grenzübergang in einem Rutsch nicht einfach so von der Hand gehen würde. Zusammengefasst beinhaltet der Wechsel folgende Etappenziele:

Von Arequipa mit dem Bus 8 Stunden nach Tacna, einer der letzten Städte vor der Grenze zu Chile. Im Anschluss fährt man per Taxi oder Bus bis zum chilenischen Grenzposten, wird dort kontrolliert und fährt weiter zur grenznahen Stadt Arica. Natürlich hängt es ab diesem Punkt davon ab, wo die weitere Reise hingehen soll. Für uns war klar, dass wir nur eine Art „Boxenstop“ in Chile einlegen würden und hatten uns dafür eine berühmte Wüstenstadt auserkoren, die von Arica noch einmal 10 Stunden Busfahrt entfernt liegt: San Pedro de Atacama. 

Insgesamt waren wir also gut 24 Stunden (inklusive Nachtbus) unterwegs, als wir früh am Morgen in ungeahnter Kälte in der Atacama-Wüste aus dem Bus stiegen. Da es sich um die trockenste Wüste der Welt handelt, schlug uns nicht nur die Kälte ins Gesicht, sondern auch Peitschenhiebe des hiesigen, feinkörnigen Sandes. Nach kurzem Fußmarsch zu unserer schicken Unterkunft, an der wir noch ein paar Stunden auf den Check-In warten mussten, setzten wir uns auf unseren Hosenboden und überlegten, wie wir unseren dreitägigen Aufenthalt in dieser sandig-hustigen Stadt gestalten wollten.

Wir setzten uns in Bewegung Richtung Ortskern und warfen ein paar verstohlene Blicke auf die Schilder der zahlreichen Tourenanbieter, denn wir hatten es auf eine Tour ins Tal des Mondes, das „Valle de la Luna“ abgesehen. Nach Beschreibungen im Internet war dies auf Grund seiner schroffen Beschaffenheit und einmaligen Aussicht ein Muss eines jeden Atacama-Besuchers. Ein passender Anbieter war schnell gefunden und nachdem wir uns in verschiedenen Minimärkten zu ziemlichen Wucherpreisen Proviant und dekadente Nudeln mit Fertigsoße fürs Abendbrot gegönnt hatten, stand auch bald der Beginn der Tour ins Haus, die wir noch für den selben Tag am Nachmittag gebucht hatten.

Unser lässiger und entspannter Guide geleitete die bunt zusammengewürfelte Truppe in den Bus und droppte in unregelmäßigen Abständen verschiedenste Informationen in wiesel-schnellem Englisch. Der Ausflug führte uns zu Beginn in eine enge und entrückt wirkende Höhlenformation, in der wir uns erstaunt und freudig durch die unterschiedlich dicken Durchgänge wanden und kleine Kluften überwanden – es stellte sich eine gewisse Indiana Jones Stimmung ein. 😊 

Die Höhle ging fließend in eine Art Berglandschaft über, die aus kristallisierten Salzen und irren Gesteinsformationen bestand und uns nach kurzem Kraxeln wieder zurück zum Bus geleitete, der uns zu unserem nächsten Spot kutschierte. 

Unser Guide führte uns über einen steilen Marsch durch eine von einer Art Salzflechte (das auf den Bildern ist kein Schnee 😉) überzogenen Landschaft die sich mit mit schwarzem Wüstensand gesprenkelten Arealen abwechselte auf den höchsten Gipfel des Mondlandes, der uns ein atemberaubendes Panorama bot, das uns staunend und ehrfürchtig zurückließ:

Über den gesamten Zeitraum unseres Aufenthaltes in der Wüste war es unglaublich still. Wir konnten, wenn überhaupt, nur den Wind oder andere Mitreisende hören, was dem Ort einerseits etwas Friedvolles, aber gleichzeitig auch etwas Unheimliches verlieh. Das mag daran liegen, dass die Umgebung so lebensfeindlich ist, dass keine Echse und kein Vogel hier lange überleben würde – es gäbe rein gar nichts zu fressen. 

Noch bis zum Sonnenuntergang auf einer Anhöhe wartend, eilten wir schnell in unseren Shuttle-Bus und fuhren zurück in die knuffige Wüstenstadt. Mittlerweile war es wieder empfindlich kalt geworden und wir freuten uns schon auf unsere geplante Nudelmahlzeit, die wir zum Abschluss dieses Abends mit einer kalten Pepsi genossen.

Der nächste Tag brachte Mareikes Geburtstag mit sich und so begingen wir diesen Festtag standesgemäß mit einer kleinen Kerze in einem Brownie als Start in den Tag. 😊 Um etwas flexibler sein zu können, liehen wir uns an diesem Tag zwei Fahrräder aus um in das Tal mit genau dem richtigen Namen für einen Geburtstag zu radeln: Ins Tal des Todes, oder auch „Valle de la muerte“. Nach anfänglichem Stress mit der Fahrradbedienung hatten wir den kurzen Weg zwischen der Stadt und dem Tal schnell zurückgelegt und tauchten in eine Marslandschaft ein, die unter der absoluten Stille wie durch eine Käseglocke versiegelt wirkte. 

Ein surreales Erlebnis, dass durch riesige Sanddünen, schroffe Felsen und geniale Ausblicke zu einem Highlight unserer Atacama-Tour wurde: Hier konnte man den wahrhaftigen Wüsten-Spirit spüren.

Nachdem wir unsere Fahrräder nach dem Bestaunen eines weiteren grandiosen Sonnenunterganges zurückgebracht hatten, steuerten wir ein ortsansässiges Restaurant an und ließen es uns zur Feier des Tages gut gehen. Auf dem Rückweg in unsere Unterkunft ließen wir unseren Blick in einem dunkleren Teil der Stadt Richtung Himmel wandern und wurden so Zeuge des bombastischsten Sternen-Meers, das wir bisher in unserem Leben sehen durften. Ihr werdet es nicht glauben, aber wir konnten tatsächlich mit bloßem Auge problemlos die Milchstraße erkennen, nebst unzähligen kleinen anderen Sternen und Sternbildern. Ein sagenhafter Anblick, den wir nur zu gern mit der Kamera eingefangen hätten – wenn wir es denn gekonnt hätten. 😊 Entweder wir haben versagt oder die Technik war nicht im Stande, jedenfalls sahen die Bilder aus, als hätte jemand Fussel auf die Linse gepackt – nicht wie das große Sternen-Epos, das sich da vor unseren Augen entfaltete. So bleibt dies also ein Bild in unserer Erinnerung – auch nicht schlecht.

Der dritte Tag brachte, neben immer noch schwer zu verkraftender beißender Kälte am Morgen, eine Tagestour mit sich, die es in sich hatte. Von der Unterkunft abgeholt steuerten wir verschiedenste sehenswerte Naturschauspiele in der Umgebung an, unter anderem eine Salzwüste, eine Berglagune, ein paar archäologisch wertvolle Stätten und die so genannten „piedras rojas“, eine Felsformation mit hohem Eisenanteil, der die Steine rötlich färbt. Da der Trip zu einem Großteil aus Busfahren mit relativ kurzen Stopps an den jeweiligen Punkten bestand, lassen wir hier die Muskeln der visuellen Medien spielen:

Eine ereignisreiche und intensive Zeit ging am Abend unseres dritten Atacama-Tages zu Ende. So viel hoch verdichteten Input mussten wir erst einmal verarbeiten und dazu sollte uns die nächste Busfahrt auch großzügig Zeit einräumen: Es ging nach Argentinien, in die Stadt Salta. Eine zwölfstündige Busfahrt, mit einem aberwitzig langen, nicht nachvollziehbaren Aufenthalt an der argentinischen Grenze läutete unseren dreiwöchigen Aufenthalt im Land des Rindfleisches ein. Was wir hier erlebt haben könnt ihr im nächsten Blogeintrag nachlesen. 😊

2 Gedanken zu “Salzige Weiten und absolute Stille 

  1. Voll cool! Das sind echt beeindruckende Bilder geworden. Wir wollen aaaaaauuuch 🙂 Nur die Busfahrten würden uns ja echt abschrecken aber ihr meistert das wahrscheinlich mittlerweile mit links.

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für das Kompliment! 😊 Es war aber auch einfach echt beeindruckend dort, wir können es euch nur wärmstens empfehlen. Leider stecken wir die Busfahrten immer noch nur durch Reisetabletten so gut weg. 😁

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s