Campervan-Alltag und das Naturwunder Südinsel

1. – 13. Oktober 2017

Mittlerweile hat sich schon eine gewisse Routine im Camperleben etabliert, ebe nso wie fest zum Sortiment gehörende Speisen.
Wir beginnen unseren Morgen damit, das Bettchen, dass wir stets auf und wieder abbauen müssen, zusammen zu räumen und die Kabine in einen fürs Auge angenehmen Aufgeräumtheitsstatus zu bringen. Ist das geschafft erwarten uns entweder schnöde Cornflakes mit Milch, jedoch aber eher meistens ein mittlerweile ziemlich genial verfeinertes Porridge, bestehend aus Haferflocken, Milch, Cranberries, einem pfiffigen Nüsschen-Mix, einer halben Banane pro Kopf und einem Löffel Joghurt – lecker schmecker. 😊
Bei einem Schwarztee mit Milch tauschen wir nicht nur Weisheiten über das Leben aus und diskutieren philosophische Abhandlungen von Schopenhauer, sondern überlegen uns auch, wann wir denn von unserem Standplatz zu unserem heutigen Tagesziel düsen wollen, ob wir eine öffentliche Dusche ansteuern oder noch ein bisschen gammeln möchten. Selbstverständlich spielt auch hier nicht selten die Essensplanung für den restlichen Tag eine wichtige Rolle, denn schließlich wollen wir nicht nur (halbwegs) lecker, sondern auch günstig die Mägen füllen – bisher gelingt uns das ganz gut. 😊
Irgendwann zwischen neun und zehn Uhr startet dann der Motor und wir sind „on the road“ – je nachdem, wer am Tag zuvor als letzter gefahren ist, sitzen entweder Mareike oder ich hinter dem Steuer.
Pro Tag steht eigentlich immer mindestens eine Sache an, die wir uns irgendwie geartet anschauen: Ein Naturspektakel, eine Stadt oder ein Denkmal, irgend so etwas in der Art. Nachdem wir unsere Neugier gestillt haben, tuckern wir weiter über die windigen Straßen Neuseelands – es ist mittlerweile Nachmittag. Ob wir einkaufen gehen oder nicht hängt logischerweise davon ab, ob wir alles Nötige beisammenhaben oder ob der Schokoladenvorrat im Schwinden inbegriffen ist – unverständlicherweise tritt der zweite Fall meist alle zwei Tage auf, weswegen wir beinahe schon Stammkunden bei den großen Supermarktketten sind. 😊
Der Tag endet, in dem wir uns den bereits im Laufe des Tages ausgeguckten Campingplatz ansteuern und irgendwann zwischen 17.00 und 18.30 dort eintreffen. Bisher haben wir so gut wie immer kostenlose Campingplätze gewählt, auf denen wir mit unserem Camper stehen dürfen, da wir eine autarke Wasserversorgung UND ein mini kleines Klöchen in der Sitzbank verstaut haben. 😊 Da die Abdeckung an öffentlichen Toiletten jedoch ausgezeichnet ist, kamen wir bisher noch nicht in die Versuchung, dieses zu benutzen. Neben der Toilette bietet unser kleines rollendes Heim jedoch alles, was man zum Leben benötigt: Eine Spüle mit heißem Wasser, einen zweiflammigen Gaskocher, einen Kühlschrank und sogar eine Mikrowelle und zwei Steckdosen – letztere funktionieren jedoch nur, wenn wir extern an Strom angeschlossen sind, was ausschließlich auf bezahlten Campingplätzen der Fall ist. Das bereits erwähnte autarke Wassersystem füllen wir alle 1-2 Tage an breitflächig verteilten, so genannten „Dumping-Stations“, Abwasserstationen auf, an denen wir ebenso unser Brauchwasser ablassen können. Kurioserweise ist das alles kostenfrei – wir mussten bisher noch nicht einen Cent für irgendeine Abwasserentsorgung bezahlen. Heftig!
Ist all das Auffüllen und Ablassen erledigt, bereiten wir am Abend das Essen zu (Essen spielt anscheinend eine ziemlich große Rolle für uns :p ), planen den nächsten Tag oder aber andere Abschnitte der Reise, schauen vielleicht noch einen Film oder eine Serie. Der Tag endet schließlich beinahe so, wie er angefangen hat, nur eben umgekehrt: Wir bauen das Bettchen wieder auf und legen uns zur Ruhe, bis wir am nächsten Morgen endlich wieder Essen können. Höhö!

Innerhalb dieses Ablaufes haben wir nun weite Teile der Südinsel erkundet und dennoch unendlich viele Ziele ausgelassen. Neben den im bereits im ersten Blogbeitrag beschriebenen Orten, führte uns unser Weg in den berühmten Milford Sound, einem abgelegenen Fjord, den man nur durch bergiges Gebiet und durch einen ellenlangen, abschüssigen und düsteren Tunnel erreichen kann. Die Landschaft dort ist jedoch erneut sagenhaft gewesen: Kolossale Klüfte im Boden, Wasserfälle, Berge – all das konnten wir per Camper und auf einer Bootsfahrt durch den Fjord erkunden.


Der nächste Punkt auf der Landkarte war das Städtchen Queenstown, das eine sagenhafte Promenade am See mit einem absoluten Bilderbuch-Panorama bietet. Eigentlich wollten wir per Lift auf den alles überragenden Hügel der Stadt fahren und unsere SD-Karten vollknipsen. Nachdem wir jedoch sehen mussten, dass dieser pro Kopf 35 Dollar kosten würde und wir vom darauf folgenden ungläubig geöffneten Mund und aufgerissenen Augen schon beinahe völlig dehydriert waren, kämpften wir uns tapfer im ersten und zweiten Gang in ein höher gelegenes Wohngebiet und hatten auch so, gratis!, einen tollen Blick auf die Stadt.

In Queenstown trafen wir unsere neuen Freunde Luis und Celina vom Team Zeitreise an mehreren Stellen und unternahmen, neben einem ausgedehnten Pancake-Abendbrot einen Abstecher in ein umliegendes Gebirge, um dort einen kleinen Trail zu einem Bergsee entlangzuwandern. Als wir jedoch den unbarmherzig steilen Berg hochfuhren und die Tanknadel beinahe mit bloßem Auge nach links wandern sahen, wurden wir stutzig: Was machen die ganzen Skifahrer hier?
Ende vom Lied: Wir sind in ein bumsvolles Ski-Gebiet gefahren, das noch voll im Gange war. Wir versuchten in Jeans durch den Schnee zu stapfen und den See zu erreichen – als wir jedoch, nachdem wir eine gefährlich steile Piste mit Ach und Krach hochgekraxelt waren, bis zum Knie in den feuchten Schnee einsanken erkannten wir unsere Niederlage an und räumten den vom Sessellift herunterrufenden, garstigen Kindern („I would hate to walk there if I were you“ – „Yes, thanks…“) das Feld. 😊

Nach einem weiteren steilen Pass erreichten wir das Städtchen Wanaka, welches an einem malerischen See, umrahmt von alpinen Bergketten, gelegen ist. Hier wurden wir von einem ortsansässigen Pärchen, das wir in Peru in Huaraz kennengelernt hatten, zum Abendbrot eingeladen. Wir lachten, schnatterten und schnorrten uns Strom und verlebten einen tollen Abend mit den Locals – ein echtes Privileg!
Der Zufall wollte es, dass ich in Wanaka meinen 27. Geburtstag feiern durfte und da ließen wir es krachen: Neben einem entspannten Schnack mit unseren Buddies von „Zeitreise“, gönnten wir uns einen fetten Burger und gegen Abend eine Kinovorstellungen in einem der schnuckeligsten Kinos, die wir bisher gesehen haben: Schön kuschelig standen da etliche Sofas im Vorführraum und machten das Seherlebnis zu einem anheimelnd Besonderen. Der daumendicke Cookie, den wir uns in der Pause gönnten und lecker schokoladig daherkam, buchsierte das Glücks-Level schließlich in ungeahnte Höhen. 😊


Trotz des entspannten Tages hatten wir am Morgen einen Entschluss gefasst: Wir würden unsere Route ändern und den Großteil der Westküste auslassen, dafür jedoch noch einmal zu einem unserer liebsten Campingplätze, dem Abenteuer-Windböen-Platz am Lake Pukaki, zurückkehren. Hierfür setzten wir uns nach dem Kino ins Auto und fuhren in der Dunkelheit und auf menschenleeren Straßen bis zum See und suchten uns unseren alten, schön ebenen Platz auf dem Gelände um die Nacht zu begehen. Die ganze Entscheidung war ein absoluter Glücksgriff, denn am nächsten Tag war es aufgeklart und wir konnten einen kleinen Track zum Mount Cook bewältigen, den wir einige Tage zuvor, als wir das erste Mal an diesem See kampierten, wegen schlechten Wetters hatten ausfallen lassen. Dabei sind wirklich tolle Bilder entstanden:

Unser Weg führte uns schließlich dennoch für ein gutes Stück an die Westküste, an der wir die zugegebenermaßen eher nicht so schönen Städte Greymouth und Westport passierten. Beide Orte liegen in einer Gegend, die vor einigen Jahrzehnten durch ihren Goldrausch populär geworden ist und so wirken beide Städte ziemlich unschön und zweckmäßig. Dennoch konnten wir auch hier ein paar Highlights mitnehmen: Neben den geriffelten Pancake-Rocks wurden wir entzückte Betrachter einer Robbenkolonie!


Im Kontrast dazu lag unser nächstes Ziel jedoch, malerisch an der Nordküste der Südinsel gelegen, in der Golden Bay. Die Strecke begann in Westport und führte uns zunächst zu einem Campingplatz, der ein bisschen wie der Tummelplatz für die Opel-Astra-Besitzer des Ortes wirkte, an dem die neuen 20cm-Durchmesser-Auspuffröhre in Szene gesetzt werden. Optisch bedeutete das, dass es eine Art Kiesgrube an einem Fluss in der Nähe einer Brücke war. Matschig, nicht sonderlich schön bepflanzt und im allgemeinen eher kein Platz, an dem man sich gerne aufhalten würde. So fassten wir den wagemutigen Entschluss, noch einmal 60 Kilometer weiter zu einem Platz zu fahren, der genau am Meer liegen sollte. Es war schon relativ spät und so war nicht klar, ob wir noch ein Plätzchen ergattern würden, doch was sollen wir euch sagen: Der Herr lächelte auf uns herab und bescherte uns eine Pole-Position an einem der bisher schönsten Campsites, die wir besuchen durften:Westport_Golden Bay (39)

Nach diesem tollen Erlebnis fuhren wir am nächsten Tag in aller Frühe zu einem versteckten Strand, der 10 Minuten entfernt lag. Wir waren die ersten auf dem Parkplatz und wurden, völlig unvermittelt, von einem azurblauen Pfau begrüßt, der neben den Klos auf einem Zaun stand. Manchmal wächst halt auch eine Blume auf dem Misthaufen. 😊

Wharakiri Beach_Abel Tasman (4)
Dass bereits der Weg zum Strand einmalig werden würde, war uns schon in der ersten Minute klar: Kleine Lämmchen und deren Mütter liefen frei herum, denn die Strecke führten uns durch deren saftig grüne, irisch anmutende Weiden. Nach kurzem Marsch erreichten wir den durch die Ebbe entstandenen riesigen Sandstrand, der die Stein-Bögen des Strandes gekonnt in Szene setzte. Eine einsame Robbe lag faul in der Weite des Ortes und wir waren selig.


Langsam wurde es Zeit, die Fähre auf die Nordinsel zu nehmen, um auch die dortigen Naturschauspiele und Landschaften zu erkunden. Über Nelson fuhren wir an einer wunderschönen Küstenstraße nach Picton und nahmen hier schließlich die Fähre nach Wellington.

Nelson_Picton_Marlborough Sound (72)

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