Verrücktes Spa am Strand und sagenhafte Glühwürmchen-Höhlen

14. – 26. Oktober

Nachdem die knackevolle Fähre sicher im Hafen von Wellington, unser erstes Ziel auf der Nordinsel, eingelaufen war, schlug uns sogleich der Wind der Großstadt entgegen, dem wir in den letzten Wochen erfolgreich geflüchtet waren. Unzählige Autos, leicht verwirrende Straßenführung, hohe Häuser, laut, Menschen (ieeeh) – Reizüberflutung! 😊
Dennoch kurbelten wir versiert unseren Camper durch die Innenstadt und fanden auf einem minikleinen und engen Parkplatz für 4$ die Stunde einen guten Abstellort für das Wägelchen. Einerseits wollten wir ein paar Besorgungen machen, andererseits brauchte ich dringend einen neuen Haar- und Bartschnitt. Im leichten Nieselregen machten wir uns auf den Weg und kehrten tatsächlich, ziemlich geschafft, aber erfolgreich zum Auto zurück. Nachdem wir vom ungewohnten Verkehr schon neurotische Zuckungen bekommen hatten, fuhren wir nach einem Einkauf beim Supermarkt zu unserem kostenlosen Campingplatz außerhalb der Stadt – direkt am Meer mit tollem Sonnenuntergang. Da kann man sich einfach nur gesegnet fühlen. 😊

wellington

Den nächsten Tag nutzen wir neben einem Jeanskauf (die alte hatte sich bei einem harmlosen Sturz während eines Wandertracks verabschiedet) für einen ausgedehnten Sight-Seing-Marathon: Neben der bekannten „Cable-Car“-Bahn schauten wir uns den botanischen Garten, die Innenstadt und das unglaublich geniale „Te Papa Tongarewa“-Museum an. Nicht nur der Umstand, dass der Eintritt kostenfrei war verschlug uns den Atem, sondern auch die hochwertige Qualität der Exponate und der Ausstellungen an sich sucht in den Reihen der bisher in unserem Leben besuchten Museen seines Gleichen:

Nachdem wir Wellington am gleichen Abend verlassen hatten, fielen uns bereits jetzt Unterschiede zur Südinsel auf: Es sind wesentlich weniger Camper unterwegs, es ist alles dichter besiedelt und voller, der Sprit ist circa 20 Cent günstiger (YEAH!). Was sich leider nicht verändert hat: Dadurch, dass unser Bulli schon einiges an Kilo auf den Rippen hat und „nur“ über einen 2 Liter-Motor verfügt, sind steile Anstiege immer ein im wahrsten Sinne des Wortes „rückläufiges“ Geschäft. Soll heißen: Wenns nach oben geht oder die Straßen windig sind, werden wir langsamer als die meist erlaubten 100. Die Neuseeländer fahren dann in der großen Mehrzahl sowas nah auf, dass es in vielen Fällen nicht mehr lustig ist. Falls da mal eine Gefahrenbremsung nötig geworden wäre, hätten die unweigerlich in unserem Kofferraum gesessen. Vielleicht rochen unsere Abgase aber auch so gut, dass sie nicht anders konnten als an uns zu kleben. 😊

Unser nächster Schlafplatz lag überhaupt nicht auf der Route, lohnte sich jedoch umso mehr: An einer malerischen Steilklippe mit schwarzem, vulkanischem Sand durften wir einem der bisher schönsten Sonnenuntergänge beiwohnen. Manchmal lohnt es sich auch, „the extra mile“ zu fahren – wir gaben uns lachend ein „high five“ für unsere gute Entscheidung.

Wavely_Beach

Der folgende Abschnitt unserer Reise führte uns in eine touristisch gut erschlossene, jedoch ziemlich stinkende Region. Ähh, was, stinkend? Korrekt gelesen, denn die Gegend um Taupo und Rotorua ist von thermal aktiven Abschnitten nur so durchzogen und in diesen Abschnitten dringt der Schwefelduft aus den Poren der aufgebrochenen Erde. Puh, puh! Nach einem Besuch im zwar interessanten, jedoch drastisch überteuerten „Thermal Wonderland“ und einer Nacht neben einem polinesischen Spa, reichte uns der Muff und wir brachen die Zelte in Richtung Norden der Insel ab.

Auf dem Plan standen noch einige Highlights, für die wir nun langsam unsere Recherche begannen: Allen voran das Herr der Ringe Set zu den Hobbit-Höhlen und die Waitomo Glowworm Caves. Als wir jedoch die Preise für beides ermittelt hatten, verging uns schon wieder die Lust darauf. Für das Hobbingen-Set wurden mindestens 75$ pro Kopf veranschlagt, für die Glühwürmchen-Höhle ganze 50. Somit war Hobbingen erst einmal ad acta gelegt. Die Recherche zu den Höhlen ergab, dass von den 45 Minuten in der Höhle das tatsächliche Glühwürmchengucken nur 10 Minuten per Bootsfahrt einnehmen würde, wobei bei jedoch Fotos schießen nicht erlaubt wäre – WHAAT?!
Mareike warf ein: „Das kann doch unmöglich die einzige Höhle in Neuseeland sein, in der man diese Glühwürmchen angucken kann. Google doch mal, obs da nicht eine Alternative gibt.“ Was sollen wir euch sagen: Recherche ist manchmal alles! Es gab tatsächlich eine und jetzt kommt der Clou: Komplett ohne Eintrittspreis. Wir jubilierten!
Da die Höhle jedoch eher einer der letzte Attraktionen auf unserer Route sein sollte, fuhren wir Richtung Norden und machten dabei noch ein paar ziemlich interessante Stops. Nicht nur der „Hot-Water-Beach“, bei dem man bei Ebbe auf Grund von thermalen Quellen unter dem Sand seinen eigenen heißen Pool bauen kann (das Wasser war stellenweise sogar kochend heiß!), sondern auch verschiedene Strände mit tollen Gesteinsformationen lagen auf dem Weg. Die Gegend der Coromandel-Halbinsel, in der diese Natur-Attraktionen liegen, ist echt ein Hingucker:


Nach diesem Abstecher ging es in Richtung der größten Stadt Neuseelands, Auckland. Meine Herren… der Verkehr dort auf dem Highway war wirklich nicht mehr feierlich. Fünfspurige Autobahnen mit drei verschiedenen Abfahrmöglichkeiten und einem Navi, das nur unzulänglich anzeigt, auf welcher Spur man bleiben muss – da waren Hinternzusammenkneifen und ne Menge Schweiß schon vorprogrammiert. Glücklicherweise mussten wir „nur“ geradeausfahren, wobei die vielen Leute auf der Straße und das allgemeine Gewusel die Angespanntheit konstant aufrechterhielt. Die Muskeln entspannten sich erst, nachdem wir die Stadt schon ein paar Minuten hinter uns gelassen hatten.
Die Highlights auf der Nordinsel waren definitiv, neben einem entspannten eintägigen Aufenthalt am wunderschönen Matapouri-Beach, die Waitangi Treaty Grounds und die Waipu Caves.
Bei ersterem handelt es sich um die Stätte, auf deren Grund verschiedene Verhandlungen zwischen den Maori und den britischen „Belagerern“ geschlossen wurden, die erstmals den Staat Neuseeland konstituierten und verschiedene Festlegungen gleichsam für die Maori, deren Land und die Briten festhielten. Das wurde zwar geschichtlich gesehen mal mehr, mal weniger durchgesetzt, aber die Information und Aufbereitung vor Ort war klasse. Das lag aber sicherlich auch an der „cultural performance“, der wir beiwohnen durften: Neben dem weltbekannten „Haka“-Tanz (der sicherlich, wenn man es genau nimmt in verschiedenen Situationen anders heißt und anders getanzt wird) zeigten die Maori verschiedene andere Tänze und Lieder – aus vollem Halse und mit einem Bums, dass es die Trommelfelle wackeln ließ, hatten wir beim Schauen und Hören Gänsehaut. Ein klasse Erlebnis!

Neben dem bereits erwähnten Stop an einem genialen Strand-Campingplatz, an dem wir den neuseeländischen Tag der Arbeit mit Hörspielen, Schlummern und Spielen verbrachten, war der Besuch der Waipu Höhlen ein absoluter Höhepunkt.

Dort, auf dem Freedom-Campingplatz direkt am Eingang der Höhlen, trafen wir auch unsere Buddies vom Blog Zeitreise wieder und verlebten, bevor wir uns in die Dunkelheit wagten, einen tollen Spiele- und Quasselabend. Früh am Morgen des nächsten Tages rafften wir uns auf, packten unsere Taschenlampen ein und begaben uns zum Eingang der Höhlen, in denen wir uns die sagenhaften Glühwürmchen erhofften, die eigentlich Fangfäden von Pilzmückenlarven sind, die durch Fluoreszenz in der Dunkelheit Insekten anlocken wollen.
In Flip-Flops gingen wir in den dunklen Schlund und trafen auf unseren ersten Wasserlauf, in dem angeblich Aale ihr Unwesen treiben sollten. Mit jedem Meter, die wir über den lehmigen Weg und die Gesteinstreppen der Höhle zurücklegten, nahm das Tageslicht ab und wir mussten unsere Taschenlampen auf volle Energie schalten. Doch der Weg zu unserem Ziel währte nur kurz: Schon nach ein paar Minuten gelangten wir in einen Teil der Höhle, dessen Decke mit den Glühwürmchen nur so voll hing. Nachdem wir das Licht ausgeschaltet hatten, konnten wir die ganze Pracht dieses Naturwunders beobachten und fühlten uns wie Könige. Niemand sonst außer uns zweien und Celina (von Zeitreise) befanden sich in diesem Teil der Höhle und so konnten wir in aller Ruhe Fotos knipsen und staunen. Was für eine Schlagkraft die Natur doch haben kann… ich musste, nachdem wir rausgegangen sind, später gleich noch einmal reingehen. 😊

Nach den Waipu Caves rückte der Abgabetermin in Auckland immer näher, also machten wir, was wir mittlerweile schon aus dem Effeff konnten: Den besten Campingplatz suchen, mit leckeren Sachen eindecken und die letzten Tage noch einmal am Wasser genießen.
Am Tag der Abgabe packten wir zusammen, fegten das Auto aus, füllten die Gasflasche, den Tank nach und leerten den Grauwassertank und begaben uns nach Auckland, wo wir unseren Gefährten der letzten Woche schweren Herzens, aber auch doch irgendwie glücklich abgaben.

P1180727

Es liegt nämlich großes vor uns, genauer gesagt der fünfte Kontinent – Australien!
Ein Traum wird wahr (wenngleich wir natürlich nicht das ganze Land in Augenschein nehmen werden 😉) .
Der nächste Report und die Frage, von wie vielen Trichternetzspinnen wir gebissen wurden folgt dann hoffentlich in Bälde!

 

4 Gedanken zu “Verrücktes Spa am Strand und sagenhafte Glühwürmchen-Höhlen

  1. Eine wirklich wunderschöne Reportage über Neuseeland! Grandios 😍🤗 da bekommt man echt Lust das Land auch mal zu besuchen!
    Worauf ich aber echt gespannt bin,sind eure Berichte über Australien 🌏. Ob ihr ins australische outback geht… Melbourne, adelaide… Australische Cowboys und rinderfarmen sehen werdet, ich bin gespannt! 😁🤗😊

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    • Vielen, vielen Dank – wir geben uns redlich Mühe und freuen uns, dass dir das Lesen so Freude macht. 🙂

      Wir würden sowas von gerne ins Outback fahren, aber ich glaub da macht uns der Mietvertrag des Leihautos n Strich durch die Rechnung. 😭 hoffentlich sehen wir auch außerhalb noch die cowboys und kühe!

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