Brütende Hitze und die endlose Weite Australiens

11.-19. November

Hitziges Perth

Wenn man das Wort „Australien“ ausspricht, kommen den meisten Leuten sicherlich das Outback, roter Sand und unvorstellbare Hitze in den Kopf. Als wir jedoch Sydney und Melbourne erkundeten, wehte uns meist eine eher frische Brise um die Nase, ganz anders als wir es erwartet und insgeheim auch erhofft hatten.
Als wir nun in Großstadt Nummer drei, ihres Zeichens Perth, gelandet waren, herrschte, da wir in der Nacht angekommen waren, ein angenehm warmer Wind, der uns an die Sommermonate in Berlin erinnerte – es lag eine gewisse Leichtigkeit in der Luft.
Nach einem netten Plausch mit unserem Uber-Fahrer wurden wir an unserer ziemlich genialen Air-BnB-Unterkunft inmitten eines schicken Viertels entlassen und freuten uns wie Bolle über das große Zimmer und bequeme Bettchen. Am nächsten Morgen zeigte sich, dass das, was wir uns in Sydney und Melbourne nun mit doppelter Macht angerückt war: Bereits am Morgen regierte eine dermaßen drückende Hitze, dass man nach dem Haustür öffnen unweigerlich nach Luft schnappen musste. Ein wahrhaftiger Hieb in die Magengrube – aber irgendwie trotzdem genial. Endlich kurze Klamotten anziehen! 😊
Als ich nach einer Frühstück-Ingredienzen-Einkaufstour zurückgekommen und wir ein himmlisches Porridge mit Blaubeeren und allem zu uns genommen hatten, schmiedeten wir einen Plan für unseren mehrtägigen Aufenthalt in der Küstenstadt, wobei uns sogleich unser erster und bald entnervender Fehler auffiel: Die Lage unserer Unterkunft. Obwohl diese, wie bereits beschrieben, einfach klasse war (großräumig, Pool, ruhige Gegend, W-Lan etc.) mussten wir bis ins Zentrum der Stadt immer eine gute Stunde einrechnen. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass wir Perth an sich nur an einem Tag erkundeten, wobei wir die Stadt zwar als schön, jedoch irgendwie gleichsam auch als etwas verlassen oder verschlafen beschreiben würden. Die Geschäfte schlossen beispielsweise schon um 18 Uhr ihre Pforten sodass sich eher ein entspannter Kleinstadtcharme verbreitete als der einer Millionenstadt. Ein komischer Mix, der jedoch mit einer zentraleren Unterkunft sicherlich auch seinen Reiz gehabt hätte.

 
Der Roadtrip beginnt
Der Besuch dieser Stadt geschah indes nicht nur auf Grund ihrer selbst, sondern weil wir hier unser Auto für unseren knapp vierwöchigen Roadtrip entlang der Westküste und des Südwestlichen Teils des Kontinents abholen würden.
Nachdem wir die Tage in unserem gefühlten Wohlfühl-Exil mit planen und grübeln gemeistert und dabei noch ein anderes deutsches Paar im Hause, das den gleichen Weg wie wir einschlagen würde, getroffen hatten, unternahmen wir einen Ausflug nach Rottnest Island. Die relativ große Insel liegt eine halbstündige Fährfahrt von Perth in türkisem Gewässer und wartet mit seinen schönen Stränden und den Tieren mit dem schönsten Lächeln der Welt, den Quokkas, auf.


Tags darauf wählten wir uns erneut in unsere Uber App ein und fuhren zu unserem Auto-Verleiher – die Spannung stieg!
Uns war bereits von Anfang an klar, dass wir hier alles andere als einen Neuwagen erwarten dürften, jedoch mussten wir beim genaueren Blick auf das Auto schon etwas schlucken: Unzählige Beulen, Steinschläge und in Gänze etwas siffig kam der 20 Jahre alte Toyota mit frischen 545.000 Kilometern daher. Gerade erst eingefahren. *hust*
Nachdem der erste Schock jedoch überwunden war, erkannten wir, dass der geringe Preis für die Karre ja auch irgendwo herkommen muss und alles bisher in einem verkehrstauglichen Zustand erschien. Beim ersten Anlassen schnurrte das Teil dann erstaunlich gut und machte von Tag eins an nicht einmal Mucken, sodass die Sorgen über das Gelingen unseres ersten großen Etappenzieles, welches knapp 1500 Kilometer nördlich lag, bald dahinschmolzen. Die Klimaanlage lief ohne Probleme und so machten wir uns auf um die Vorräte aufzufüllen.
Nachdem wir bei einem Einkauf bei Aldi nicht nur Lebensmittel für den Magen, sondern auch Futter für die Seele eingeladen hatten (es ist so günstig und so aufgebaut wie in good ol‘ Germanay!), machten wir uns mit dem Fahrzeug vertraut, indem wir gleich einmal gut 400 Kilometer zu unserem ersten Übernachtungsort fuhren. Generell war unser Plan der folgende: Zum Zeitpunkt unseres Reisebeginns befand sich der Westen und vor allen Dingen Nordwesten Australiens auf dem Weg in die bockheiße Regenzeit. Um dies zu umgehen entschlossen wir uns, einmal komplett nach Exmouth, den nördlichsten Punkt unseres Reiseplans, zu fahren um dann stückchenweise wieder Richtung Perth zu düsen.

Der Weg nach Exmouth

Bereits wenige Kilometer nach Perth umfing uns ein Geschmack vom Outback: Man ist hier mit pfeilgeraden, etliche Kilometer langen Streckenabschnitten konfrontiert, die einem einen kleinen Eindruck der unvorstellbaren und mit nichts in Deutschland zu vergleichenden Weite zu gewinnen. Es ist einfach sagenhaft.


Nachdem wir die Straße in den Norden, die links und rechts am Wegesrand hie und da mit toten Kängurus gesäumt war (oh man…), hinter uns gelassen und einen Tag später in Exmouth angekommen waren, hielt die Westküste bereits mehrere Highlights für uns bereit.
Neben teurem Sprit konnten wir unsere ersten lebenden Kängurus in freier Wildbahn bewundern, die an einem Campingplatz am Ningaloo Reef in der Abenddämmerung herumhoppelten.


Dieses Riff ist ein ganz besonderes, denn es gehört mit seinem kristallklaren Wasser und breitflächigen Korallenkolonien zum Weltnaturerbe. Da wir bereits in Perth von der spektakulären Unterwasserwelt gehört hatten, kam Mareike der Einfall, dass wir uns für einen schmalen Taler Taucherbrille und Schnorchel zulegen könnten, was sich bei unserem Besuch an der Turquoise Bay als wahrhaft weise Entscheidung entpuppte: Unser erster richtiger Schnorcheltrip unseres Lebens führte uns an schillernden Fischen und riesigen Korallen vorbei – ein ganz besonderes Erlebnis und wahrhaftiger Zeuge für die Schönheit der Schöpfung. Auch Exmouth selbst war für uns eine ganz neue Erfahrung, so war die Stadt doch mitten in der „Wüste“ aufgebaut worden und ließ uns mehrmals fragen, wie solch ein abgeschiedenes Leben wohl (möglich) sei.

 

Die Korallen von Coral Bay und die Delphine der Shark Bay

War die Turquoise Bay im Ningaloo Reef für uns aus maritimer Sicht schon eine Offenbarung war, ließ das Riff der Coral Bay noch einmal so richtig seine gezackten Muskeln spielen.

Bot das Dorf überirdisch nichts sonderlich beeindruckendes, zeigte sich die wahre Attraktion bei einem weiteren Schnorchelgang: Der ganze Seeboden war über und über mit riesigen Korallen bedeckt – ein bisschen ironisch, aber uns stockte unter Wasser der Atem:


Unser nächster Stop führte uns nach Denham, an die Shark Bay. Trotz ihres Namens haben wir nur einen Hai aus ein paar Hundert Metern Entfernung gesehen. Zumindest glauben wir das. Es hätte auch eine große Plastiktüte in der Strömung sein können. :p
Dafür wurden wir in der Monkey-Mia-Bucht mit der Sichtung von Delphinen, nur wenige Meter von uns entfernt, entschädigt:


Ein weiteres Highlight war der Besuch des surrealen Shell Beach, der beinahe KOMPLETT nur aus kleinen Muscheln besteht, die bis zu 10 Meter tief reichen.

Von der unheimlich windigen (die einheimischen nennen diesen Monat den Blowvember), blauen und sandigen Küste führte uns unser Weg über die ellenlangen Straßen des Westens Richtung Süden in den Kalbarri-Nationalpark. Was uns dort erwartete, möget ihr im nächsten Blogbeitrag lesen, so er denn irgendwann einmal fertig gestellt sein sollt. 😊

 

Tobi

3 Gedanken zu “Brütende Hitze und die endlose Weite Australiens

  1. Das ist da überall sooooo schön. Die bunten und hellen Farben könnten wir in Deutschland auch gebrauchen!
    Eure Bilder sind mal wieder ein Traum und laden einfach nur dazu ein, die Badehose einzupacken und den nächsten Flieger zu euch zu buchen 🙂

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