Abenteuerliche Aufstiege und wehmütiger Abschied

1.-11. Dezember 2017

Nachdem wir uns in Albany erholt und mit Katy und Philipp die Seele baumeln gelassen hatten , machten wir uns am nächsten Tag früh auf den Weg. Unsere Ziele waren der „Granite Skywalk“ und der „Stirling Range Nationalpark“ – zwei vielversprechende Natur-Attraktionen. Wie so oft in Australien, war der Weg das Ziel und so stand uns ein wunderschöner Roadtrip von der Küste ins Landesinnere bevor. An unserem ersten Etappenziel angekommen, schnürten wir unsere Wanderschuhe fest, packten soviel Wasser wie möglich ein und schmierten die langsam brauner werdende Haut mit unserer guten Sonnencreme aus Deutschland ein. Vorbereitung ist schließlich alles. Wir wussten von der Wanderung zum Granite Skywalk, einer begehbaren Glas-Stahlkonstruktion auf dem Gipfel eines Berges, eigentlich nur, dass dieser 1,6 km lang sein sollte. Eaaasy – dachten wir uns. Doch dann standen wir vor der Infotafel, welche verlauten lies, dass wir einen Weg der Schwierigkeitsklasse 4 von 5 vor uns hatten. Zur Vorstellung: Auf den Bildern zur Einstufung ist ein Männchen MIT Gehstock abgebildet – oh ha. Da Kathy und Philipp jedoch aus dem bergigen Bayern stammten und wir Peru-erprobt waren, stiefelten wir frohen Mutes los und kamen doch recht verschwitzt am Gipfel an. Das erste kleine Highlight war ein einsam stehender, runder Felsen, der den Eindruck vermittelte, als würde er gleich den Abhang hinunter rollen – perfekt für eine lustige Fotopause. 🙂

Skywald (1)
Danach ging es die letzten Meter zwischen engen Felswänden hindurch, über Felsbrocken und auf einer Leiter hinauf zum Granite Skywalk. Das Gekraxel ließ die kleinen Abenteuerherzen in unserer Brust höherschlagen und allein für die kleine Kletterei hätte sich der Aufstieg gelohnt. Doch auch die Aussicht vom Skywalk konnte sich sehen lassen:

Als der Akku der Kamera schon langsam den Geist aufgeben wollte, machten wir uns mit etwas schmerzenden Oberschenkeln wieder auf den Rückweg – immer Richtung Mittagspause. Frisch gestärkt fuhren wir mit der knallenden Mittagssonne im Rücken zu unserem zweiten Etappenziel: Einer weiteren nur 4km langen Wanderung zu einem grandiosen Aussichtspunkt über den Stirling Range Nationalpark. Rein längentechnisch waren diese beiden Wanderungen an einem Tag definitiv im Bereich des Möglichen und daher von uns auch so an einem Tag geplant. Ach was waren wir vier motiviert, bis uns kurzzeitig der Atem an der Infotafel stockte: 4km hin und zurück? Ja, da stimmte unsere Info. Dafür aber bitte 4-5 Stunden einplanen. Wie bitte?! Davon mal abgesehen war es wieder eine Klasse 4 Wanderung und die eben absolvierte war schon kein Zuckerschlecken gewesen. Der Zeiger unserer Uhr rückte langsam auf die Zwei und dunkel wurde es gegen 19 Uhr. Nach einer kurzen Beratung waren wir der Meinung es trotzdem zu wagen, da es derselbe Schwierigkeitsgrad war und wir schon keine 5 Stunden brauchen würden. 😀 Nach einigen hundert Metern wurde es langsam steiler, die Wege unebener und schmaler. Weitere hundert Meter später wussten wir dann auch, warum bis 5 Stunden einzuplanen sind: vor uns erhob sich ein steiler Anstieg , doch nicht auf normalen Wegen sondern über Felsbrocken. Worte lassen es schwer beschreiben :

Ein wenig mulmig war uns schon zu Mute und der Blick ins Tal verursachte noch mehr weiche Knie. Aber nun waren wir schon auf der Hälfte der Strecke, da konnten wir nicht mehr umdrehen beziehungsweise ließ das unser Ehrgeiz nicht zu. Kopfschüttelnd und immer eine Hand breit vom nächsten Bänderriss entfernt kletterten wir den Berg weiter hinauf. Mit Bedacht wählten wir unsere Schritte und hielten jedes Mal inne wenn ein kleiner Felsbrocken, von unseren Vorgängern losgetreten, an uns vorbeirollte. Dann hatten wir es geschafft – wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt. Vor uns breitete sich ein atemberaubendes Panorama über die Weite Australiens aus und die Berge des Nationalparks lagen uns zu Füßen. Intensiv sogen wir diesen Anblick in uns auf, wobei Tobi noch ein Stück weiter den Felsen hinaufkletterte und mit einem 360 Grad Blick belohnt wurde. Nach einer dreiviertel Stunde Genuss und Fotoshooting mussten wir uns langsam auf den Rückweg machen, da wir nicht im Dunkeln zurück klettern wollten.

Im Vierfüßlergang kraxelten wir die Brocken entlang, den Blick immer in das vor uns liegende Tal. Stück für Stück und mit einigen kleinen Schrammen kamen wir planmäßig am Startpunkt an. Von unseren mittlerweile wirklich arg schmerzenden, weichen Beinen abgesehen waren wir ziemlich stolz und glückselig – da hatten wir uns die Portion Nudeln avec Pesto zum Abendessen redlich verdient. 😊

Nach der Nacht im Nationalpark ging es für uns in Richtung Küste, von der uns – wenig überraschend – einige hundert Kilometer trennten So stand an diesem Tag viel Strecke auf dem Programm und eine Pause am Wave Rock. Dieser Felsen, wie der Name schon andeutet, wurde durch herabfließendes Wasser wie eine Welle geformt. Ein wahres Naturspektakel, welches auch einige Busse voll Asiaten begeisterte. Wir probierten zwischen den Touristenströmen schnell unsere Bilder zu machen, um diesen und den wirklich nervigen Fliegen zu entfliehen. Da fahren wir doch lieber noch einige Kilometer durch diesen schönen Kontinent.

K1600_Wave Rock (38)

Am nächsten Tag erreichten wir unseren fast letzten und östlichsten Punkt auf unserem Roadtrip, Esperance. Das kleine Örtchen an der Südküste Westaustraliens bietet neben entspannter Atmosphäre eine überdurchschnittlich hohe Vielzahl von Traumstränden. Doch bevor wir diese erkundeten, gönnten wir uns zwei Nächte auf einem bezahlten Campingplatz mit Wifi, Strom und der Sausagesizzlenight am Sonntag. Juchuu, Australiens Antwort auf die deutsche Bratwurst: Eine Wurst in einer Sandwichscheibe mit gebratenen Zwiebeln und das auf Spendenbasis. Wir schlugen uns im wahrsten Sinne die Bäuche voll und wurden mit dem einen oder anderen Magenschmerz belohnt.

Nach einer erholsamen Zeit in Esperance machten wir uns in unserem Konvoi auf zur Erkundung des Great Ocean Drive an der naheliegenden Küste und wurden wieder einmal von Australien überrascht. Dachten wir, dass es nicht mehr schöner werden kann, hatten wir uns getäuscht:

K1600_Great OCen Drive

Das Highlight im Süden Australiens sollte die Lucky Bay sein, welche mit dem weißesten und schönsten Strand des Kontinents lockt. Die Bucht liegt im Nationalpark Le Grand und als wir einen Hügel passierte und diese traumhafte weiße Bucht plötzlich vor uns lag, stoppten kurz unsere Herzen: Wir konnten diese Schönheit einfach nicht fassen. Eilig wischten wir die Tränen weg und suchten uns ein tolles Fleckchen mit unseren Reisebuddys auf dem Campingplatz – Blick auf die Bucht inklusive. Wir verbrachten eine geniale Zeit am Wasser, Strand und frischer Luft. (Der Sand ist so rein, dass er quietscht, wenn man ihn zwischen den Händen reibt!)

Doch wir lagen nicht nur auf der faulen Haut – der „Frenchman’s Peak“ forderte uns nochmal zu einer kleinen Kletterei heraus.

Nach viel Spaß, tollen Gesprächen und gemeinsamen Känguruburger-Erlebnis wurde es Zeit für den Abschied von Katy und Philipp. Während sie sich auf nach Adelaide machten, stand für uns langsam der Rückweg gen Perth an. Wir genossen auf der Rücktour noch einmal eine Nacht mitten am Strand in Albany und fuhren dann schwermütig zurück nach Perth.

Bevor wir das Auto abgaben, wartete noch eine große Waschaktion auf uns: Auf dem Weg zum Wave Rock hatten wir mehrere Heuschreckenschwärme durchfahren und so mussten wir die Front ordentlich schrubben, um sie wieder zum blitzen zu bringen. Doch was tut man nicht alles, um die Abgabe noch ein wenig hinauszuzögern? 😉  Mit vielen Fotos und unbeschreiblichen, intensiven Erinnerungen im Gepäck verließen wir noch am gleichen Abend Australien und tauchten in eine völlig andere Welt ein. Eins stand für uns jedoch Fest: Wir haben sicherlich nicht das letzte Mal einen Fuß auf australischen Boden gesetzt. Wie es nach Perth mit uns weiterging, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. 😊

K1600_Letzter Abend

 

Mareike

 

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