Selfies unterm Schirm und die Bergdorf-Mafia

11. – 22. Dezember 2017

Das leise Surren der Ventilatoren im Ohr, schwüle Luft wehte uns ins Gesicht und die unbequemen Bänke unter unserem Rücken begünstigten unsere Nachtruhe nicht wirklich. Ja, nun war auch für uns die erste Nacht auf einem Flughafen angebrochen. Denpasar, Balis Dreh-und Angelpunkt was Reisen mit dem Flugzeug angeht, gab uns für eine Nacht Obdach.
Als wir um 4 Uhr nachts unsanft aus unserem eh schon leichten Schlaf gerissen wurden und aus den Moscheen um uns herum die Gesänge der Muezzine erklangen, wussten wir, dass wir nun in einer ganz und gar anderen Welt angekommen waren. Weg von den westlichen Gefilden in Neuseeland und Australien, rein ins Abenteuer Asien! Auf nach Indonesien!
Das erste Ziel war für uns Yogyakarta, die kulturelle Hauptstadt der Insel Java. Zum Glück bot unsere gebuchte Unterkunft einen Shuttleservice vom Flughafen an und so konnten wir festen Schrittes den Taxi-Gaunern am Ausgang des Flughafen entfliehen. Keine 2 Minuten im Auto, empfing uns Yogyakarta mit der vollen asiatischen Dröhnung aus dem Bilderbuch: Lärm, tausende Roller auf der Straße und dabei ihren ganz eigenen Verkehrsregeln folgend, an den Straßenrändern lauter kleiner Kioske, kuriose Geschäfte – und wir mitten drin. Mit einem schiefen Lächeln im Gesicht und einem leisen Kneifen in der Magengegend. Wir fühlten uns ein wenig an Kuba zurückerinnert, wo wir ein halbes Jahr zuvor einige eher wenige prickelnde Erfahrungen gemacht hatten: Der Lärm und die Andersartigkeit des Stadtbildes ,vor allen Dingen im Gegensatz zu Australien, überflutete unsere Sinne und löste irgendwie einen Flashback aus.
Nach einer halben Stunde wilder Wahnsinnsfahrt und mehreren erschrockenen Ausrufen auf Grund haarscharfer Fahrmanöver später kamen wir in unserer wirklich schönen, familiären Unterkunft an. Eine wahre Oase im Lärm dieser flirrenden Großstadt, ein gutes Stück abseits der Hauptstraße gelegen. Wir freuten uns dort knapp eine Woche Verweilen zu können und langsam im Land der vielen Religionen und Vulkane anzukommen.
Als wir, auch auf Grund der genialen Unterkunft, den Kuba-Schrecken abgelegt hatten, nutzten wir die ersten Tage um per Fuß unsere Umgebung zu erkunden und zu lernen, eine vollbefahrende Straße sicher zu überqueren. Es gelang uns recht schnell. 😊 An die Muezzin-Gesänge, die auch zu nachtruhender Zeit erschallten, konnten wir uns nur jedoch langsam gewöhnen. Ein Grund dafür könnte natürlich gewesen sein, dass wir quasi in einem Kessel von Moscheen schliefen und allen Himmelsrichtungen die verschiedensten Rhythmen und Töne erklangen.

Yogya (2)
Nachdem wir langsam ein Feeling für diese große, indonesische Stadt entwickelt hatten, konnten wir uns auf ein ganz besonderes Highlight freuen: Es ging in ein tolles, riesiges Kino zum neuen Star Wars Film. Doch nicht nur das war Grund zur Freude, sondern auch die Anreise von unseren Freunden Celina und Luis, welche wir in Neuseeland kennenlernten, ließ unsere Herzen Purzelbäume schlagen. Zusammen mit einem coolen Indonesen aus unserer Unterkunft konnten wir unser Wiedersehen mit diesem genialen Kinoerlebnis feiern. 😊 Doch was war Eigentlich so besonders? Unsere Sitze waren feinste Ledersessel, jeder hatte in dem kleinen Fach neben sich eine Decke zur Verfügung und die bestellten Getränke und Snacks wurden während des Vorspanns an den Platz gebracht. Wir fühlten uns ein wenig wie die Könige und genossen diesen Luxusausflug.😊

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Die nächsten Tage besuchten wir gemeinsam zwei bedeutende Tempelanlagen rund um Yogyakarta. Zuerst ging es für uns per Grab, eine günstige Taxialternative und durch 4 Personen besonders preiswert, zum Prambanan Tempel. Diese Anlage ist nicht nur die größte hinduistische in Indonesien, sondern zählt auch in ganz Asien zu den ganz Großen. Für unseren ersten Tempelbesuch genau das Richtige, auch wenn wir uns erst an eine (Un-)Art der Indonesen gewöhnen müssen: Alle paar Meter wurden wir von Groß und Klein um gemeinsame Bilder gebeten. Anfangs macht man diesen Spaß gerne mit, doch wenn einem selbst keine Zeit zur Besichtigung bleibt und das Gegenüber sich einfach dreist Fotos schießt ohne zu fragen, wird man ein wenig ungeduldig. Zumal die große Frage nach dem Verbleib und Anlass dieser Bilder bleibt. 😉 Doch trotz allem und auch trotz einsetzenden Regens konnten wir einen guten Eindruck der Anlage bekommen und waren beeindruckt.

Apropos Regen: Wir bereisen Indonesien zur Regenzeit. Das bedeutet, dass ab ungefähr 13/ 14 Uhr mit Regen gerechnet werden muss. In welchem Maße ist dabei ganz unterschiedlich, wie wir direkt am nächsten Tag erleben durften. Dieses Mal ging es für uns nämlich zum Borobodur Tempel, 25 km nördlich von Yogyakarta. Wieder einmal genossen wir den Luxus in großer Gruppe zur reisen und so konnten wir uns ein Grab bestellen, da dies genauso viel kostete wie eine Busfahrt.
Besagter Tempel ist übrigens der größte Buddhistische in ganz Südostasien! Die Anlage ist voller buddhistischer Symbole, die zum einen die Geschichte Buddhas erzählen und zum anderen die buddhistische Idee der Schöpfung des Universums darstellen. Besonders faszinierend ist auch, dass die Tempelanlage einst 1000 Jahre in Vergessenheit geraten und von Vegetation völlig überwuchert war, bis sie im 19 Jh. wiederentdeckt wurde.


Der Borobodur liegt auf einer Anhöhe und bot uns einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Hügel- und Regenwaldlandschaft. Wir waren ganz begeistert von diesem Tempel, doch auch hier wurden wir mehr als einmal von den Einheimischen Fotosüchtigen regelrecht bedrängt. Es kam immer häufiger vor, dass gar nicht mehr um ein Foto gebeten wurde, sondern wir einfach so fotografiert wurden. Langsam fühlten wir uns wie Tiere im Zoo. Mit unseren Regenschirmen versuchten wir uns ein wenig abzuschirmen, doch wir wurden überlistet: Langsam schob sich ein Selfiestick am Schirmrand vorbei um trotzdem ein Foto zu knipsen. Wir waren fassungslos. Um Bilder gebeten werden ist das Eine, aber so unangenehm bedrängt zu werden war eine ziemlich unschöne Erfahrung.

Auf dem Rückweg zum Ausgang fing es dann wieder an zu regnen. Obwohl regnen eigentlich der falsche Ausdruck für dieses Himmels-Spektakel war. Binnen von Minuten kamen unbeschreibliche Wassermengen hinunter und wir waren sofort klatschnass. Trotz Schirm, ja! J Glücklicherweise hatten wir Empfang und wir konnten uns wieder ein Grab bestellen. Triefend nass fanden wir aufatmend unseren Fahrer, welcher uns mit einer freundlichen Selbstverständlichkeit in sein noch neu wirkendes Auto lud. Wir möchten uns an dieser Stelle keinen motzenden Berliner Taxifahrer vorstellen. 😉
Die Zeit in Yogyakarta verging wie im Flug, nicht zuletzt, weil wir in unserer Unterkunft die ein oder andere indonesische Köstlichkeit genießen konnten. Man schmeckt das Essen hier gut! Im Handumdrehen war es Zeit Abschied zu nehmen.

Gemeinsam mit unseren Freunden ging es weiter in den Osten der Insel, zum Vulkan „Mount Bromo“. Der eigentliche Plan per Zug dorthin zu reisen, scheiterte an der einsetzenden Ferienzeit und per Shuttlebus 11h über Stock und Stein kam diesmal nicht in Frage. So setzten wir uns kurzerhand in ein Flugzeug, wobei dieser den gleichen Preis wie die Zugfahrt hatte – verrückt! Eine Taxifahrt, einen Flug, einen Shuttlebus und eine Busfahrt später landeten wir nachts in unserer Zwischenstation Probolinggo, einer Stadt nahe des Vulkans.
In dem wohl kleinsten Sammeltaxi der Welt ging es für uns Vier und unsere großen Rucksäcke in unsere Unterkunft. Kaputt fielen wir in einen tiefen Schlaf und waren froh uns am nächsten Morgen ein Taxi nach Cemoro Lawang rufen zu können, unserer Basis für die Vulkanerkundung. 15km vor Ankunft ließ uns der Fahrer aber plötzlich in einer leicht dubiosen Gegend aus dem Taxi, sein Auto würde den letzten Abschnitt nicht meistern. Komischerweise war gleich ein Jeepfahrer zur Stelle, bereit uns hinauf zu fahren. Nach kurzer Preisverhandlung willigten wir ein und so ging die Fahrt Richtung Mount Bromo weiter. Der Weg hinauf war tatsächlich sehr steil und so entschuldigten wir das Verhalten des ersten Fahrers, auch wenn uns die ganze Sache etwas abgekartet vorkam. Im Ort angekommen empfingen uns Mal wieder graue Wolken und wirklich kühle Temperaturen, die trotzdem eine angenehme Abwechslung für uns waren. Nach einer Inspektion unseres kleinen Häuschen waren wir Recht froh, hatten wir vorher doch einige Horrorgeschichten über die Unterkünfte in diesem Bergdorf gelesen. Um nicht im Regen herum zu stiefeln, machten wir uns direkt auf den Weg um uns den Vulkan anzuschauen. Doch kaum am „Eingang“ angekommen, hielt uns der horrende Eintrittspreis und der einsetzende Regen von unserem Vorhaben ab. So verbrachten wir den restlichen Nachmittag mit Kartenspielen. 😊
Für den nächsten Tag stand frühes Aufstehen an, da wir gern zu einem Aussichtspunkt wandern wollten, von welchem man einen Blick auf den Vulkan während des Sonnenaufgangs hat. Im Anschluss sollte es dann nochmal Richtung Vulkan gehen. Gesagt getan, klingelten unsere Wecker um drei Uhr und wir packten müde unsere Rücksäcke. Dick eingemummelt machten wir uns auf den Weg. Keine 15 Minuten später waren wir wieder in der Unterkunft.  Es regnete, es war kalt und wir ließen unsere Vernunft walten.
Nur für ein möglicherweise schönes Foto oder Aussicht, hatten wir keine Lust 3h im kalten Nieselregen einen Berg hochzukraxeln und im Anschluss noch weitere 3km zum Vulkan zurückzulegen. Schade um den Schlaf, aber so konnten wir uns in aller Seelenruhe um halb sechs auf zum Bromo machen und waren noch vor den zahllosen anderen Besuchern vor Ort. Cemoro Lawang wird nämlich ab ungefähr 4 Uhr nachts von bestimmt Hundert Jeeps durchquert, an Bord Touristen die eine teure Sonnenaufgangstour gebucht haben mit anschließender Vulkanbesteigung – Mensch, die müssen gefroren haben! 😊

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Wir bestiegen somit fast als Erste den Vulkan, Nebel und Schwefelgeruch umhüllten uns und sobald die Schwaden verzogen hier und da verzogen waren, konnten wir den ersten Blick in den Krater wagen. Liebe Leute, das war ein unglaubliches Gefühl. Der Mount Bromo gehört nämlich zu den noch aktiven Vulkanen und wir liefen auf dem Kraterrand umher – das Gluckern des Schlunds ständig präsent. Man man!


Auf dem Weg nach unten konnten wir in der Ferne die vielen Jeeps sehen, die das vor dem Vulkan liegende „Sea of Sand“ durchquerten und hunderte von Menschen mit sich brachten. Bei diesem Anblick war der leise Kummer über den verpassten Ausblick schnell vergessen, zumal wir stark daran zweifelten, ob bei diesem Wetter überhaupt ein schöner Sonnenaufgang zu sehen gewesen war.

Bromo (57)

Wir genossen es, an den Massen vorbei Richtung Unterkunft zu laufen, frühstückten kurz und legten uns bis zum Check-out noch etwas aufs Ohr. Da die Meisten ja eine gebuchte Tour hatten und mit dieser auch wieder den Rückweg antraten, mussten wir uns im Gegensatz zu diesen Glückspilzen irgendwie eine Möglichkeit suchen, um wieder zurück nach Probolinggo zu kommen von wo aus am Nachmittag unser Zug in Richtung Hafen fuhr. Laut Internetrecherche sollte es mittags einen lokalen Bus in die Stadt geben.
Nach kurzer Recherche vor Ort zeigte sich: Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht und eine richtige Bushaltestelle sowieso schon nicht. Wir liefen in Richtung „Hauptecke“ des Ortes und wurden sofort von einem älteren Herrn, mit einem fast zahnlosen, Gauner-Lächeln angesprochen. Angeblich seien schon mehrere Busse in die Stadt gefahren und wir müssen entweder warten, bis noch 10 weitere Menschen mit uns fahren oder eben den vollen Preis für den gesamten „Bus“ (es wurde nämlich pro Person abgerechnet) bezahlen.
Schnell wurde uns bewusst, dass für uns Touristen aus diesem Bergdorf bestimmt kein Localbus fahren würde und wir auf diese zwielichtigen Gestalten angewiesen waren. Zu dem älteren Mann gehörten nämlich noch drei junge Burschen, die in alten, halb zerfallenden kleinen Bussen lungerten und mit dem Mann diskutieren. Da wir noch etwas Zeit hatten, ließen wir uns jedoch nicht auf den horrenden Startpreis ein und ließen sie schmoren. Wir wussten, sie wollten mit uns Geld verdienen und sie, dass wir zum Bahnhof mussten. Eine halbe Stunde Katz und Maus Spiel begann, Blicke und Preise wurden hin und her geworfen und es fehlte nur noch die leise, dramatische Westernmusik. Letztlich kamen wir zu einem annehmbaren Deal, wir stiegen in ein für uns vom alten Mann herbeigerufenes Auto (die schrottreifen Vorkriegsbusse wurden, oh Wunder, nicht benutzt), schlugen seine dreiste Forderung nach Extrageld für Benzin (bei vollem Tank) aus und wurden glücklicherweise von einem netten Burschen sicher zum Bahnhof gebraucht.
Dieses Erlebnis hinterließ bei uns allen ein ungutes Gefühl. Uns ist bewusst, dass mit uns Touristen Geld verdient wird und wir wohl viel mehr Geld zu Verfügung haben als diese Menschen – deswegen ist es auch okay, an der ein oder anderen Ecke etwas draufzuzahlen. Trotzdem fühlt man sich in solchen Momenten sowas von offensichtlich verarscht und trotzdem hilflos, dass es einen wütend macht – So müssen wir leider einige der Horrorgeschichten über die „Mafia Cemoro Lawangs“ bestätigen. Die anschließende Zugfahrt war im Gegensatz eine beinahe paradisische Fortbewegungsmöglichkeit.

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Von Probolinggo ging es für zwei Nächte nach Banyuwangi, einer Hafenstadt ganz im Osten von Java. Dort erholten wir uns von dem doch anstrengenden Trip und bereiteten uns voller Freude auf die nächste Insel vor – das berühmte Bali lag vor uns.

Mareike

 

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