Funkelnde Skyline und eine der teuersten Städte der Welt

10.-23. Januar 2018

Kuala Lumpur

Indonesien hat uns mit der Insel „Nusa Penida“ wahrlich keinen leichten Abschied vergönnt: Die einsamen Strände und genialen Rollerfahrten auf den mal mehr mal weniger holprigen Straßen durch die Natur war eine tolle Erfahrung.
Das dazu passende Kontrastprogramm sollte unser nächster Halt in der großen Hauptstadt von Malaysia, Kuala Lumpur, bieten: Eine volle Metropole mit allem, was das Herze begehrt.
Wir hatten uns auf Grund einer gewissen Reiseermüdung dazu entschieden, in Malaysia innerhalb von zwei Wochen nur zwei Stopps einzulegen: Kuala Lumpur und Melaka. Wir erhofften uns davon, am jeweiligen Ort länger bleiben und somit innerlich zur Ruhe kommen zu können. Paradoxerweise lässt sich der geplante Aufenthalt tatsächlich in der abgedroschenen Phrase „Urlaub vom Urlaub“ zusammenfassen. 😊
Wenngleich das mit Sicherheit ein absolutes Luxusproblem und das bestimmt nur schwer nachzuvollziehen ist, ist Reisen nicht nur eine Aneinanderreihung von tollen Ereignissen, sondern neben dem extrem vielem Guten auch in vielen Facetten ziemlich kräftezehrend:
Die unfassbar vielen neuen Eindrücke, bei denen das Gehirn immer öfter Probleme kriegt, beim Verarbeiten Schritt zu halten; die stets drohende Reiseübelkeit im Bus und auf dem Boot; die Transfersituation vom Bahnhof oder Flughafen zur nächsten Unterkunft; die tollen, aber auch herausfordernden kulturellen Unterschiede in Nahrung, Gewohnheiten und Zwischenmenschlichem und ab und an auch der Wunsch nach einem eigenen Plätzchen, der gewohnten Umgebung und dem sicheren Gefühl, sich auszukennen und nicht fremd zu sein. Das alles sind Faktoren, die nach den nun schon fast 8 Monaten nach einer Couch und Netflix riefen, was wir glücklicherweise beides in Kuala Lumpur in einem riesigen Hochhaus fanden. 😊
Wir mieteten uns in einem bekannten Apartmentkomplex mit einem Infinitypool ein und hatten dort eine geniale Wohnung ganz für uns allein. Ein bequemes Bett, blitzschnelles Internet und super Anbindungen in die Stadt waren Balsam für die Reiseseele und ließen uns genug Zeit, die Tanks aufzufüllen.

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Kuala Lumpur selbst hat zwar nur wenige historische Sehenswürdigkeiten, dafür aber eine abartige Menge an RIESIGEN Malls, eine geniale Skyline bei Nacht und die weltberühmten Petronas-Doppel-Towers. Besonders aus beleuchtungstechnischer Sicht ist diese Metropole ein Juwel: Nicht nur vor dem Wahrzeichen der Doppel-Türme, sondern auch an anderer Stelle wird die Nacht durch Musik und stellenweise sogar durch Nebel untermalte Springbrunnen-Lichtshows illuminiert – da kann das Festival of Lights mal richtig einpacken:


Aus kulinarischer Sicht bleibt hier wohl ebenso kein Auge trocken: In Little India kosteten wir beispielsweise gleich zweimal von einem fetten und unverschämt günstigen Buffet, wobei wir am Anfang unsicher herumstanden wie die ersten Menschen und aus Sicht des richtigen Procederes zwischen Auftun und Bezahlen sicher alles falsch gemacht hatten, was man falsch machen kann. Egal wie: Der Magen war am Ende wohlig gefüllt. 😊
Wir wagten uns ebenso auf eine Seafood-Fressmeile (ohne jedoch das Seafood zu probieren, *hust*) und tobten uns auch in den Foodcourts der vielen Malls aus. Es war schon ein Fest. 😀 Besonders zu erwähnen ist wohl noch, dass Malysia DAS Softdrinkland ist: Eine Büchse Pepsi kostet am Automaten um die 20 Cent – da weint die Bauchspeicheldrüse.


Zum Abschluss des Fressreigens ließen wir noch einmal einige Ringit bei einem deutschen Bäcker, der bereits zwei Filialen in KL aufgemacht hat. Mit deutschen Bäckereien im Ausland ist das ja immer so eine Sache, aber wir bekamen fast Pipi in den Augen, als wir da echtes Sauerteigbrot und körnige Brötchen mit Kürbiskernen drauf zum Frühstück kredenzt bekamen. Ebenso der Käse, die Wurst und das Rührei stillten unseren körperlichen, jedoch auch seelischen Hunger nach der Heimat und ließen uns ein paar Tage später gleich noch einmal dorthin fahren – es war einfach zu gut. 😊

Melaka
Nachdem wir innerhalb der Stadt noch einmal in eine günstigere Bleibe umgezogen waren, reisten wir nach 8 Nächten in Richtung Melaka, einem Städtchen mit holländisch-britischem Einfluss und einem großen chinesisch geprägten Stadtteil ab.
Nach einer entspannten Busfahrt gab uns unser Grab-Fahrer auf dem Weg zur Unterkunft ein paar Tips und empfiehl uns im Besonderen ein indisches Restaurant, das berühmt für sein Brot und sein Tandoori-Chicken sein soll. Allgemein waren die Grabfahrer in Malaysia sehr kommunikativ und informativ – hier haben wir mehr erfahren als in jedem Land zuvor.
Als wir erkannten, dass unser Hostel nicht einmal 20 Meter von diesem Restaurant entfernt lag und auch nur ein paar Gehminuten von den im UNESCO-Weltkulturerbe eingetragenen szenischen Straßen der „Altstadt“ von Melaka wussten wir bereits: Das wird ein richtig guter Aufenthalt.
Dies bestätigte sich schon nach dem ersten Schnupperrundgang im und um den „Jonker Walk“, der bekanntesten der drei parallel angeordneten Straßen, die mit einer Vielzahl von chinesischstämmigen Shops und Restaurants aufwarten.


Den Abend ließen wir beim Inder für einen lächerlich geringen Preis bei deliziösem Knoblauch-Naan-Brot und Butter-Chicken ausklingen – wir fühlten uns pudelwohl. Neben drei weiteren Besuchen bei diesem proppevollen Inder (die gesamte Straße steht allabendlich voll mit Stühlen), verbrachten wir die restlichen Tage in Malaysia mit einem Besuch einer Moschee direkt am Meer, dem Erkunden der Stadt und dem probieren eines Durian-Frucht-Küchleins. Die wohl am übelsten riechende Frucht stinkt wie süßlicher Müll und schmeckt auch ein bisschen so, aber die Erfahrung wars wert. 😉


Eines Abends verließen wir unsere Unterkunft mit dem Ziel des Nachtmarktes, der an jedem Wochenende auf dem Jonker Walk stattfindet und Scharen von Touris und Einheimischen anlockt. Es war tatsächlich so, wie man es sich vorstellt: Knüppeldickevoll läuft man zwischen den Menschenmassen an tausend verschiedenen Ständen mit Fressalien und wunderlichen Gadgets oder Plastikspielzeug vorbei und genießt den Rummel und die Andersartigkeit. Wir kamen auch an einem chinesischen Karaoke vorbei, bei dem Senioren mit voller Power und echt guten Stimmen mutterseelenallein auf einer riesigen Bühne ihre Lieder raushauen und dann, komplett ohne Applaus, einfach wieder von der Bühne gehen – schräg!
Die Nacht wird in Melaka allgemein durch ein kurioses Detail aufgepimpt: Aufgemotzte Fahrräder, die zum Personentransport gedacht sind, sind in speziellen Themen ausgeschmückt (z.B. Hello Kitty oder Pokemon) und fahren mit mörderischen Bässen und lauter Mucke mit tausend Lichtern bis zu zwei Passagiere durch die Gegend. Da sitzen gestandene Männer am Lenker und man fragt sich: Wie kommt man darauf, sein Fahrrad mit „Hello Kitty“ zu dekorieren und rosa zu beleuchten? 😊

Hier mal ein paar Bilder zu diesen tollen Ereignissen:

 
Ein weiteres Highlight war auch noch der „Haarschnitt“, den Mareike sich nach langem Ringen in Melaka gegönnt hat: Nach einer Shampoo-Anwendung ohne Wasserhahn (nur mit Shampoo und Wasserflasche) wurde Mareike ausgiebig an den Schultern durchgeknetet und immer wieder am Kopf massiert und weiter durchschamponiert. Der Haarschnitt war am Ende dann leider halb so gut wie es das Vorgeplänkel versprochen hat.

Singpapur

Melaka gefiel uns wirklich richtig gut und so waren wir fast ein bisschen traurig, als wir uns in den Bus mit Massagesitzen (AHHH!) in Richtung Singapur, dem für seine extremen Kosten bekannten Stadtstaat, setzten.
Das Einreisen per Bus stellt sich wie auch in Chile und Argentinien als ein langwieriges Unterfangen heraus, da die Touris in Wellen auf die armen Passkontrolleure einbrachen.
In der Stadt angekommen konnten wir jedoch sogleich den Luxus einer supermodernen Großstadt genießen: Das sehr gut ausgebaute Metro-System ist leicht zu verstehen, pünktlich und es sieht aus wie geleckt. Das hat nicht von ungefähr damit zu tun, dass Müll nicht einfach irgendwo (so wie in anderen asiatischen Ländern) hingeschmissen wird und das Kaugummis in Singapur verboten sind. Wer in der Metro damit erwischt wird, kann gut und gerne bis zu 500 Dollar Strafe bezahlen – ouchn!
Sowieso sind die Strafen für kleine Furz-Vergehen zum Teil abartig hoch, was aber wohl der Grund dafür ist, dass es erstens überall sehr sauber ist und zweitens ungewohnt gesittet in der Metropole zugeht.
Wir kamen nach kurzer Fahrt in Chinatown an, wo wir das erste Mal Doppelstockbetten in einem Schlafsaal gemietet hatten. „Saal“ ist hier bei jedoch nicht so richtig passend, denn es handelte sich um ein kleines Kabuff ohne Fenster mit drei Doppelbetten und ekliger Luft. Ein Fest für die Sinne. Die Betten waren jedoch bequem und auf Grund der hohen Kosten in der Stadt waren die zwei geplanten Nächte problemlos aushaltbar. (Auch wenn die Sauberkeit an manchen Ecken zu wünschen übrig ließ :p – ich wurde beispielsweise eines Morgens mit frisch Erbrochenem im Waschbecken begrüßt)
Wir schlenderten an unserem einzig vollen Tag ein bisschen durch die Stadt und kamen von einem zum anderen und endeten im Nationalmuseum der Stadt, das für diesen Tag freien Eintritt hatte – Jackpot! In dem klimatisierten, schönen Gebäude konnten wir uns Bilder von Monet und anderen Impressionisten anschauen und dabei so die bullige Mittagshitze umgehen.

Als die Sonne sich langsam zum Untergehen neigte, stiefelten wir in Richtung der so genannten „Supertrees“, das sind alienmäßig aussehende künstliche Bäume, die des Nachtens beleuchtet werden. Bevor wir diesen Tourimagneten jedoch ausführlich knipsen konnten, gönnten wir uns den Eintritt in den Cloudforest-Dome, in dem ein 30 Meter hoher, künstlicher über und über bewachsener Berg in einer Art Glashaus bewandert und begutachtet werden kann. Gesalzene Preise, aber dafür trotzdem ein cooles Erlebnis. 😊


Die Supertrees hinter uns lassend durchquerten wir eine Mall, die sicherlich größer ist als so mancher Kleinstaat dieser Erde und flanierten in lauer Sommeratmosphäre am Wasser entlang.
Neben den Supertrees bei Nacht, wird die Stadt erst bei Dunkelheit so richtig schön – die Skyline ist einfach der Wahnsinn! So setzten wir uns an den Fluss und schossen ein ums andere Foto:

Singapur (128)_bearbeitet

Obwohl der Aufenthalt in Singapur definitiv lohnenswert war, hat die Stadt unser Herz nicht vollständig gewinnen können, so wie zum Beispiel Melaka. Es ist an vielen Ecken zu steril, ohne rotzige Ecken – es fühlt sich ein bisschen künstlich und „hochglanzig“ an. Vor allen Dingen der preisliche und optische Kontrast zu Malaysia lassen die Frage offen: Wie kann eine Grenze so einen heftigen Unterschied bewirken? Fünf Kilometer entfernt kostete das BigMac-Menü noch 2€ und plötzlich ist man in Singapur wieder bei 6€ (das nur mal als ungünstiges und verfressenes Beispiel).

Der nächste Flug von Singapur, übrigens dem KRASSESTEN Flughafen, auf dem wir bisher waren:

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– ging auf die Philippinen, genauer nach Cebu, wo wir einen Kumpel von mir, den Jonas, bei seinem FSJ besuchten. Nähere Details und Erlebnisberichte folgen (hoffentlich) in Bälde. 😊

Tobi

2 Gedanken zu “Funkelnde Skyline und eine der teuersten Städte der Welt

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