Ein waghalsiger Sprung ins kühle Nass und die Schildkröteninsel

11.-21. Februar 2018 – Tobi

Siquijor (Sikihor ausgesprochen), die nächste Insel auf unserem Reiseplan, ist ein ganzes Stückchen kleiner als Bohol und stellte sich so in unseren Köpfen als kleines, schnuckeliges Eiland mit weniger Touristen dar. Das stimmte nur so halb, denn gleich bei der Ankunft bekamen wir die volle Power des Tourismus zu spüren: Vom Anlegeort der Fähre fuhr kein Jeepney oder Bus zu unserer Unterkunft beziehungsweise in die Nähe, sondern ausschließlich Tricycles. Das aber leider zu einem beinahe astronomisch hohen Preis, zumindest bezüglich des normalen Preisniveaus auf den Philippinen. Mussten wir vorher für eine Strecke von vielleicht 5km um die 60 Cent zahlen, mussten wir nun für 30 Kilometer circa 15€ zahlen – das ist mehr als man für eine 24h Miete eines Mopeds berappen muss. Uns in unser Schicksal auf Grund mangelnder Alternativen fügend, knatterten wir eine knappe Stunde durch den Sonnenschein und über Siquijors erstaunlich guten Straßen. Schnuckelig war die Insel auf jeden Fall, jedoch waren vermeintlich viel mehr Touristen als auf Bohol unterwegs, was sich in obekörperfreien, männlichen Mopedfahrern mit Sonnenbrand und ohne Helm niederschlug. 😊
An unserer Unterkunft angekommen, gefiel uns unser Heim für die nächsten Tage auf Anhieb: Ruhig gelegen mitten im Wald und umgeben von Grün hatten wir unser eigenes, luftiges Zimmer mit Bad (wobei die Kloschüssel so niedrig lag, dass der Hintern auf Höhe der Knie hing – ohne Klobrille 😊) und gleich nebenan das Haupthaus mit Tischen, Bänken und einem kleinen Restaurant, in dem es tatsächlich ziemlich gute philippinische Gerichte gab. Davon konnten wir uns gleich überzeugen, als wir uns den Magen zur Mittagszeit und auf die Endreinigung unseres Zimmers wartend mit leckeren Speisen füllten. Wir mieteten uns gleich einen Roller, diesmal in ziemlich abgespactem Design und erkundeten nach einer kurzen Ruhe die nähere Umgebung, in der es einiges zu entdecken galt: Einige Wasserfälle, kleine wuselnde Philippino-Dörfer, RIESIGE Kirchen-  Die Philippinen sind nämlich das einzige asiatische Land, indem das Christentum die Hauptreligion ist.
Am ersten vollen Tag beschlossen wir die Insel zu umrunden, wobei wir erst einmal mit unserem Roller warm werden mussten: Der zog nämlich immer ein bisschen nach links, deswegen war beim Düsen Vorsicht geboten. 😊 Als wir uns eingefahren hatten und das Zweirad sich unserem Willen beugte, bewunderten wir die wunderschönen Palmen und andere Kuriositäten am Wegesrand :


Wir wollten es ein bisschen so handhaben wie in Bohol: Schon ein paar Ziele im Kopf haben, jedoch auch von der Karte leiten lassen. So steuerten wir einen Aussichtspunkt im Herzen der Insal an und kämpften uns durch ein paar schlammige Straßen in Richtung des Ziels vorwärts. Was wir nicht wussten: Als wir an einem besonders schlammigen Stück Weg vorbeikamen wurde offenbar, dass der Boden wohl Lehm oder ähnliches enthalten musste, denn das Vorderrad war komplett dicht mit beinahe zementhartem Matsch. Nichts ging mehr und das, was für eine riesige Überraschung, um zwölf in der knalligsten Mittagssonne. Oh man… ich schleppte das elende Ding in den Schatten, woraufhin Mareike und Ich damit begannen, geeignete Stöcker zum rauspopeln zu suchen. Nachdem die ersten drei abgebrochen waren und sich am Matschstatus so gut wie nichts änderte, sank die Stimmung langsam in den Keller. Mit stärkeren Stöckern und Geduld schafften wir es in einer dreiviertel Stunde (mit einer kleinen Bananenkuchenpause) das Rad zu befreien und aus diesem Lehmloch zu fliehen – endlich wieder den Fahrtwind um die Ohren sausend. 😊


So ging der ereignisreiche Tag, an dem wir extra noch keinen Wasserfall besucht hatten (das wollten wir am Folgetag unternehmen) zu Ende und mündete am nächsten Morgen in einem Taifun, der uns für die längste Zeit des Tages in unserer Unterkunft hielt. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als die Wasserfallbesuche auf den nächsten Tag zu schieben. Gleich in der Frühe hopsten wir auf unseren eigenwilligen Roller nur um am ersten, normalerweise blauen und wunderschönen Wasserfall festzustellen, dass heute nach dem Regen alle Wasserfälle braun und matschig sein würden – der Himmel war natürlich auch grau.

Siquijor Tag3 (4)

Etwas niedergeschlagen entschieden wir uns nach dem ersten doch noch zu einem zweiten zu fahren, was sich als absoluter Glücksgriff herausstellte: Ein junger Philippino führte uns zu diesem 7-Meter hohen Wasserfall, von dem man aus den tosenden Fluten in einen tiefen Pool springen kann und bescherte uns beiden so nicht nur ein paar geniale Bilder, sondern auch jede Menge Adrenalin:

wasserfall_jump
Den Abend wollten wir bei einem Bier und einer Cola am Strand in Richtung Sonnenuntergang genießen, wobei wir einen tollen Platz dafür gefunden hatten. Mit Palmen und kaum einer Menschenseele am Strand machten wir es uns gemütlich – bis hinter uns in voller Lautstärke mit übelsten Boxentürmen fieser Rummeltechno angeworfen wurde. Es war der 14. Februar, Valentingstag, der auch auf den Philippinen einen ziemlichen hohen Stellenwert zu haben scheint. Angewidert von diesem musikalischen Durchfall flüchteten wir auf dem Strand in eine andere Richtung und wurden mit einem noch tolleren Platz beschenkt – da kann man den Techno-Buben eigentlich nur danken:


Die nächsten zwei Tage bestanden für uns im Transport zu DER Schildkröteninsel schlechthin: Apo Island. Apropos Transport (Bomben-Überleitung): Der ist auf den Philippinen außerhalb der Großstädte und bei einem Inselwechsel ziemlich anstrengend. Meistens ist man auf drei oder mehr Transportmittel angewiesen, um endlich zum angestrebten Ziel zu kommen. So erstreckte sich der Weg von Siquijor nach Apo Island über zwei Tage mit einer Übernachtung und gestaltete sich folgendermaßen: Mit dem Tricycle (also einem Motorrad mit Anbau und insgesamt drei Rädern) wurden wir zum Hafen kutschiert, von dort nahmen wir die Fähre auf eine andere Insel. Dort angekommen stiegen wir in ein zweites Tricycle, das uns zum Busbahnhof fuhr an dem wir in einen Bus einstiegen, der uns in die Nähe unseres Zwischenlagers brachte. Dort liefen wir noch einmal einen Kilometer bis zur Unterkunft um am nächsten Tag per Auto vorne an die Straße gekarrt zu werden um dann mit einem Jeepney (einer Art öffentlichem Bus) den Weg zum Hafen zu nehmen, von wo wir dann endlich mit einem kleinen Boot Richtung Apo Island schipperten – alter Fadder!
Die Schildkröten und der doch anstrengende Anfahrtsweg sind nebenbei bemerkt nicht das einzige Besondere an diesem Eiland: Hier fließt der Strom nur von 18 – 22 Uhr, es gibt keine Autos oder Straßen und vielleicht um die 1000 Einwohner. Ein wahrhaftes Paradies um herunterzukommen und von den anstrengenden Transporttagen zu entspannen. Hier hat es uns wirklich sehr gut gefallen! Das lag nicht nur an den vielen Schildkröten direkt am Strand im Wasser, sondern auch daran, dass wir den ersten Tauchgang unseres Lebens in Angriff genommen haben – was für ein krasses Erlebnis. Dabei hat uns ein deutscher Tauchlehrer, der sich mit seiner Partnerin ein Leben auf der Insel zwischen den ganzen Einheimischen aufbaut, zum Mittag und abends auf einen Drink eingeladen und so verlängerten wir unseren entrückten Aufenthalt spontan um eine Nacht. Es war einfach genial so abgeschieden und doch gut versorgt und in guter Gesellschaft zu verbringen. Hier ein paar Bilder von diesem genialen Trip:

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von diesem liebgewonnen Eiland, auf dem wir neben Marvin, dem Tauchlehrer und seiner Freundin, auch drei coole Tschechen und noch ein paar andere interessante Leute kennengelernt haben.


Unser Weg führte uns nach einigem Bus und Fährgefahre nach Moalboal, einer irgendwie uncharmanten kleinen Stadt im Süden der Hauptinsl Cebus. Trotzdem mit allem wichtigen ausgestattet: Obstständen und den bombastisch günstigen Wasserauffüllautomaten. 🙂

Etwas abgeschieden vom Trubel nahmen wir von hier die Besichtigung der bekannten Kawasan-Falls in Angriff und tuckerten viel zwischen der Stadt und dem daran angebundenen Strand und Riff hin und her.

Hierbei unternahmen wir einen Schnorcheltrip, der es erlebnistechnisch ganz schön in sich hatte, es ging nämlich zum so genannten „Sardine Run“. Das ist eine Stelle, vielleicht 50 Meter vom Strand entfernt, an der der Meeresboden beinahe senkrecht nach unten abfällt. Mit unseren meeresbiologischen Grundschulkenntnissen haben wir herausfabuliert, dass dieser Drop wohl irgendetwas damit zu tun haben muss, dass dort hunderttausende von Sardinen in riesigen Schwärmen direkt unter der Meeresoberfläche umherschwimmen. Es ist schon ein bisschen gruselig, direkt in deren Richtung zu tauchen aber es ist irre mit anzusehen.
Irre ist auch das richtige Wort für die beinahe unzähligen Boote, die wohl zu faule Touristen vom Strand 50 Meter ins Meer und wieder zurückfahren – da lohnt sich doch der Bootsführerschein mal richtig. 😊


Unseren letzten richtigen Abend ließen wir standesgemäß an einem schönen, weißen Strand mit tollem Sonnenuntergang verstreichen und setzten am nächsten Tag unsere Segel in Richtung Cebu.

Genialerweise schafften wir es noch, uns mit Jonas und ein paar Mädels der CFA-Gang in Cebu zu einem Abschieds-Pizzaessen zu treffen und noch ein bisschen zu quatschen, bevor wir zum Flughafen fuhren. Hier bestiegen wir alsbald das Flugzeug, das uns zu unserem und um ehrlich zu sein besonders meinem Sehnsuchtsziel tragen sollte: Japan.

2 Gedanken zu “Ein waghalsiger Sprung ins kühle Nass und die Schildkröteninsel

  1. Wieder einmal ein sehr gelungener Beitrag! 😊
    Toll, dass ihr echt getaucht seid-Wahnsinn. Auch alle anderen Bilder von der Landschaft sind echt schön anzusehen. Da bekommt man ja sogar aus dem Urlaub heraus fernweh 😃 Wir freuen uns auf den Japan-Blogeintrag.

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