Ein Besuch im nebelverhangenen Wahrzeichen Vietnams

17. März – 21. März 2018

Wie bereits im letzten Blogbeitrag erwähnt grummelte uns der Magen vor Hunger, als wir aus dem Sleeper-Bus von Sapa am nächsten Morgen im kleinen Städtchen Cat Ba einrollten. Glücklicherweise hatten wir bei unserem Hotel schon erfragt, ob wir früh einchecken konnten und da wohl nicht alle Zimmer belegt waren, schien das kein Problem zu sein. 😊
Wir stapften also ein bisschen durch den Ort in Richtung Unterkunft und bekamen so das erste Gefühl für Cat Ba: Hotel reiht sich an Hotel, Restaurant an Restaurant und trotzdem hatte es irgendwie einen gewissen Charme. An sich ist es ja eher blöd, wenn man in einen Ort gelangt, der quasi nur für Touristen existiert, doch der harsche Wettbewerb hat für den Kunden beinahe absurde Ergebnisse hervorgebracht. Unser Hotel bot beispielsweise ein großes Zimmer mit Riesenbett, Klimaanlage, Kühlschrank, eigenem Bad und inklusive Frühstück für ACHT Euro pro Nacht an. Wir reden hier von einem fast neu renovierten Zimmer in einem schicken kleinen Hotel – wie da überhaupt noch irgendjemand dran verdienen kann, ist mir schleierhaft. Nachdem wir also am etwas versteckt liegenden Hotel angekommen waren, orderten wir uns ein paar Omlettes und Pancakes und schmissen die müden Häupter erst einmal auf die weichen Kissen.
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Der Grund unseres Besuches in Cat Ba bestand jedoch nicht darin, in top bewerteten und spottbilligen Hotels den Tag zu verpennen, sondern vor allen Dingen darin DAS Wahrzeichen Vietnams zu erforschen: Die Ha Long-Bucht.
Diese ist schon seit Jahrzehnten ein UNESCO-Welterbe und viel gerühmt: Da konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, diese auch einmal unter die Lupe zu nehmen. 😊
Da wir jedoch mittlerweile einen entschleunigten Reisestil fuhren, hatten wir in Cat Ba mehrere Tage einberechnet, in denen wir uns akklimatisieren und neben der Bucht auch noch die Umgebung erkunden konnten. So mieteten wir uns einen ultra-klapprigen Roller bei unseren Hotel-Homies und pesten am nächsten Tag über die wahnwitzig großen Straßen der Insel. Auch wenn der Himmel bedeckt war und Regen ankündigte, standen ein paar coole Punkte auf unserem Erkundungsplan.
Als erstes besuchten wir die „Hospital Cave“, eine Höhle, die im Vietnamkrieg als Krankenhaus genutzt wurde. Kaum zu glauben, dass in so einem kargen Loch tatsächlich einmal hunderte kranker und verletzter Menschen gelegen haben sollten:


Nachdem wir uns im Anschluss einen Fried Rice im direkt an der Höhle gelegenen Restaurant hatten schmecken lassen, düsten wir weiter in Richtung des inseleigenen Nationalparks, der durch einen hohen Gipfel erstklassige Aussichten über die Hügel der Insel bietet. Als wir unsere Tickets für den Park gekauft hatten, empfing uns ein verlassener Eingangsbereich, der die Atmosphäre eines geschlossenen Vergnügungsparks verströmte. Gekachelte Wege führten zu verblassten Informationstafeln, die Bruchbude von Toilette lag angeschlossen an ein Haus voller Betten, jedoch ohne Bewohner.

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Ein langer asphaltierter Pfad führte uns an Zeitzeugen des Kommunismus vorbei: Eingefallene Häuser links und rechts des Weges, die immer noch bewohnt wurden und das Gefühl von einem vergessenen Ort noch mehr verstärkten. Das ist angesichts der Tatsache, dass hier hunderte von Touris vorbeipilgern, zwar irgendwie seltsam, aber dennoch auch interessant und irgendwie cool.

Der Weg zum Gipfel war ziemlich anstrengend aber mehr als lohnend.


Oben angekommen konnten wir nicht nur ein paar schöne Bilder schießen, sondern trafen doch tatsächlich ein weiteres Instagram-Pärchen, die wir im Verlauf unseres Cat Ba-Besuches noch einmal zu einem Abendessen ein bisschen besser kennenlernen sollten.
Zuerst einmal ging es jedoch langsam wieder in Richtung Unterkunft, denn es hatte leicht zu regnen begonnen und die müden Beine verlangten nach einer Rast. 😊 Am selben Tag organisierten wir noch unsere Tour in die Ha Long Bucht und ließen den Tag entspannt im Zimmer und beim Abendessen in einem ortsansässigen Restaurant ausklingen.

Schon früh ging es am nächsten Tag los zu unserem Tourenanbieter, der einer der wenigen ist, die tatsächlich in die richtige Ha Long Bucht fahren dürfen – dafür benötigt man nämlich eine spezielle Genehmigung, die insgesamt nur drei Anbieter ihr Eigen nennen können. Das Programm war dabei angefüllt mit coolen Unternehmungen: Nach dem Transport zum Hafen ging es auf das Schiff, das uns  als erstes an schwimmenden Fischerdörfern vorbeischippern ließ. Anfangs waren wir noch sehr an die schwimmenden Inseln in Peru erinnert, aber die Dörfer in dieser Bucht unterschieden sich dann doch ziemlich. Aus Paletten, Holz und Schwimmkörpern erbaut leben die Fischer und ihre Familien ganzjährig auf ihren Mini-Inseln und müssen dabei gar nicht mal auf so viel verzichten, wie man vielleicht denken würde. Viele der Einwohner haben Strom (vom Generator oder durch Kabel vom Festland) und sogar Wi-Fi – verrückt ist die Welt. Man muss sich aber nichts vormachen: Das Leben ist sicherlich hart und einfach: Mal eben aus dem Weg gehen wenns geknallt hat geht da nur schwer. 😊

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Während wir an den schwimmenden Fischerdörfern vorbei fuhren und unter einem wolkenverhangenen Himmel durch die tausenden Berge der der verschiedenen aneinandergereihten Buchten tuckerten, freundeten wir uns mit einem deutschen Pärchen an, mit dem wir in einer Sitzgruppe saßen: Imke und Lukas. Die beiden hatten wir witzigerweise schon einmal am ersten Abend in Cat Ba in einem Restaurant getroffen, aber kein Gespräch angefangen. Das war anders, wir verstanden uns alle auf Anhieb und plauderten munter miteinander, unterbrochen von Blicken nach draußen in die faszinierende Bucht.

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Irgendwann zur Mittagszeit blieb der Kahn stehen und eröffnete allen Interessierten die Möglichkeit des Badengehens. Selbstverständlich ließ ich mir das nicht nehmen und sprang zusammen mit Lukas vom Deck ins kalte grüne Wasser des Welterbes:
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Im Anschluss wurde ein römisch dekadentes Mahl aufgetischt, dass wir mit unseren neuen Homies und noch zwei anderen Deutschen verzückt einnahmen – es schmeckte nämlich gigantisch. Leider wurde viel zu viel gereicht – unsere Tupper-Behälter hatten wir leider im Hotel vergessen. So hatten wenigstens die Fische noch was von dem guten Essen. 😊
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Mit Imke und Lukas verstanden wir uns – wie erwähnt – einfach bombig, was die Tour natürlich neben der sagenhaften Natur noch mehr aufwertete. Unser Guide war zudem super drauf, erklärte alles gut und unterhielt sich entspannt mit den Gästen, sodass die auf das Mittagessen folgende Kanutour ziemlich Fehz machte.
So eine Bootstour mit Fremden und dazu auch noch eine Kanutour sind ja hervorragend geeignet um soziale Experimente und Charakterstudien zu betreiben. So kristallisierten sich gleich zu Beginn einige (mehr oder weniger hübsche, ist ja Geschmackssache sowas) Buben heraus, die teils oberkörperfrei die Halodris der Gruppe mimten und ein ums andere Mal „lustige“ Sprüche über die ansonsten stille Ha Long Bucht erschallen ließen. Es mag wenig verwundern, dass diese sich natürlich wie Haie nacheinander an der Single-Frau des Bootes festbissen und in Gespräche verwickelten. Der gefiel die Aufmerksamkeit sichtlich. Sozial-Kino vom feinsten sagen wir euch. 😊
Ungeachtet dessen bot die Kanutour jedoch grandiose Ausblicke auf stille Ecken der Bucht und führte uns durch einige spannende Höhlen.

Der letzte Punkt der Tour war der Besuch der Affeninsel, auf der wir einen gefährlich steilen Hügel mit messerscharfem Gestein bestiegen. Die Aussicht war klasse und gegen Ende des Tages wurden wir von oben und vom Strand aus mit einem orangen Sonnenuntergang belohnt und das obwohl der orangene Kumpel sich die ganze Zeit kaum hatte blicken lassen. So schipperten wir freudig über diesen tollen Tag dem Ende der Tour entgegen.

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Mit Imke und Lukas verbrachten wir neben der coolen Zeit auf dem Boot auch noch einen gemeinsamen Abend in Cat Ba selbst, zusammen mit dem Instagram-Pärchen aus dem Nationalpark. Tags darauf reisten wir zusammen per Speed-Boot in die Stadt Haiphong, von der aus wir am nächsten Tag in Richtung der beinahe legendären Laternen-Stadt Hoi An flogen. Wir verabschiedeten uns herzlich am Bahnhof und wussten bereits jetzt, dass dies nicht das letzte Wiedersehen auf der Reise gewesen sein würde.
Da wir in Haiphong nur eine Nacht verbrachten, hatten wir uns ein Hotel in der Nähe des Flughafens gesucht. Einmal mehr empfing uns hier der vietnamesische Hotel-Wahnsinn: In beinahe barocker Dekoration zogen wir in ein Hightech-Zimmer mit 40-Zoll-Fernseher und elektronischem Rufknopf und Klingel an der Tür. Wir fühlten uns wie die Made im Speck und gönnten uns den neuesten Netflix-Streifen – für mich als alten Film-Nerd ja der Himmel auf Erden. 😊
Leider konnten wir die Vorzüge dieser Unterkunft nicht sonderlich lange genießen, da es am nächsten Morgen schon früh losging. Ade Netflix-Fernseher, hallo Laternen-Stadt! Davon mehr im nächsten Blogbeintrag. 😊 Also von der Stadt, nicht vom Fernseher. :p

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