Die Laternenstadt- funkelnde Lichter und brennende Pfannen

22.-27. März 2018

Anfahrt und Ankommen

Kaum hatten wir unsere Augen nach dem spannenden Nexflixsteifen geschlossen, klingelte auch schon unser Wecker. Noch im Dunkeln ging es auf zum neuen Flughafen Haiphongs, von wo uns der Flieger Richtung Da Nang bringen sollte.
Nach einer knappen Stunde landeten wir also in Da Nang – 45 Minuten von unserem eigentlichen Ziel, Hoi An, entfernt. An der Gepäckausgabe trafen wir zwei der Halodris von unserer Tour durch die Halong Bucht wieder und kurzerhand saßen wir gemeinsam in einem wirklich, kleinen, kleinen Auto um uns die Fahrtkosten nach Hoi An zu teilen. Der stattgefundene Plausch im Gefährt war nett, aber wie auch schon während des Ausfluges in der Halong Bucht, war klar, dass wir nicht die dicksten Freunde werden würden. 😉

So landeten wir trotzdem sicher vor den Türen unserer Unterkunft, einem kleinen familienbetriebenen Homestay, wo wir herzlich von Vater und Sohnemann begrüßt wurden. Nach einem leckeren Frühstück bestehend aus Bananenpancakes (die ziehen wir mittlerweile dem Toast und Ei immer vor) und typischem grünem Tee, quatschten wir noch eine Weile mit Tschung (dem Sohn). Das richtige Aussprechen unserer deutschen Namen, beziehungsweise besonders meines Namens, ist immer wieder für das Eisbrechen und einen Lacher gut: „Malaika, MaCHaike, Malreika“ – da ist so gut wie alles mit dabei. Auch wenn es oft einfacher wäre sich mit Maike oder einem anderen Kürzel vorzustellen, fühlt es sich aber dann eher so an, als würde ich ein Doppelleben führen. 😉
Zum Glück durften wir schon gegen 10:30 statt 14 Uhr unser Zimmer beziehen und so holten wir zunächst erst noch eine Mütze voll Schlaf nach bevor wir uns in das Abenteuer Hoi An stürzen würden.

Hoi An, die Laternenstadt

Das gar nicht mal so kleine Städtchen an der Küste Zentralvietnams gehört mittlerweile fest zu jeder Backpackerroute durch das Land. Egal ob vom Norden nach Süden, oder andersherum gereist wird, Hoi An sollte man sich nicht entgehen lassen. Nicht umsonst gilt die Stadt als schönste Vietnams. Den ganzen Trubel hat sich Hoi An durch seine unversehrte Altstadt verdient, welche dem Vietnamkrieg getrotzt hat und heute Millionen Touristen als Fotomotiv dient. Sie ist aber auch wirklich schön! 😉 Zudem wurde die Altstadt 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt, da sie über einen gut erhaltenen Handelshafen aus früheren Jahrhunderten verfügt und die vor allem chinesischen Einflüsse aus diesen Zeiten an vielen Ecken zu spüren und sehen sind. Aber was die Stadt wohl noch zu einem echten Highlight werden lässt, sind die Hunderte von Laternen, die die Straßen der schönen Altstadt schmücken. Abends, wenn die Dämmerung hereingebrochen ist, schieben sich ungeahnte Menschenmassen durch die kleinen, romantischen Gassen um die vielen bunten Lichter zu bewundern. Wir waren natürlich auch ganz verzückt, störten uns aber gleichzeitig auch etwas an der Völkerwanderung.
So wagten wir uns zweimal zu früher Morgenstund aus dem Bett um ein paar Bilder von den alten Häusern und ihren faszinierenden Fassaden zu schießen, ohne immer gleich eine chinesische Reisegruppe vor der Linse zu haben. Klar, es fehlte die abendliche, durch Laternen beleuchtete Stimmung, aber morgens durch die fast menschenleeren alten Gassen zu bummeln hatte seinen ganz eigenen Charme. Die kleinen Künstlerläden hatten noch geschlossen, aus schon geöffneten Cafes strömte der Kaffeeduft und die Einheimischen fuhren noch ungestört mit ihren klapprigen Rädern über das Kopfsteinpflaster.

Hoi An, die Schneiderstadt

An welchen Dingen Besucher in Hoi An nicht vorbeikommen sind die Laternen, verrückter vietnamesischer Verkehr und die unzähligen Schneidereien. Hoi An ist neben seiner Altstadt nämlich auch für die unheimlich schnelle Fertigung von Maßkleidung bekannt: Heute bestellt und morgen fertig. Wer also im Urlaub Lust auf ein perfekt sitzendes Abendkleid oder Sakko hat, ist hier genau richtig. Und wer bis dato noch keine Lust hatte, wird durch die kaum greifbaren Massen an Schneidereien förmlich dazu gedrängt, doch noch einmal kurz in solch einen Laden zu gehen. Nur mal zum Gucken, versteht sich. 😉
Da im engen Familienkreis noch eine Hochzeit ansteht, ließen wir uns auch dazu hinreißen uns mit einer schicken, maßgeschneiderten Robe einzudecken. Wir suchten uns eine etwas teurere Schneiderei aus, welche eigene Näherinnen beschäftigt und die Kleiderwünsche nicht per Kurier an die große Halle voller Nähmaschinen vor der Stadt schickt. Es war alles in allem ein spannendes, aber letztlich doch etwas kostspieligeres Unterfangen als geplant – wie das halt immer so ist. In der Heimat wartet nun dafür unsere Kleidung auf uns und wir müssen so zumindest keine Odyssee durch die Einkaufscenter der Umgebung in Angriff nehmen. 😊

Ausflüge und eine brenzlige Angelegenheit

In Vietnam sollte endlich ein langgehegter Plan in die Tat umgesetzt werden: Der Besuch eines Kochkurses. Wir googelten uns durch die unzähligen Angebote der Kochschulen, fanden bald eine solche mit echt guten Bewertungen und buchten sofort.
Am Tage des freudig erwarteten Events wurden wir morgens um 8.00 Uhr vor unserer Unterkunft abgeholt und mit drei anderen Teilnehmern zunächst auf den örtlichen Markt transportiert. Von verrückten Früchten, zu aromatischen Gewürzen und unappetitliche Schweineteilen konnte man hier tatsächlich alles finden, was das Herz eines essensbegeisterten Vietnamreisenden höherschlagen lässt. Leider stand unsere Guidin etwas unter Strom und so fühlten wir uns leider etwas durch den Local-Markt gescheucht. Für ein paar Bilder hat es trotzdem gereicht.

Im Anschluss ging es zur Kochschule, wo uns noch eine kleine, touristische Bootstour in kreisrunden Nussschalen im anliegenden Gewässer erwarten sollte – theoretisch verbunden mit Krabbenfangen (klappte bei uns nicht).
Dann ging das große Schnippeln los: Unter Anleitung der Mitarbeiter wurde gekocht, Frühlingsrollen gedreht und sogar unser eigenes Reispapier durften wir herstellen. Alles in Allem ein echt toller Kurs, aber ganz klar stand das Erfolgserlebnis des Einzelnen im Vordergrund und nicht das Erlernen von verschiedenen Kniffen der vietnamesischen Küche – wir mussten zum Beispiel nicht einmal irgendeine Temperatur am Herd regeln. Geschmeckt hat’s trotzdem. 😉

Da wir nicht nur auf der faulen Haut liegen und uns durch das vietnamesische Streetfood schlemmen wollten, schnappten wir uns eines Nachmittages die hauseigenen Fahrräder und erkundeten die Gegend um Hoi An. Zunächst ging es in das „Herb Village“ in welchem Menschen kostenlos wohnen dürfen, im Gegenzug aber den Gemüse- und Kräutergarten pflegen müssen. Cooles Projekt!
Als wir so durch die Felderchen fuhren, fühlten wir uns schnell in die Gärten unserer Großeltern zu Kindertagen versetzt. Was Gerüche doch alles auslösen können. 😊


Weiter ging die wilde Wahnsinnsfahrt in Richtung Meer, wo wir, nachdem wir schnell von dem bekanntesten, jedoch elendig überfüllten Strand der Umgebung geflüchtet waren, ein kleines Päuschen im Schatten der Palmen ein paar Kilometer weiter einlegten. Frisch gestärkt und ein paar Kamerabilder später, radelten wir über palmengesäumte Felder und Teichanlagen zurück in die Stadt. Das sanfte Abendlicht schien durch die Blätter und wir mussten einfach noch einmal einen Fotostopp einlegen. 😊


Nach erledigter Arbeit suchten wir uns einen Weg Richtung Hoi An, leider war zwischen uns und dem eingezeichneten Radweg eine Baustelle. Hmpf, auf einen großen Umweg hatten wir keine Lust. Also Fahrräder unter den Arm geklemmt und rüber über die Gräben. 😉 Belohnt wurden wir mit einem fantastischen Sonnenuntergang über den Reisfeldern. Diesmal ließen wir die Kamera in unseren Rucksäcken und sogen diesen Moment einfach nur auf. Sanft beschien die Sonne die Reisähren, der Duft des Korns hing in der Luft und vereinzelt flatterten Vögel über das Feld. Wahrlich, ein Moment der uns heute noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert!

Die Ruinenstadt My Son

An unserem letzten Tag in Hoi An liehen wir uns in der Unterkunft einen Roller aus, um eine in der Nähe gelegene Tempelanlage zu besuchen: Das Weltkulturerbe der Anlagen von My Son.  Noch trennte uns eine Stunde Rollerfahrt und der vietnamesische Verkehr von diesem wundervollen Ort. Nachdem Tobi sich mutig durch das Straßenchaos Hoi Ans gekämpft hatte und plötzlich aus Feldern auf die Hauptstraße abbiegenden Rollerfahrern ausgewichen war, kamen wir mitten im Dschungel an. Wir bezahlten brav unseren Eintritt und machten uns auf den gut ausgebauten Pfaden auf den Weg.
Nach ca. 5 Minuten erreichen wir eine Art Haltestelle, von wo aus ein kostenloser Shuttle zu der Anlage fuhr. Wir schauten uns kurz an und beschlossen „Nee, die zwei Kilometer können wir ja auch laufen und die Umgebung ist so schön“. Tja, außer uns lief keiner die asphaltierte Straße durch die Umgebung, die irgendwie gar nicht so schön war. Mit jedem vorbeifahrenden Shuttle (welcher dann übrigens auch nicht mehr anhielt), jedem netten Winken und Lächeln der im Shuttle-Sitzenden, ging die Stimmung in den Kellern. Wir waren ja nicht aus Spaß schon super früh aufgestanden, um den großen Menschenmassen und der Hitze aus dem Weg zu gehen. Wir bauten uns auf, bisher waren auch nur circa 5 Shuttles an uns vorbeigefahren, so voll wird es schon nicht sein. 😉
Dies entsprach zum Glück der Realität und der Entdeckerdrang besiegte die Wut über unsere eigene Doofheit. Voller Freude schauten wir uns nun die bis zu 1000 Jahre alten Ruinen der Tempelstadt an, welche von der Chamkultur aus dem 3 Jahrhundert erbaut wurde. Viele Teile der Anlage wurden durch die Bombardierungen des Krieges zerstört, aber dennoch haben es eine Vielzahl der Bauten bis heute überlebt. Das Besondere ist vor allem die feine, mörtelfreie Bauweise, die bis heute nicht nachempfunden werden kann: Alle Nachbauten verfallen oder werden schnell von Moos überwachsen, so dass die ursprünglich erhaltenen Tempel noch beeindruckender wirken.

Nach einer eher wenig entspannten Mopedtour zurück nach Hoi An, durch unzählige Reisfelder und kleine Städtchen, kamen wir wieder in unserer Unterkunft an. Wir machten eine ausgiebige Mittagsruhe, da wir uns ein letztes Mal in das Getümmel der beleuchteten Altstadt stürzen wollten. Zum Abendessen gönnten wir uns eine lokale Köstlichkeit, die es nur in Hoi An gibt: Cao Lao Nudeln. Diese werden durch das Wasser eines Jahrhunderte alten Brunnens gefertigt und erhalten so wohl einen besonderen Geschmack – ohne davon Ahnung zu haben, können wir das bestätigen! Es war ziemlich lecker. 😊


Wir schlenderten im Anschluss entlang des Flusses Richtung Altstadt, vorbei an einer Bar mit Livemusik. Auf dem Wasser schwammen die hinabgelassenen Lichter mit Wünschen der Touristen, im Hintergrund sang eine weibliche Stimme Lieder von Amy Winehouse.
Wir entschieden uns in dieser entspannten und entrückten Stimmung für eine Fußmassage, schlossen die Augen und nahmen langsam Abschied von diesem Land.
Vietnam hat uns gerade mit seiner unglaublichen Natur überrascht. Dafür aber auch ein wilder Mix an verschiedenen Menschengattungen des vietnamesischen Volkes: Einige haben uns ziemlich abfällig und unfreundlich behandelt, so wie wir es nicht erwartet hätten. Andere waren dafür extrem freundlich und einfach tolle Menschen – ein Land der Gegensätze halt. Die zwei Wochen vergingen in jedem Fall wie im Flug und feststeht: Es war zu wenig Zeit um in die Kultur und vor allem intensiv in die tragische Geschichte einzutauchen. Grund genug, noch einmal wiederzukommen.

 

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