Ausflüge ins Schlaraffenland und ein Hippie-Dorf in den Bergen

Nach den intensiven zwei Wochen in Vietnam wollten wir in Thailand das nachholen, was wir eigentlich schon in Bali gebraucht hätten: Wenig rumreisen, viel an einem Ort bleiben und es ruhig angehen lassen.
Aus diesem Grund hatten wir uns dazu entschieden, Bangkok ans Ende der Thailandreise zu schieben und dort nach dem Flug aus Vietnam nur eine Nacht bis zur nächsten Busreise zu verbringen. Was unsere Ankunft in der Hauptstadt Thailands besonders kennzeichnete, war eine sagenhafte Hitze, die unbarmherzig auf uns und unsere schweren Rucksäcke schien und den knappen Kilometer von der Bahnstation bis zur Unterkunft wie einen Marathon erscheinen ließ.
Diese Hitze sollte auch in unserem nächsten Reiseziel, der Stadt Chiang Mai, weiterbestehen. Glücklicherweise hatten wir jedoch ein Hotelzimmer mit Klimaanlage gebucht und so konnte uns der Hitzeriese nicht ganz so schnell kleinkriegen. 😉
Wir kamen mit einem Nachtbus in Chiang Mai an und waren dementsprechend früh am Morgen vor Ort, weit entfernt der angegebenen Check-In Zeit. Sind die meisten Unterkünfte da immer ziemlich flexibel (sofern nicht noch ein anderer Gast im Zimmer ist), war dieses Hotel beinhart und wir mussten glaube ich um die 6 Stunden im Foyer sitzen und warten, bis die Bude einmal durchgefegt und über den Klositz gewienert worden war. Das war glücklicherweise nicht ganz so schlimm, denn der Aufenthaltsraum war mit ausreichend Sitz- und Liegeflächen ausgestattet, sodass wir dem Einlass in unser Reich ruhig harrend entgegen fiebern konnten.
In dieser Zeit ging ich uns etwas von 7Eleven, DEM Convenience-Store in Thailand, zum Frühstücken/Mittagessen besorgen und konnte bereits in den ersten paar Metern erkennen, wofür die Stadt landesweit berühmt ist: Tempel, Tempel und nochmals Tempel. Es ist schier unglaublich, mit welcher Quantität und auch Qualität die buddhistischen Anbetungsstätten dort über die Jahre errichtet worden sind. So unternahmen wir insgesamt zwei Tempeltouren, in denen wir einige der Tempel genauer unter die Lupe nahmen. Manche der Tempelbauten raubten uns aus prunktechnischer Sicht schier den Atem:


Neben diversen Tempelbesuchen verbrachten wir unsere Zeit in Chiang Mai mit Rumschlendern, extrem leckere Säfte und Smoothies schlürfen und: Essen.
Hier konnten wir unser erstes richtiges Pad Thai, ein Nudel-Nationalgericht, am Straßenrand genießen, ebenso wie diverse Curries und sogar einmal richtigen Kuchen mit Kaffee und Trinkschokolade. Da krieg ich schon beim Schreiben wieder Hunger! 😊

Ein weiterer Meilenstein aus essenstechnischer Sicht war der Umstand, dass wir jeden Morgen ein ziemlich breit aufgestelltes Frühstücksbuffet plündern konnten und uns so allmorgendlich den Magen vollschlugen, dass wir des Mittags meist nur ein Sandwich zur Überbrückung brauchten. 😊
Wir gingen immer mal wieder in die Stadt, holten uns hier mal etwas und dort mal etwas, es war herrlich.
Mindestens ebenso herrlich wie das Hotelpersonal im Erdgeschoss: Es lief quasi die ganze Zeit ein riesiger Flachbildschirm mit thailändischen Shows oder Seifenopern, vor dem sich in regelmäßigen Abständen gefühlt die halbe Belegschaft niederließ. Da wurde gegessen, Schläfchen gehalten, am Handy gezockt, während ab und zu eine fleißige Dame mit einem Besen durch die Etage lief und durchfegte. Sensationell. 😊
Wie ihr vielleicht zwischen den Zeilen lesen könnt, unternahmen wir nicht allzu viel in Chiang Mai, sondern machten es dem Hotelpersonal gleich und ließen es ruhig angehen und nahmen den Puls der Stadt auf. Der ließ sich besonders stark spüren, als wir uns eines Abends auf die berühmte Walkingstreet, einer Fress- und Shoppingmeile auf der Straße, wagten. In den kilometerlangen Gassen naschten wir Waffeln, erstanden Kokosöl, tranken einen phänomenalen Saft und bestaunten wir viele Kunstwerke, die dort feilgeboten wurden.


Ein gewisser Ehrgeiz, zumindest ein bisschen was von der Umgebung zu sehen, flammte aber dann doch noch auf und so mieteten wir uns den in Asien obligatorischen Roller und erkundeten die Umgebung Chiang Mais. Neben zugegebenermaßen ziemlich trostlosen Highways und Landstraßen, fuhren wir an einen mächtigen Stausee. Den hatten wir uns etwas schöner vorgestellt, als er es dann tatsächlich war, aber dafür hatte sich in unmittelbarer Nähe eine Art Unterkunft in einem Reisfeld niedergelassen. Die Leute von der Unterkunft hatten mehrere Bambus-Plattformen in die Reisfelder gestellt, was wir natürlich sofort zum Anlass nahmen, in grillender Mittagssonne eine Foto-Session einzulegen:

Reisfeld und Wasserfall (22).JPG

Vom Geiste der Erkundung beflügelt gönnten wir uns noch einen nahen Wasserfall-Ausflug, wobei uns die Hitze schnell in die Knie zwang und wir relativ bald wieder in Richtung Unterkunft fuhren.

Reisfeld und Wasserfall (40).JPG
Tags darauf wagten wir uns ins Bergterrain um den dort sitzenden, extrem bekannten Wat Phra That Doi Suthep-Tempel (Gesundheit!), der erneut mit unerhörtem Prunk und Glitzern aufwartete, einen Besuch abzustatten. Es waren zwar unendlich viele Touristen dort, aber ein beeindruckender Ort war es dennoch:


Da wir bereits ein gutes Stück des Gebirges hinter uns gelassen hatten, forderten wir unserem 125Kubik-Monstrum noch ein bisschen was ab, um in noch höhere Gefilde des Nationalparks vorzudringen und so einen grandiosen Ausblick ins Tal zu erhaschen:
Bergtour (68)

Nach all diesen Unternehmungen, dem guten Essen und der entspannten Stimmung der Stadt wurde schnell klar: Thailand wird richtig klasse werden

Genialerweise konnten wir uns darüber auch gleich mit unseren neuen Freunden aus Vietnam, Imke und Lukas, die wir auf der Ha Long-Bucht-Tour kennengelernt hatten, austauschen. Die waren nämlich zufälligerweise auch in Chiang Mai unterwegs und so verbrachten wir ein wenig Zeit beim Essen und Wizard-Spielen miteinander. Man sagt das manchmal so dahin, aber die Welt ist wirklich manchmal ein Dorf. 😊
In der Nähe von Chiang Mai lag auch unser nächstes Ziel im Norden: Das Bergdorf Pai. Da Pai in dem Ruf steht, eine verkappte Hippi-Kommune zu sein und in seiner Ausdehnung relativ klein ist, freuten wir uns bereits auf einen entspannten, knapp einwöchigen Aufenthalt dort.
Bevor wir diesen jedoch genießen konnten, mussten wir erst einmal dort hingelangen und hierfür gab es zwei Möglichkeiten: Entweder in einem Mini-Van, mit in der Regel lebensmüdem Fahrer inklusive Reiseübelkeit oder aber selbst auf dem Moped. Nach kurzer Überlegung fiel unsere Entscheidung auf das Moped, auch wenn die Strecke rund 150 Kilometer maß und sich im Großteil auf Serpentinen den Berg hinaufschraubte.

Wir mieteten uns also einen Roller bei unserem Verleiher des Vertrauens, verstauten einen großen und einen kleinen Rucksack bei unserem vorherigen Hotel und düsten voller Vorfreude los in Richtung Pai.
Hierzu vielleicht noch eine kleine Anekdote aus dem thailändischen Straßenverkehr: Normalerweise darf man als Tourist in Thailand nur einen Roller fahren, wenn man einen internationalen Führerschein dabei hat, in dem auch eindeutig ein Stempel beim Motorrad gepflegt ist. Das interessiert dort in den meisten Fällen niemanden, aber die Polizei in Chiang Mai hat sich auf die Fahne geschrieben, die Spreu vom Weizen zu trennen und alle Touris (und sogar auch Locals) auf ihre Papiere zu kontrollieren, was ja legitim ist. Lustigerweise gestaltet es sich jedoch so, dass man bei der Kontrolle bei fehlendem Stempel einfach einen Strafzettel bekommt – und dann weiterfahren kann. Nichts mit festsetzen und nach Hause laufen. :p  Wenn man es so übersetzt, erkauft man sich damit also einen temporären Führerschein, was nicht gerade auf ein nobles Ansinnen der Polente, sondern einfach nur auf Geldmacherei schließen lässt. Egal wie: Uns hat es leider tags zuvor auch erwischt und wir mussten zahlen. Gut, dass der Strafzettel drei Tage lang gültig ist und man in dieser Spanne nicht noch einmal bezahlen muss.

Da wir also diesen Punkt aus der Agenda streichen konnten, fuhren wir furchtlos in Richtung Berge. Auch wenn der Weg tatsächlich herausfordernd, steil und kurvig war, hat es extrem Spaß gemacht, sich durch die Serpentinen zu schlagen.

Nach 150 Kilometern und quasi nicht mehr vorhandenen Pobacken checkten wir jedoch in unser Domizil mit eigenem Ferienhäuschen ein bisschen ab vom Schuss ein und tauchten das Gesäß in Eiswasser.
In Pai haben wir uns glaube ich nach einem ziemlichen Reisetief auf beiden Seiten das erste Mal so richtig erholt. Dafür hatte da Dörfchen aber auch die perfekten Gegebenheiten: Wir wohnten wie gesagt etwas weiter außerhalb und hatten somit absolut ruhige Nächte in luftiger Umgebung, mit Klimaanlage, Ventilator und gut funktionierendem Internet. Die Grundkomponente zum Auftanken, eine gute Homebase, war also schonmal gesichert. Zudem hatten wir einen grandiosen Ausblick von einer kleinen Veranda, direkt auf die Berge.
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Das zweite Standbein, die gute Versorgung, wurde zu einem Großteil von günstigen lokalen Restaurants, aber auch von der absolut grandiosen Walkingstreet des Ortes, abgesichert. Ab 18.00 Uhr öffneten dort eine Vielzahl an Essenständen und boten alles an, was das Herz begehrte: Chicken-Wraps, Bratnudeln, Pizza, Waffeln und frische Säfte, um nur mal einen Bruchteil zu nennen. Jeden Abend nahmen wir uns etwas anderes vor und schlenderten durch die hell erleuchteten Gassen. Es war einfach klasse!


Die Umgebung von Pai wusste als Standbein Nummer drei auch zu begeistern, wenngleich wir am Anfang etwas desillusioniert waren. Wir wussten, dass in diesem Teil des Landes kurz zuvor die so genannte „Burning Season“ im Enden begriffen war. Das bedeutet, dass Farmer ihre alten Felder abfackeln um so neue fruchtbare Erde auf den Plan zu rufen. Das resultiert in Rauch in der Luft und abgebrannten Feldern, aber dass es tatsächlich so karg sein würde, hatten wir nicht gedacht. Nachdem wir nämlich die Ortsgrenze passiert hatten, war das Naturbild eher grün-gräulich, als leuchten Smaragd-Farben. Darauf stellten wir uns jedoch schnell ein und unternahmen so manchen Ausflug ins Umland. Auf dem Plan standen zum Beispiel eine alte Gedenk-Brücke, ein sagenhafter Canyon zum Sonnenuntergang und die Erkundung des hügeligen und wenn auch etwas herbstlich anmutenden Umlandes. Dabei ließen wir die bekannte Bambusbrücke, die sich gefühlt mehrere Kilometer über Reisfelder schlängelt, natürlich nicht aus. 😉

All diese Punkte in Kombination mit einem allzeit zur Verfügung stehenden Roller gaben uns seit langem das Gefühl, eine Art zu Hause zu haben, in dem wir einfach Auftanken konnten.
Die neu gewonnene Kraft sollten wir für unseren nächsten Gewaltmarsch auf eine Insel in der Nähe von Bangkok, Koh Chang, auch brauchen. Wie sich die Reise dorthin im Detail abspielte und was wir für Überraschungen uns auf Koh Chang erwarten sollten, erfahrt ihr jedoch erst im nächsten Bloggi-Blog.

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