Die Partyhochburg Koh Changs und die Straßen Bangkoks

13-25. April 2017

Zu Beginn dieses längst überfälligen Blogbeitrages wollen wir euch noch einmal mit einem kurzen Rückblick zu unseren letzten Erlebnissen in Thailand versorgen:
Nachdem wir in Chiang Mai, der Stadt der Tempel, eine Woche lange die Seele hatten baumeln lassen, fuhren wir mit unserem Mietroller drei Stunden durch die Berge Nordthailands um in Pai, einem kleinen hippen Dorf, selbiges zu tun. Die Zeit, die wir in dieser Region Thailands verlebten war durchweg von tollen Menschen, leckerem Essen, ganz einfach von Erholung pur und Glückseligkeit geprägt.
Leider hat auch so eine schöne Zeit einmal ein Ende und so ging es für uns nach Pai auf eine wahre Odyssee: Mit dem Roller düsten wir drei Stunden zurück durch wunderbare Berglandschaften nach Chiang Mai, um dort unsere tapfere Kiste abzugeben und unseren längsten Reisetag auf der Reise fortzuführen. Nach einem netten Plausch und einer kleinen Selfieaktion mit der Verleiherin, ging es zurück in unser Hotel, wo der zweite Teil unseres Gepäcks wartete. Mittlerweile war es 13 Uhr und wir hatten noch knappe sechs Stunden vor uns, bevor wir den Nachtbus in Richtung Bangkok besteigen würden. Glücklicherweise durften wir uns noch einmal in die Hotellobby lümmeln und begleitet von dem Gegacker der Angestellten vor dem Fernseher verbrachten wir dort eine angenehme Wartezeit. Ein wenig aufgelockert wurde diese Zeitspanne von einem mächtigen Gewitter und einhergehendem Regenfall, der alle Mitarbeiterinnen hektisch durch die Lobby laufen ließ um alle unbefestigten Elemente festzuzurren oder zu verschließen.
Wir, ganz selbstsicher, machten uns nach dem ersten Guss noch einmal auf den Weg um Shakes zu holen – OHNE Schirm. Was uns da geritten hat… keine Ahnung. Diese Dummheit bezahlten wir jedenfalls mit feuchten Klamotten und gewagten Sprints von Unterstand zu Unterstand. Was tut man nicht alles für ein paar leckere Fruchtshakes?
12h nachdem wir also am selben Tag in Pai mit dem Roller losgefahren waren, saßen wir endlich im Nachtbus und freuten uns auf einen „erholsamen“ Schlummer, die uns erneut ein thailändisches Kuriosum entgegenschleuderte. Irgendwann um ein Uhr nachts hielt der Bus an einem riesigen Rastplatz, an dem wir uns an einem im Ticket eingeschlossenen Buffet gütlich tun konnten. Das war angesichts dessen, dass wir kaum etwas zum Abend gegessen hatten ganz cool, aber eben auch ziemlich kurios. 😊
Pünktlich gegen 5:30 fuhren wir in Bangkoks schönsten *hust* Busbahnhof ein, der uns mit allerlei Schmutz, dreckigen Klos und unzähligen gaunerisch wirkenden Gestalten im Halbdunkel Willkommen hieß. Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen wie wir uns, neben der Müdigkeit, fühlten. 😉 Nach kurzem Suchen fanden wir dann unsere nächste Reiseoption: ein kleiner Minivan sollte uns die nächsten sechs Stunden in Richtung der Insel Koh Chang bringen. Wieder einmal zeigte sich die thailändische Nettigkeit und wir bekamen gute Plätze und sogar unser riesiges Gepäck wurde irgendwie verstaut. (Vorher hatten wir einige Horrorgeschichten im Internet gelesen, dass man mindestens einen zusätzlichen Platz buchen müsste, um einige Gepäckstücke mehr transportieren zu können) Nach 5 ½ h im Van wurden wir auf einem Parkplatz ausgeladen, auf eine Art Jeep umgepackt und dann endlich Richtung Hafen gefahren. Nun hieß es nur noch die Fährfahrt überstehen und irgendwie zur Unterkunft zu gelangen. Wir waren sehr froh, dass beides ohne große Komplikationen von Statten ging und so kamen wir nach 28 Stunden, nachdem wir das schöne Dorf im Norden Thailands verlassen hatten, endlich im Süden auf einer kleinen traumhaften Insel an!

Koh Chang

Unsere Unterkunft erwies sich als kleines Holzhäuschen mit einem chilligen Flair, welches von einem Italiener und seiner deutschen Freundin geführt wurde. Trotz der Einfachheit der Zimmer und der fehlenden Klimaanlage fühlten wir uns zunächst wohl, da die junge Besitzerin offen und herzlich war und stets auf ein kleines Pläuschchen Lust hatte.
Der Grund warum wir uns zu diesem Zeitpunkt für eine kleine ruhige Insel entschieden hatten, war das stattfindende Wasserfest, das „Song Kran“. Dies ist quasi das Silvester, also das Neujahrsfest der Thailänder und wurde ursprünglich als Reinigungsritual begangen: Durch das Beträufeln mit Wasser soll symbolisch das alte Jahr abgewaschen werden.
Mittlerweile hat sich diese Tradition jedoch zu einem riesigen Fest entwickelt, zu welchem sich die Einheimischen und besonders auch die Touristen ohne Rücksicht auf Verluste komplett nass machen. An den Straßen werden Tonnen mit Wasser aufgestellt und jeder der im Auto oder auf dem Roller vorbeifährt wird fröhlich mit einem kleinen (oder großen) Eimerchen übergossen. Wenn du besonderes Glück hattest, konnte dabei auch schon fieses Eiswasser den Rücken hinunter rinnen. Falls sich dein Handy oder Kamera in keiner wasserdichten Hülle befindet, selbst schuld – als Tourist weiß man ja eigentlich, was abgeht.
In Chiang Mai kommen zu diesem Fest zehntausende Leute zusammen – der größte Horror für uns – daher sollte es ab auf die Insel gehen.
Als wir aber in dem Jeep zur Unterkunft saßen, ahnten wir jedoch schon, dass wir dem Neujahr nicht entkommen waren. An der Hauptstraße wurden die Fässer aufgestellt und einige Kinder machten uns schon jetzt nass. Hin und Her geschmissen zwischen Spaß und dem instinktiven Wunsch, einfach nicht nass werden zu wollen, versuchten wir zunächst entspannt mit der Situation umzugehen.

Lonely Beach (9)

Doch bereits am ersten Abend merkten wir in unserer Unterkunft, dass wir uns wohl auch noch für den falschen Zipfel der Insel entschieden hatten, nämlich genau für die Partyhochburg Koh Changs. Jippie.
Der Frust saß tief nach diesem anstrengenden Reisetag als gegen 20 Uhr die Bässe erklangen und uns bis 4 Uhr morgens in den Schlaf wämmsten. Wir probierten erst einmal das Beste aus der Situation zu machen und legten uns nach den zwei ersten lauten Nächten morgens an den schönen Strand fast vor unserer Haustür und holten Schlaf nach. Das beruhigte unsere Nerven ein wenig und wir genossen die Tage des Nichtstuns und die erste Zeit auf der Reise überhaupt, zu welcher mehrere Stunden und fast Tage am Stück einfach mal nur Insel- und Strandtage vor uns lagen.

Whitesand Beach (67)
Vor diesem Hintergrund taten wir uns schwer, die folgenden vier Nächte weiterhin neben den großen Diskotheken der Insel wohnen zu bleiben. Mit einem Pärchen aus Berlin, die in unserer Unterkunft trotz des Lärms guten Schlaf fanden, schauten wir uns eines Abends dann mal in der „Partymeile“ um und waren erschrocken: Kaum eine Menschenseele tummelte sich auf der Tanzfläche und der Bass schien nur für das Personal zu wummern. Nach der dritten Nacht entschlossen wir uns schweren Herzens die entspannte Unterkunft zu verlassen, denn auch wenn es im Laufe des Tages wunderbar ruhig und angenehm war, so frustrierten uns die kurzen und dazu auch noch extrem heißen Nächte sehr. Ein weiterer Erholungsdämpfer an der ganzen Sache war aber auch noch das Wasserfest, zu welchem ja diese Partys veranstaltet wurden. Wenn man nicht bei jedem nach draußen gehen von oben bis unten triefend nass werden wollte, musste man verschlungene Pfade durch die Wohnsiedlung gehen um nicht den irren Touris auf der Hauptstraße in die Fänge zu geraten. Wir fühlten uns in unserer Grummeligkeit diesbezüglich ein bisschen wie ein greises Ehepaar, aber manchmal kann man eben nicht aus seiner Haut raus. 😊 Ein weiterer Nebeneffekt war, dass die ganze Insel fast ausgebucht war. Wir fanden noch eine freie Unterkunft in unserem Preissegment und machten uns das erste Mal! ohne Buchung einfach direkt auf den Weg dorthin. Völlig verschwitzt stiefelten wir den Weg zur Unterkunft hoch nur um zu erfahren, dass keine fünf Minuten vorher ein Reisender vorbeikam und genau den letzten Bungalow gebucht hatte. Aaaaarh! Der Besitzer verwies uns an seinen Nachbarn und auch wenn wir ein wenig mehr zahlen mussten, hatten wir richtig Glück im Unglück. Keine halbe Stunde später bezogen wir einen sauberen, klimatisierten Bungalow am Rande des Regenwaldes und schlummerten am Abend glücklich zum lauten Zirpen der Zikaden ein. Juchuu!
Die nächsten Tage mieteten wir uns einen schnittigen Roller, der das steile Hügelland mit einer Ehrfurcht einflößenden Leichtigkeit erklomm und erkundeten ein wenig die Insel. Idyllisch gelegene Strände, Ausblicke über die Insel und Lesen beim Meeresrauschen bestimmten also die folgenden Tage. Neben einem heftigen Sturm und den damit einhergehenden Netflix-Tagen genossen wir die Sonne und das entspannte Inselleben.

 

Bangkok

Per Fähre und Bus ging es dann wieder zurück nach Bangkok, wo wir noch einmal unsere lieben Freunde von Zeitreise wiedertreffen konnten. Gemeinsam hatten wir uns in einem kleinen Hotel eingemietet und erkundeten von dort aus diese riesige Stadt. Im Laufe des Asienaufenthaltes hörten wir immer wieder verschiedene Stimmen über die Metropole, entweder man würde sie lieben oder hassen. Wir schwammen eher in der Grauzone und empfanden keine dieser extremen Gefühlsregungen. 😊
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Stadt kulturell enorm viel zu bieten hat. Neben 400 Tempeln gibt es unzählige hippe Nachtmärkte zu besuchen, wunderschöne Parkanlagen und nicht zu vergessen der Ausblick auf die glitzernde Skyline! Nachdem wir uns viel über unsere letzten Wochen auf Reisen ausgetauscht und Wizard bis zum Umfallen gespielt hatten, ging es für uns Vier auf unsere erste Erkundungstour. Zusammen spazierten wir durch Bangkoks größten Park, dem Lumpini Park. In der wunderschönen Grünanlage laufen hier RIESIGE Warane vogelfrei und unbehelligt durch den Park und schwimmen wie Mini-Krokodile durchs Wasser. Wir konnten unseren Augen kaum trauen! Mich erfreute jedoch etwas anderes noch viel mehr, nämlich die dort stattfindenden Sportveranstaltungen. Gefühlt halb Bangkok hatte sich in Sportklamotten geschmissen und leistete den Ansagen einer Art Arobiclehrerin Folge. Hunderte Thailänder hüpfen dann bei krassem Techno durch den Park und lockerten nicht nur ihre Muskeln, sondern auch den Nachmittag enorm auf. Eine wirklich klasse und auch noch kostenlose Sache, von der wir uns eine dicke Scheibe abschneiden könnten!


Im Anschluss schlenderten wir noch über einen der vielen Nachtmärkte, wobei wir wohl den nicht so hippen erwischt hatten und nach zehn Ständen voller KrimsKrams auch schnell wieder umdrehten. Da wir übrigens genau im heißesten Monat des Jahres in Thailand waren, war es im Laufe des Tages wirklich unerträglich für uns draußen zu sein. Die Zeitfenster in denen wir unterwegs sein konnten, waren dementsprechend kurz: Früh am Morgen bis knapp 10:30 und dann wieder ab 16:30, wobei es gegen 18.00 Uhr auch schon wieder dunkel wurde. Die Hitze staut sich in so einer großen Stadt natürlich enorm und so war die Anzahl und Dauer der Ausflüge doch wesentlich kürzer als angedacht.

In Chiang Mai hatten wir schon einige Tempel besichtigt, sodass wir uns entschieden, die großen und berühmten Bangkoks einmal auszulassen und diese für einen nächsten Aufenthalt aufzuheben. So war die To-Do Liste auch gleich um einiges kürzer und entspannter. Wir verbrachten demnach viel Zeit mit Karten spielen und leckerem Essen. 😀
Eines Abends wagten wir uns dann doch raus und auf die Wassertaxis und fuhren Strom aufwärts zu einem berühmten Tempel um ihn bei Sonnenuntergang vom Ufer aus zu bestaunen und zu fotografieren. Leider fuhren wir eine Haltestelle zu weit, und mussten so im Wettlauf mit der Sonne am Fluss entlang zurückrennen um noch bei Licht einen Blick auf die Tempelspitze erhaschen zu können. Wir kamen genau zum rechten Zeitpunkt, kurz vor dem Untergang an einem genialen Spot und hatten so Glück im Unglück. 😊


Bangkok bescherte uns zudem einen unserer schönsten Abende auf der Reise. Wir gönnten uns nämlich einen Besuch in einer der berühmten Skybars der Stadt und wurden mit einem wahnsinnig schönen Sonnenuntergang und Ausblick über die Stadt belohnt. Neben der Aussicht war aber auch die Stimmung für uns erinnerungswürdig, denn wir hielten Inne, blickten bei einem Mocktail dankbar und überwältigt auf unsere Reise zurück. Nach Thailand sollte nur noch ein Land folgen, langsam neigte sich dieses Abenteuer dem Ende zu und dies konnten wir dort noch kaum realisieren. Hoch über den Dächern Bangkoks saßen wir also, eine laue Sommerbrise umwehte unsere Gesichter und leise Musik spielte im Hintergrund. Wir hatten hier einen dieser perfekten Momente (auch wenn wir sonst eher Naturmenschen sind), in denen unser Herz schwer war vor Dankbarkeit, Freude und Wehmut.

Wie gerade erwähnt, war Thailand das vorletzte Reiseland. Nachdem wir uns von Celina und Luis verabschiedet hatten, hatten wir noch einen Tag in Bangkok den wir allein bestritten. Wir liefen nochmals durch den Lumpini-Park und verabschiedeten uns von der Stadt, die uns doch ganz gut gefiel, verabschiedeten uns von einem tollen Land, welches nicht ohne Grund DAS Nummer Eins Ziel für Backpacker und andere Reisende ist und freuten und fürchteten uns auf und vor unserem letzten großen Abenteuer: Sri Lanka!

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Bevor wir aber mitten in das kleine Indien eintauchten, machten wir noch einen kurzen Stop Over in Kuala Lumpur von drei Tagen. Da unser Flug eh über KL ging und wir dort umsteigen mussten, entschieden wir uns einfach dazu, dort noch einmal ein wenig Zeit zu verbringen und die Vorzüge der Stadt zu nutzen.

KL_Zweiter Besuch (22)

So lernten wir noch tolle Leute über Airbnb kennen, genossen die Atmosphäre um die Petronas Towers und bereiteten uns ein wenig auf die komplett neue Kultur vor. Aber was uns dann in Sri Lanka erwartete, übertraf unsere kühnsten Vorstellungen. Davon dann im nächsten Beitrag! 😊

 

 

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