Heiß, heißer, Sri Lanka- Unser Start in ein Land voller Sonnenschein und Currys

28.April – 5.Mai 2018

Wir hatten uns während unseres Thailandaufenthaltes schon etliche Male den Kopf zerbrochen, was denn unser letztes echtes Reiseziel werden soll. Da waren so viele Ideen im Pool, die wir immer wieder hin- und hergeschmissen haben: Ein Roadtrip durch Slowenien, zwei Wochen Bali, noch ein oder zwei Wochen in Europa ausdallern oder aber „the great unknown“ – Indien oder Sri Lanka.
Um euch den genauen Entscheidungsprozess zu ersparen mache ich es hier kurz: Unsere Neugier siegte und es wurde Sri Lanka. Wir hatten das Gefühl, dass wir hier noch einmal eine ganze andere Seite Asiens entdecken würden als bisher. Gleichsam würden wir hoffentlich nicht so überwältigt werden, wie man es von so gut wie jedem Reisenden in Indien hört und dennoch einen Eindruck von dieser quirligen und im Vergleich zu Deutschland so anderen Mentalität erhalten.
Wir buchten also unsere Flüge und nachdem wir in Bangkok beinahe verschlafen hatten (und dennoch pünktlich am Flughafen ankamen – manchmal kann man auf seine biologische Uhr ja auch stolz sein), saßen wir jedoch erst einmal im Flieger Richtung Kuala Lumpur. Die Millionenstadt hatte uns vor einigen Monaten bereits so gut gefallen, dass wir uns entschieden hatten, hier noch einmal einen drei Tages Stop einzulegen. Wir erkundeten die Petronas Towers und die abartig vielen Malls. Dabei stieg die Aufregung über unsere Einreise in Sri Lanka stetig nach oben – Um ehrlich zu sein ging uns ziemlich die Muffe, als wir schließlich nachts in Colombo, der Hauptstadt des Inselstaates, ankamen.

Negombo

Hatten wir uns nämlich bereits ziemlich gut mit der Mentalität in Thailand und irgendwie auch dem Rest des südostasischen Raumes angefreundet, würden wir hier (wie erwähnt) noch einmal mit einem ganz anderen Kaliber konfrontiert werden. So dachten wir zumindest. Würden wir auf der Straße angeglotzt werden? Ist es so brechend voll in Bus, Bahn und den Städten, wie es immer so stereotyp dargestellt wird? Wird es so dreckig und chaotisch zugehen wie in indischen Großstädten? Und was ist mit dem scharfen Essen? AHHHHH!
Als wir spät nachts ankamen, erlebten wir jedoch zunächst eine ziemlich angenehme Überraschung. Erstmal rückte uns keiner wirklich auf den Pelz: Nachdem uns ein paar Taxifahrer kaschen wollten und wir fachmännisch abwinkten, konnten wir uns unbehelligt unsere Sim-Karte holen und ein Uber bestellen. Puuuh, zum Glück!
Die Anspannung war jedoch noch nicht gänzlich abgefallen. Viel zu wenig wussten wir von Land und Leuten, als dass wir unsere Scheu und Vorbehalte einfach so über Bord schmeißen konnten. Manchmal ist der Mensch auch einfach doof, denn nur ein paar Tage später sollte sich unsere Meinung einmal komplett gedreht haben.
Bis dahin lag jedoch noch unsere erste Übernachtung in einer schicken Unterkunft vor uns. Nachdem uns das Uber sicher dort abgesetzt und wir wegen der späten Stunde den Hausherren aus dem Bett klingeln mussten, bezogen wir unser riesiges Bett und schliefen ziemlich schnell ein.
Am nächsten Morgen frühstückten wir kurz und machten uns gleich auf die Suche nach Wasser, denn eins dämmerte uns langsam: In Sri Lanka würden wir noch einmal eine ganz neue Dimension von Hitze erleben, daher mussten wir unseren Flüssigkeitshaushalt logischerweise ebenso anpassen. Als wir so durch die Straßen liefen und uns unter neugierigen Blicken unter unseren abgegrabbelten Schirmen vor der erbamungslosen Sonne schützten, erkundeten wir die Stadt Negombo (ein paar Kilometer außerhalb der Hauptstadt und wesentlich ruhiger), die direkt am Strand gelegen ist. Das Straßenbild vor Ort war dabei ein Mischmasch aus Schick und verfallen und wie überall in Asien musste man den Müll nicht mit der Lupe suchen – der lag nämlich überall rum. Die Atmosphäre war verschlafen und entspannt und so konnten wir uns ganz in Ruhe umschauen.
Wie es der Zufall wollte, fiel unser Aufenthalt dort auf einen der wichtigsten Feiertage des dortigen Buddhismus – Buddhas Geburtstag. Das hatte zum einen den Nachteil, dass nur wenige Restaurants geöffnet waren, auf der anderen Seite wurde jedoch Eiscreme for free auf den Straßen verteilt und auf dem breiten Strand Negombos vertrieben sich die einheimischen Familien ihre Zeit mit Essen, Quatschen und Beisammensein. Wir erhielten also bereits in den ersten Tagen einen coolen Einblick in die Mentalität der Sri Lankaner, als wir Eisschleckend durch die Straßen und über den Strand flanierten und fühlten uns inmitten der Locals und dem wunderschönen Sonnenuntergang mit einem Mal angekommen.


Rückblickend denke ich, dass uns die bisherigen Erfahrungen, die wir auf der Reise schon gemacht hatten, gut ausgerüstet hatten und den Angstvorschuss, den wir dem Land ungerechtfertigter Weise gegeben hatten, schnell abbauen konnten.
Nach nur zwei Nächten vor Ort ging es für uns per Zug weiter südlich in Richtung der Stadt Galle. Von unserer Unterkunft aus liefen wir einen knappen Kilometer zu unserem Weitertransport. Ich erwähnte ja bereits, dass Sri Lanka hitzetechnisch mal so richtig auf die Pauke hauen musste: Es war wirklich unvorstellbar heiß. Nach dem kurzen Fußmarsch waren wir nass und damit meine ich quasi frisch-aus-der-Dusche-ohne-abgetrocknet nass. Gefühlt lief das Wasser, dass wir uns in Sturzbächen in die Kehle schütteten gleich wieder zu den Poren raus. 😊
Neben diesem ja doch etwas belastenden Umstand waren wir etwas angespannt – ich erwähnte unsere Angst vor bis zur Decke vollgestopften Zügen in dieser Hemisphäre. Als dann jedoch der Zug einrollte, atmeten wir vorerst auf: Mit viel Platz, ohne Türen und komplett geöffneten Fenstern tuckerten wir bei erfrischendem Fahrtwind für einen lächerlich geringen Preis von vielleicht einem 1,50€ pro Kopf für vier Stunden Zugfahrt in Richtung der alten Garnisonsstadt. Das äußere des Zuges ließ jedoch vermuten, dass die Wagen schon zu Besatzungszeiten unterwegs waren: Schon ordentlich abgeranzt und schlichtweg uralt. Aber wie erwähnt, luftig und leer und: Er fuhr problemlos. 😊


Was sich indes bewahrheitete, war der Umstand, dass tatsächlich ständig irgendein Augenpaar auf uns lastete und uns entweder verhohlen oder ganz offen musterte. Da muss man sich halt dran gewöhnen. Eine weitere Begebenheit ist mir dabei auch noch hängen geblieben: Wir hatten vor der Fahrt unsere obligatorische Reisetablette eingeschmissen und so befanden wir uns in einem vegetativen Dämmerzustand, der durch die infernale Hitze noch zusätzlich – im wahrsten Sinne des Wortes – befeuert wurde. Ein Rastaman saß uns quer gegenüber und schaute schon ewig ganz besonders interessiert zu uns rüber, bis er sich schließlich ein Herz fasste und sich neben mich setzte. Ich muss gestehen, dass mir eigentlich nur folgender Gedanke durch die Synapsen huschte: „Herr, bitte nicht… ich kann nich reden….“ aber er hatte kein Einsehen. Da ja die Türen fehlten, war es saumäßig laut im Zug, doch trotzdem wollte der Bursche ein Gespräch anfangen: „Hey, where are you from? What are you doing?“ Nach ein bis zwei kurzen Antworten meinerseits entschied ich mich für die Wahrheit und sagte ihm, beinahe lallend „Hey man, i don’t want to be rude, but I’m not in the mood to talk right now.“ Er antwortete: „Erm… no i just wanted to know, what you are doing.“ Ich verstand ihn kaum durch den Zuglärm und als ich ihm das erklärte, fragte er, ob ich irgendwas mit den Ohren hab, weil ich ihn ja nicht verstünde. Situationskomik! Nachdem ich ihm erneut gespiegelt hatte, dass ich einfach nicht in Stimmung für ein Gespräch war, ließ er ab und ging wieder zurück an seinen Platz. Heute weiß ich, dass das nicht sonderlich toll war, aber damals war ich zu schwach und fertig um mich schlecht zu fühlen. Ohne ein weiteres Gespräch ging es Richtung Galle. 😉

Galle

Auf Galle freuten wir uns schon extrem, denn durch die Ankunft der Portugiesen in längst vergangenen Zeiten gab es hier einige architektonische Perlen zu begutachten: Ein Fort mit dicken Mauern und alten Gässchen direkt am Meer und einige alte Kirchen in der Umgebung boten Stoff für einige Tage der Erkundung. Nachdem wir also unbeschadet aber erschöpft in Galle angekommen waren, nahmen wir zum ersten Mal Kontakt mit einem der Hauptverkehrsmittel auf, dass in einer schier unzählbaren Anzahl durch die Straßen ganz Sri Lankas knattert: Das Tuktuk.

K1600_Negombo (3)
Wir hatten ein ungewöhnlich gut bewertetes Homestay, also eine Unterkunft in der Wohnung eines Locals, über Booking gebucht und wurden zielsicher dorthin geleitet. Auch hier profitierten wir noch einmal von Buddhas Geburtstag, denn auf dem Weg bekamen wir ein Bananenblatt voll von einem Jackfruit-Brei-Erzeugnis, das erstaunlich nach Kartoffeln schmeckte.
In der Unterkunft angekommen wurden wir von Nenoosha, der herzlichen Homestay-Besitzerin in Empfang genommen und konnten alsbald in unser klimatisiertes Zimmer mit eigenem Bad einziehen und endlich einpennen.
Noch am ersten Tag erkundeten wir das weitläufige Fort, das auf einer Halbinsel liegt. Die wehrhaften Mauern und der mediterrane Baustil von mal mehr mal weniger erhaltenen Gebäuden dieses UNESCO-Weltkulturerbes hatte es uns auf einen Schlag angetan.

Wir schlenderten durch die Gassen und ließe uns zum Essen in einem Restaurant nieder, in dem wir zwei Spezialitäten ausprobierten: Sri Lankanisches Curry und Kottu. Ersteres beinhaltet – anders als hier bei uns üblich – meist verschiedene Currysorten, die in kleinen Pfännchen zu weißem Reis gegessen werden. Dabei ist ganz vorne dabei das Dhal-Curry, welches aus Linsen hergestellt wird, genauso wie Huhn- und Gemüsecurries. Der Geschmack war wirklich bombastisch und hatte in der Palette der Reise definitiv noch gefehlt. Mareike bestellte sich Kottu, was einfach beschrieben ein mit Ei und Gemüse angebratener Sri Lankanischer Fladen ist, der in Streifen geschnitten und dann serviert wird. Hört sich ulkig an, aber war zu diesem Zeitpunkt auch ein absoluter Schmaus.
Auch die Atmospähre im Fort war toll- die Einheimischen waren selbst geschäftig unterwegs und auf den Freiflächen vor den Mauern wurde Cricket gespielt. So viel Geschichte, die bis heute ihre Wurzeln schlägt…


Satt und noch vom vorherigen Tag fertig gingen fuhren wir in Richtung Unterkunft und bemerkten bald, dass es uns immer schlechter ging. Alsbald bekamen wir Besuch von einem alten Bekannten, der unser Unwohlsein erklären sollte. Wie ein Kollege dereinst so treffend formulierte, verteilte Graf Pestilenz mal wieder Adelstitel. Soll heißen: Der grünbraune Ritter klopfte wieder einmal wutentbrannt an der Türe und zog erst Mareike und dann auch mich in seinen Bann… uns ging es hundsmiserabel und nur durch die Klimaanlage und die Pflege von Nenoosha kamen wir langsam wieder auf die Beine. Nachdem wir hintereinander bestimmt 4 Tage verlängert hatten (und dabei immer wieder ein anderes Pärchen, das gern in unser Zimmer wollte, verprellten :p) ging es uns langsam besser. Uns spielte hierzu noch in die Hände, dass wir zeitversetzt betroffen waren und so jeder den anderen pflegen konnte. Hierbei musste ich mich einmal ganz besonders überwinden und in ein kleines offenes Restaurant am Straßenrand einkaufen gehen, wo im Grunde ausschließlich Locals aßen. Ich wurde jedoch herzensgut und einfach liebevoll betreut und so schloss ich bzw. schlossen wir die Inselbewohner immer mehr ins Herz. Am Morgen wurden wir von Nenoosha mit typisch Sri Lankanischen Gerichten beköstigt und wurden auch im Laufe des Tages immer mit ausreichend Tee versorgt – echt eine Seele von Frau.
In der Zwischenzeit unserer Genesung unterhielten wir uns mit ihr, bekamen Einblicke in ihr Leben und Kultur. Auch der verheerende Tsunami im Jahr 2004 wurde thematisiert. Noch heute sind an der südlichen Küste verwüstete Häuser zu sehen und die Verluste in den Familien sind allgegenwärtig.
Am vierten Tag fühlten wir uns wieder so genesen, dass wir uns das Fort noch einmal richtig anschauen konnten und wir waren einmal mehr verzaubert.

Dieser Charme längst vergangener Kolonialzeiten nahm uns erneut in den Bann, sodass hier Bilder am besten sprechen:

Von Galle aus erkundeten wir noch zahlreiche Strände und Kirchen.

Hierbei will ich noch von einem ganz besonderen Erlebnis erzählen, dass sich in unsere Hirne eingebrannt hat. Wir ließen uns per Tuktuk an einem Strand rausschmeißen, an dem eine riesige Palme mit angebrachter Schaukel stehen sollte – ein typisches Instagram-Bild. 😊 Wir fanden das jedoch so cool und schön, dass wir davon auch gerne eine Aufnahme schießen wollten, jedoch wurden uns zwei Striche durch die Rechnung gemacht. Es war erstens ziemlich stürmisch und zweitens war die Schaukel aus diesem Grund befestigt worden, sodass sich keiner verletzen konnte.

K1600_Galle Tag 5 (95)

Wir nahmen es gelassen und setzten uns trotzdem an den schönen Strand, schossen ein paar Bilder und genossen die Brise. Ein paar ortsansässige Burschen kamen zu uns, führten uns ihren Drachen und einen Einsiedlerkrebs vor – es war kein anderer Touri unterwegs. Irgendwie eine schöne Stimmung des im Einklangseins. Irgendwann schaute ich nach rechts und sah ein paar Meter weiter etwas auf dem Boden krabbeln. Wir konnten unseren Augen kaum trauen – es waren kleine Babyschildkröten, die wohl gerade geschlüpft und ihren Weg in Richtung des Meeres erkämpfen wollten! 😊 Es waren einige Locals vor Ort, die den Schildkröten entweder halfen oder aber ein paar einfingen um sie zu späterer Zeit ins Wasser zu lassen. Dieser Moment lässt sich nur mit zwei Worten beschreiben: Surreal und magisch.

Im Anschluss trauten wir uns das erste Mal in einen Sri Lankanischen Bus. Manche Touris steigen erst gar nicht ein, so einen schlechten und gefährlichen Ruf haben diese Busfahrten.
Die Fahrer dieser rollenden Entertainment-Maschinen – von außen sind sie meist irre lackiert und innen drin gibt’s laute Mucke oder Fernsehen oder beides – sind dabei wirklich nur eine Handbreit von der Tollwut entfernt. Mit menschenverachtender Geschwindigkeit und einer Kühnheit, die an Wahnsinn grenzt, ballern die durch den Verkehr, dass es einen innen hin und herschmeißt. Aber so kommt man wenigstens schneller an sein Ziel. 😊
Heil in Galle angekommen tuktukten wir in Richtung Nenoosha und bereiteten uns auf unsere Abreise vor, die uns zu einem ganz besonderen Abschnitt unserer Sri Lanka Reise bringen sollte! Davon jedoch mehr im nächsten Beitrag – danke fürs Lesen!

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