Ein Park voller Giganten und ein nahendes Unwetter

Udawalawee, 06.-08. Mai 2018

Da wir die erste Zugfahrt in Sri Lanka von Negombo nach Galle so genossen hatten, beschlossen wir den ersten Abschnitt unserer Fahrt in Richtung Nationalpark auch wieder mit dem Zug zu absolvieren. So verabschiedeten wir uns schweren Herzens, aber mittlerweile wieder voll genesen, von Neenosha und fuhren im Tuktuk gen Bahnhof.
Eine Stunde ratterten wir entlang der Küste. Immer wieder konnten wir auf das blaue Meer blicken und auf der anderen Seite grüne Palmen, kleine Dörfer und ihre wuseligen, mit Tuktuks und Roller, vollgestopften Straßen beobachten. Da auf Sri Lanka das Eisenbahnnetz nicht überall ausgebaut ist, mussten wir für unsere weitere Reise ins Landesinnere auf die abenteuerlichen Busse umsteigen. Wir waren mal wieder nicht nur einmal froh, dass wir weiterhin unsere Reisetabletten mit im Gepäck hatten. 😉
Nach einigen Stunden des Durchgeschütteltwerdens und unzähligen Schweißperlen später, es war noch immer bullenheiß, stiegen wir dann inmitten einer kleinen Häusersammlung aus, die wir für den Ort Udawalawa hielten, an welchen auch der ähnlichklingende Nationalpark Udawalawee angrenzte. Einige Tage zuvor hatten wir hier ein kleines Homestay gebucht, welches etwas ab vom Schuss lag, sodass es am sinnvollsten gewesen wäre, wenn wir vom Besitzer abgeholt worden wären. Die Kommunikation mit dem jungen Hausherrn verlief jedoch schriftlich etwas schwierig, sodass er am anderen Ende des Dorfes- bei der „richtigen“ Bushaltestelle“ auf uns wartete während wir mit Händen und Füßen versuchten, den Weg/Name/Ort des Homestays mehreren TukTukfahrern zu erklären. Am Ende kamen wir und der Hausherr fast gleichzeitig an.
Schon die abenteuerliche Fahrt mitten über kleine Feldwege, die fast schon überwuchert waren, an Palmenhainen und Plantagen vorbei, ließen die Spannung auf das Homestay steigen. Die Unterkunftslage im Outback mag vielleicht nicht jedermanns sein, aber für die zwei Nächte und für uns war es perfekt. Zunächst fühlten wir uns ein wenig allein und hilflos, aber nach ein paar Momenten des Ankommens konnten wir das kleine Abenteuer annehmen. 😊 Wir schliefen gefühlt mitten im Grünen, weit und breit haben wir keine anderen Wohnhäuser gesehen, kein Kiosk zum Wasserkaufen. Nichts. Nichts außer den Kühen, die direkt vor der Veranda auf dem Acker grasten, dem Hund, der uns neugierig beobachte, den Hühnern die kreuz und quer über das Grundstück liefen und die Geräusche der Natur und von wildlebenden Pfauen um uns herum.

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Prabath, ungefähr Mitte Zwanzig, lebt dort mit seiner Frau und seinen Kindern. Als stolzer Homestaybesitzer war er uns ein wirklich toller Gastgeber und bemühte sich, uns vieles aus seinem Leben zu zeigen: Die eigenen Bananenpflanzen, uns fremde Früchte und er ging mit Tobi zum Fluss um dort zu baden. Am liebsten hätte er ihn auch gleich noch mit zum Cricket spielen genommen. 😊
Aaaber, wir waren natürlich nicht nur dort, um uns noch mehr in Land und Leute zu verlieben, sondern auch, um den Nationalpark und die dort lebenden Dickhäuter zu besuchen. Oh, wie aufregend! Prabath arbeitete selbst einige Zeit als Guide im Park und so kam es auch, dass er den Jeep für die geplante Safari besorgte und mit uns die Tour durchging. Bevor es für uns am nächsten Tag um 5.30 Uhr los ging, wurden wir am Abend überragend bekocht. Seine Frau zauberte ein traumhaftes Curry und es hätte wohl auch noch für sechs Personen mehr gereicht. 😊 Gespannt, satt und aufgeregt schlummerten wir in der folgenden Nacht ein.

Es war noch dunkel als wir am nächsten Morgen aufstanden, die Vögel erwachten langsam und für uns gab es zum Start in den Tag noch einen Schwarztee auf der Veranda. Auf Kohle sitzend war es dann schon schnell Zeit, den urigen Jeep zu besteigen und es sich hinten auf den erhöhten Sitzen gemütlich zu machen. Da wir am Ende der Saison in dieser Gegend waren, hatten wir Prabath und seine Kenntnisse ganz für uns allein.
Wir fuhren dem Sonnenaufgang entgegen und erlebten eine wirklich magische Stimmung während der Fahrt zum Nationalpark: Rosane Streifen über einem ausgedehnten See, ein Gefühl von Abenteuer lag in der Luft. Dann hieß es noch kurz warten, während Prabath uns am Eingang des Nationalparks anmeldete und nachdem wir schon die ersten Minuten Ausblick genossen haben, ging es los.

Udawalawe Nationalpark (3)

Am Eingang des Parkes waren noch viele Jeeps beieinander, die sich jedoch schon nach wenigen Metern zerstreuten. Prabath lenkte unseren Wagen in einen Seitenweg und wir waren einfach nur glücklich über die sagenhafte Aussicht: Der langsam beginnende Tag erfüllte uns und während sich die ersten Sonnenstrahlen über die Weite legten, waren wir von Dankbarkeit erfüllt. Plötzlich stoppte unser Guide die holprige Fahrt und zeigte ins Gebüsch. Und da war er, genüsslich nach Fressen suchend, unser erster Elefant in freier Wildbahn. Ein unbeschreibliches Gefühl machte sich breit. So viel Freude, Faszination und Überwältigung. Einfach Wow. 😊


Dem ersten Elefanten sollten noch einige mehr folgen: So ging es die nächste Zeit weiter, immer wieder stoppte Prabath und wir bestaunten diese majestätisch wirkenden Dickhäuter, wie sie gemächlich durch die Gegend bummelten.


Die Sonne stand mittlerweile schon hoch am Himmel und wir waren froh, über das Dach des Jeeps über unseren Köpfen und wenige Minuten später auch über die restlichen Stangen um uns herum. Wir passierten eine kleine Gruppe Elefanten, aus der sich ein noch junger Elefant absonderte und in Richtung Jeep spazierte. Prabath erklärte uns, dass dieser Dickhäuter im Reservat aufgezogen und dann wieder in den Nationalpark frei gelassen wurde. Durch den frühen Kontakt zu Menschen hatte dieser Elefant keine große Scheu und ging einmal direkt mit uns auf Tuchfühlung. Wir waren aufgeregt, wussten nicht so recht wie wir uns verhalten sollten und dann fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Der Schlingel riecht unsere Cracker! Keine Sekunde später war auch schon der windige Rüssel bei uns und suchte die Sitze nach der Leckerei hab. Oha. Ich kann euch sagen, ich schrie nicht nur einmal kurz vor Schreck auf. 😊 Richtig neugierig und ohne Scheu schnüffelte er noch weiter und fand unseren Rucksack, den ich noch schnell retten konnte. Prabath lachte nur herzlich und fuhr den Jeep einige Meter weiter, wo wir uns erst einmal beruhigen mussten. So einen Elefanten hat man so oft ja nicht direkt vor der Nase. 😊

Wir kicherten alle noch eine Weile und genossen die Fahrt, bis Prabath den Wagen durchs Gebüsch lenkte und sich vor uns eine riesige Wasserfläche eröffnete. Wir waren sprachlos. Auf der spiegelglatten Oberfläche reflektierten sich die Bäume, Wolken und vorüberziehende Vögel. Der Motor des Wagens verstummte und Stille umgab uns. Prabath drehte sich nur wissend lächelnd um… Wir merkten, auch für ihn war es noch immer ein besonderer Ort.

IMG_20180507_084653Udawalawe Nationalpark (89)

Eigentlich, so sagte Prabath, waren dort die Chancen hoch, Krokodile zu sehen. Wir hatten kein Glück, aber das störte uns nicht weiter. Wir sogen die Natur in uns auf und unser Guide fuhr zu einer weiteren Wasserstelle, wo wir kurz aussteigen konnten und noch das ein oder andere Foto schossen. Prabath erzählte uns einiges über sein Leben als Guide im Nationalpark, das Lebens als frischer Vermieter und von seinem größten Traum: Selbst einen Jeep zu besitzen. So recht wissen wir nicht mehr, wie es dazu kam, aber er bot Tobi an, doch auch einmal den Jeep zu fahren. Fröhlich setze sich Tobi nach der Pause hinter das Steuer und fuhr uns einige Minuten durch den Park. Prabath an seiner Seite gab ihm Tipps und achtete darauf, dass er nicht zu schnell fuhr. 😉 Dann drehte er sich um und sagte: „Jetzt du!“. Erst wollte ich es ablehnen, aber dann konnte ich doch nicht Nein sagen und so durfte auch ich einige Minuten den Jeep lenken. Coole Sache. 😊

Wir fuhren noch einige Zeit durch den Park, Prabath zeigte uns besondere Vögel und in der Ferne hörten wir das Trompeten der Elefanten. Der letzte Stopp führte an einem Wasserloch voller Büffel vorbei und es war ein höchst witziges und entspannt wirkendes Bild, wie all die schlammbesudelten Köpfe aus dem Matsch hervorlugten.

Dann war es langsam Zeit, den Rückweg anzutreten. Prabath hatte sowieso schon mehr als die „bezahlte“ Zeit für uns geopfert und unsere, nur mit ein paar Cracker gefüllten, Mägen freuten sich aufs Frühstück. Und was für ein Mahl uns wieder erwartete… Mannoman! Die Ehefrau von Prabath versorgte uns wieder köstlich und den restlichen Tag verbrachten wir schlafen und lesend auf der Veranda oder mit Ausrufen wie „Ey… wir haben gerade Elefanten gesehen!“

Rundum waren die viel zu kurzen zwei Tage toll und ein genial prägendes Erlebnis. Neben der unglaublichen Gastfreundschaft und Freundlichkeit, hatte uns auch die Natur Sri Lankas mal wieder umgehauen. Noch heute, Monate später, gehört der Besuch in Udawalawee zu den Highligths der Reise.

Aber unsere Zeit auf der Insel war noch lange nicht worüber und so brachte uns Prabath am nächsten Morgen zur Bushaltestelle im Dorf. Für uns ging es nun noch weiter ins Landesinnere – Auf nach Ella!
Wir erlebten wieder eine interessante Busfahrt, auf welcher wir eine srilankanische Arztserie sehen durften, die uns oft zum schmunzeln brachte. Wir erlebten zudem erneut die so typische Herzlichkeit der Inselbewohner, als uns Sitze angeboten wurden und verhaltenes Lächeln entgegenflog. 😊 Nach knapp 1,5h mussten wir noch einmal das Fahrzeug wechseln und bestiegen einen unglaublich verrückt dekorierten Bus, der locker auf der Love-Parade hätte mitfahren können.

Unsere Arme und Beine klebten auf den mit Plastik überzogenen Sitzen und wir waren froh, als der Fahrtwind uns durch die stets geöffneten Fenster etwas Kühlung brachte. Es war jedoch nicht nur der Fahrtwind, der die Temperaturen sinken ließ: Mit fast jedem gefahrenen Kilometer gen Norden wurde es kühler, grauer und ungemütlicher. Wir hatten schon im Vornherein gehört, dass es in den Bergen in denen das Dorf Ella liegt, zu diesem Zeitpunkt viel regnete. Wir haben uns jedoch trotzdem dazu entschieden, den Weg auf uns zu nehmen. Noch taten wir das drohende schlechte Wetter ab, kann ja schon nicht so schlimm werden.

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Dann schlengelte sich der Bus immer weiter die Serpentinen hinauf und ein prasselnder Regen setze ein – mit kleiner werdender Hoffnung schauten wir auf das immer näherkommende Ziel. Angekommen in Ella hatte es sich so richtig eingeregnet. Nach Sekunden triefend Nass hievten wir unsere Rucksäcke aus dem Bus und rannten mit unseren Mini-Regenschirmen einfach nur unter den nächsten Unterstand. Glücklicherweise entpuppte sich dieser als Restaurant und so gönnten wir uns zunächst ein leckeres Mittagessen. Was wir in unseren Tagen in Ella erlebten und ob uns das Wetter für den gesamten Besuch einen Strich durch die Rechnung machte, könnt ihr im nächsten Beitrag lesen. 😊

 

 

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